Windbranche
Mehr Räder, mehr Megawatt
Berlin. Hermann Albers kommt aus dem hohen Norden der Republik, aus der Nähe von Husum genauer gesagt - doch gestern lobte der Präsident des Bundesverbands Windenergie erst einmal den tiefen Süden: "Wir freuen uns sehr, dass Bayern beim Zubau von Anlagen auf Platz fünf kommt." Bisher waren die Bajuwaren nicht durch übergroßes Engagement für die Windkraft aufge fallen. Die Energiewende hat das aber geändert.
Nicht zuletzt Bayern hat daher seinen Anteil daran, dass die neu installierte Windkraft-Leistung in Deutschland im vergangenen Jahr so hoch war wie seit fünf Jahren nicht mehr. "Es hat endlich wieder einen Schritt nach vorn gegeben", sagte Albers. Bundesweit fast 900 neue Anlagen stellen jetzt gut 2000 Megawatt zusätzliche Leistung bereit. Teilt man die zweite durch die erste Zahl, lässt sich leicht errechnen, dass der Trend zu großen Zwei- bis Drei-Megawatt-Anlagen geht. So wurden unter anderem 170 alte kleine Rotoren durch 95 neue größere ersetzt. "Das Repowering zieht an", freute sich Albers. So nennt die Branche diese Aufrüstung.
Kieler Regierung plant Ausweitung der Windkraftnutzflächen
Noch größeren Anteil am Windkraft-Zuwachs als Bayern hat Schleswig-Holstein. Im nördlichsten Bundesland sind letztes Jahr 121 neue Rotoren errichtet worden - damit liegt die Gesamtleistung im Norden nun bei 3270 Megawatt. "Es gibt hier eine hohe Akzeptanz für die Windenergie", freute sich Albers. Daran ändere auch nichts, dass zuletzt einige Bürgerentscheide im Kreis Rendsburg-Eckernförde gegen Windparks ausgefallen sind. "Dafür können wir in Nordfriesland achtmal so viel Flächen anbieten, wie das Land zusätzlich ausweisen will", sagte Albers. Die Kieler Regierung plant bis Anfang Mai die Ausweitung der Windkraftnutzflächen von 0,8 auf 1,5 Prozent der Landesgebiets.
Allerdings sprach sich Albers für eine stärkere direkte Beteiligung der Bürger an Windparks und Netzausbauprojekten aus. "Wenn wir Bürgernetze bekommen", sagte er, "steigt die Zustimmung für neue Leitungen." Das sei inzwischen auch bei der Kanzlerin angekommen, berichtete der Nordfriese aus einem Gespräch mit Angela Merkel: "Die Bundesregierung hat die Frage der Akzeptanz als herausragendes Thema der Energiewende erkannt."
Albers’ Kollege Thorsten Herdan vom Branchenverband VDMA stellte ebenfalls die Notwendigkeit eines intelligenten Netzausbaus heraus. "Es bringt nichts, immer mehr Windkraftanlagen nach dem Motto ,Höher, schneller, weiter’ zu bauen, wenn wir nicht gleichzeitig die Energie-Infrastruktur wie Netze und Speicher umbauen", sagte der VDMA-Verbandsgeschäftsführer. Nicht zuletzt müssten die Probleme beim Aufbau der Netzanbindung für Offshore-Projekte dringend gelöst werden.
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Die gute Nachricht des Tages für den Präsidenten des Bundesverbandes Windenergie: Es sind bereits alle Bürger des Landes direkt an Windparks und Netzausbauprojekten beteiligt. Nach einer Zeitungsmeldung haben rund 10000 Schleswig-Holsteiner in solche Projekte investiert und hoffen auf gute Renditen. Die übrigen 2,8 Millionen beteiligen sich zwangsweise durch Zahlung der Mehrkosten über ihre Stromrechnung.
Für die kleinen Leute gibt es einen wunderbaren Trost: Ihr Geld ist nicht weg. Es ist jetzt woanders. Bei den Herstellern der Windturbinen, den Betreibern und den Bauern, die ihr Land dafür verpachten.
Die Begeisterung der Bürger für die Windenergie kann man auch daran erkennen, daß von den letzten 19 Bürgerbegehren 16 gegen neue Turbinenfelder entschieden wurden. Der politischen Leitung des Landes ist das egal. Die schützt mit aller Kraft die Interessen der Windindustrie. Da bleibt für die Bürger nichts übrig.