Mit dem E-Roller auf die Überholspur

31. Januar 2012 | Von Tanja Nissen

Leichtgewicht: Die beiden Diplom-Ingenieure Tim Ascheberg und Jörn Jacobi können einen der Prototypen ihres selbst entwickelten E-Rollers locker heben. Und das soll auch mit dem Endprodukt so sein, das nicht schwerer als 25 Kilogramm werden soll. Foto: Staudt

Kiel. Jörn Jacobi (29) schiebt das Werkstatt-Tor hoch. Der Raum ist überschaubar. Der Blick fällt sofort auf eine große grüne Maschine. Eine 24 Jahre alte CNC-Fräse. An einer Wand steht eine kleine Werkbank. Mehr brauchten er und sein Freund und Geschäftspartner Tim Ascheberg (30) nicht, um die ersten Prototypen ihres E-Rollers zu testen und die Serien-Produktion vorzubereiten. Auf der Hannover-Messe im April wollen sie das selbst entwickelte Gefährt das erste Mal einer großen Öffentlichkeit präsentieren.

Die beiden jungen Diplom-Ingenieure haben im Oktober 2010 ihre eigene Firma gegründet. Im Dezember 2011 belegten sie den zweiten Platz in der Kategorie Start-up beim Gründer Cup der Kiel-Region.

Nach ihrem Maschinenbaustudium hatten Ascheberg und Jacobi noch ihren Master in Betriebswirtschaftslehre gemacht. Die Masterarbeit der zwei bestand in einer Marktstudie über Elektromobilität - verbunden mit der Frage, in welchem Bereich sich die zwei ehemaligen Studenten der Fachhochschule Kiel selbstständig machen könnten. Was größere Fahrzeuge wie Elektro-Autos angeht, da liege schon viel in den Schubladen mittelständischer und großer Firmen, sagt Jacobi. Den beiden wurde klar, dass sie sich spezialisieren, eine Nische finden mussten. Und die sehen sie bei den Elektrorollern.

Der Markt bietet noch Spielraum, auch wenn er stark in Bewegung ist. So ist beispielsweise der Hersteller des E-Rollers "Tante Paula" auf Expansionskurs. Das Gefährt wird in China vormontiert, die Endproduktion findet in Hamburg statt. Auch erkunden Touristen in größeren deutschen Städten ihren Urlaubsort bereits mit den Steh-Elektro-Rollern mit den bulligen Reifen der Firma Segway. Nicht zuletzt gibt es einige Modelle, bei denen viele an die Tretroller aus Kindertagen denken dürften - eben nur mit Elektroantrieb. Modelle, Preis, Qualität und Reichweite der E-Roller unterscheiden sich sehr.

Ascheberg und Jacobi setzen unter anderem darauf, dass ihr Roller handlich ist. Der Clou: Er lässt sich so zusammenklappen, dass aus ihm ein Gepäckstück wird, das kostenlos in Bus und Bahn mitgenommen werden kann. Das könnte unter anderem für Pendler interessant sein, aber auch für Segler, Camper und andere Reisende.

Der Roller wiegt etwa 25 Kilo. Der Preis wird nach Aussage der beiden Jungunternehmer unter 3000 Euro liegen. In Zusammenarbeit mit einem Produkt-Designer haben die zwei schließlich noch an dem Aussehen ihres Gefährts gearbeitet.

Mit Blick auf die Produktion lassen die beiden Module nach ihren Vorgaben fertigen. Die Montage des E-Rollers und der Versand sollen in Kiel stattfinden, Verkauf und Verleih der Fahrzeuge übers Internet laufen. Ascheberg und Jacobi können sich aber auch vorstellen, mit einer größeren Firma zu kooperieren.


 

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