Nicht geschenkt!

06. Februar 2012 | Von Gerhard Hildenbrand

Eben noch hat "Bild" die Pressefreiheit gegen einen verwirrten Anrufer beim Chefredakteur verteidigt, schon nimmt das Blatt die nächste nationale Aufgabe in Angriff. "Bild" wird 60 und Freund und Feind sollen mitfeiern. Deshalb bekommen am 23. Juni alle Haushalte in Deutschland "eine kostenlose Sonderausgabe der 'Bild' geschenkt!", wie es in einer Ankündigung des Springer-Verlages heißt. Für Anzeigenkunden wird der Geburtstag etwas teurer: Vier Millionen Euro kostet eine ganze Reklameseite, 2,2 Millionen die halbe. Dafür wird versprochen, dass die Zeitung an "ca. 41 Millionen Haushalte, inkl. Werbeverweigerer" verteilt wird. Will sagen: Von Aufklebern an der Haustür wie "Bitte keine Werbung" lässt sich 'Bild' den Jubeltag nicht vermiesen. Wo doch ein Gericht entschieden hat, dass kostenlose Zeitschriften und Anzeigenblätter sehr wohl in Briefkästen gesteckt werden dürfen.

Also werden alle Deutschen von "Bild" beschenkt, ob sie wollen oder nicht. Alle Deutschen? Im Internet organisieren sich Querköpfe, die einfach nicht einsehen, dass sie "von Bild zwangsbeglückt" werden. Rechtsanwälte verweisen auf ein Gerichtsurteil, nach dem "das Zusenden von Postwurfsendungen gegen den ausdrücklichen Willen des Empfängers einen rechtswidrigen Eingriff in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung darstellt." Von Unterlassung, von Abmahnung, gar von Klage gegen 'Bild' ist die Rede. Wenige Klicks führen zu einem Musterbrief, der dem Springer-Verlag klar macht: "Ich möchte die 'Bild'-Zeitung nicht geschenkt bekommen". Doch schreiben muss man schon. Einfach nur die Mailbox des Chefredakteurs volljammern reicht nicht.


 

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