Ibak aus Kiel
Neue Märkte für Erfinder des Kanalrohrfernsehens
Mit modernster Technik werden Bilder über den Zustand von unterirdischen Kanälen auf einen Monitor über der Erde gebracht. Foto: kim
"Dichtheitsprüfung" - ein Angstwort für alle Hausbesitzer, denn ein undichter Kanal kann teuer werden. Ab 2015 sollen Grundstückseigentümer nachweisen, dass ihre Abwasserleitungen auch wirklich dicht sind. Das Kieler Unternehmen Ibak profitiert von der umstrittenen gesetzlichen Neuregelung. Die Firma ist Weltmarktführer bei der Herstellung von Kanalinspektionssystemen und schloss sogar im Krisenjahr 2009 - als der bundesdeutsche Maschinenbau am Boden lag - mit einem kräftigen Umsatzplus von 13 Prozent. Die hochpräzisen Produkte, die die 230 Ibak-Mitarbeiter in Kiel herstellen, arbeiten zwar im Verborgenen, dort aber mit sichtbarem Erfolg. Mit modernster Technik werden Bilder über den Zustand der Rohre, Muffen, Stutzen und Abzweiger des Kanalsystems unter der Erde auf den Monitor gebracht, Leckagen aufgedeckt und eingewachsene Wurzeln identifiziert. "Nichts bleibt im Dunkeln", wie Firmenchef Werner Hunger zu sagen pflegt.
Den Grundstein für den Unternehmenserfolg legte sein Vater Helmut in Kiel. 1957 erfindet er das erst Kanalrohrfernsehen, zuerst nur in Schwarzweiß und mit handelsüblichen Kameras, die in wasserdichte Gehäuse gesetzt wurden. Später werden die Kameras immer kleiner. Bereits 1968 kam das erste komplett ferngesteuerte Kanalinspektionssystem auf den Markt. Inzwischen können die aus dem Untergrund gelieferten Daten dank modernster Computertechnologie ausgewertet und in dreidimensionalen Bildern dargestellt werden. Eingebaut wird die gesamte Technik in Inspektionsfahrzeuge aller Art. Kosten: rund 200.000 Euro - eine Investition, die sich für auf Dichtigkeitsprüfungen spezialisierte Firmen offenbar lohnt.
Hilfe bei Bergung des Hitler-Schatzes
Ibak machte zudem eine Namen durch die Erfindung von Nischenprodukten. So wurden in Kiel Kameras entwickelt, um die Ärmelkanalschwimmerin Jane Baldasare im Jahr 1960 zu beobachten; Ibak-Erfindungen waren an der Suche und Bergung von Hitlers englischem Falschgeld im österreichischen Toplitzsee beteiligt und brachten das Unternehmen in die Weltpresse. Für das Bundesforschungsministerium entwickelte Ibak 1972 ein Tiefsee-Schleppgerät zur Erforschung von Manganknollen im Pazifik, und Anfang der 80er Jahre entstanden Geräuschbojen, mit deren Hilfe Ankertauminen entschärft werden konnten.
"In diesem Jahr machen wir einen Umsatz von rund 40 Millionen Euro", erklärt Werner Hunger. Sein Unternehmen produziert weiterhin vollständig in Deutschland. Hunger: "Unsere Firmenphilosophie lautet 'Made in Germany' als ein Synonym für exzellente Konstruktion, solide Fertigung und lebenslange Haltbarkeit." Der in anderen Unternehmen praktizierte Zusammenbau zugekaufter Systemkomponenten ist nicht seine Sache.
Rund die Hälfte der Produkte wird exportiert - vorwiegend in die USA, die Niederlande und nach Dänemark. "Seit sieben Jahren wachsen wir permanent und bauen unsere Marktführerschaft aus, sowohl was Umsatz als Betriebsgröße angeht." Nachwuchsprobleme hat Hunger nicht. Die 13 Azubi-Stellen sind leicht zu besetzen und auch Ingenieure findet er dank der engen Kooperation mit der Kieler Fachhochschule und Universität "ohne Schwierigkeiten". Jeder sechste Mitarbeiter ist in den Bereichen Forschung und Entwicklung tätig. Zukunftsideen hat Hunger genug: "Künftig wollen wir mit Sensoren auch hinter die Kanalrohre schauen, um festzustellen ob Leitungen unterspült sind."
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