Laurie Anderson: Träumerei zu Geigenklängen

19. Mai 2011 | Von Dagmar Leischow

Eine Videoshow begleitet Andersons Konzerte. Foto: sh:z

Hamburg. Wenn sie will, kann sie richtig politisch sein. Und oft will sie. Vor allem, wenn gerade ein Republikaner die USA regiert. Genau deshalb hat Laurie Anderson für ihr letztes Album "Homeland" einige kritische Songs geschrieben. Das Lied "Dark Time in the Revolution" zum Beispiel entstand während der Bush-Ära - es kommentiert den Irakkrieg: "Der hat bis heute kein Ende gefunden. Obwohl diese Tatsache von einigen Leuten konsequent ignoriert wird." Wenigstens ist jetzt mit Barack Obama ein Demokrat Präsident, da muss die 63-Jährige nicht mehr so viel Kontra geben: "In solchen Phasen ziehe ich mich ein bisschen zurück."

Solche Sätze sagt die kleine Amerikanerin mit der sanften Stimme leise, aber bestimmt. Man merkt ihr beim Interview in einem Hamburger Hotel nicht an, dass sie gerade erst aus New York gekommen ist. Hochkonzentriert wirkt sie, aufmerksam und munter. Ihre Worte unterstreicht sie mit kleinen Gesten. Ihr Blick ist wach, mit ihren blauen Augen fixiert sie ihr Gegenüber. Nichts scheint ihr zu entgehen. Ihre Arbeit manifestiert diesen Eindruck. In ihrer jüngsten Performance "Delusion", das merkt man, steckt viel Herzblut. Sie macht die letzten Tage ihrer Mutter zum Gesprächsstoff des Abends: "Was den Tod angeht, da machen sich viele Leute etwas vor. Sie versuchen sich tatsächlich einzureden, sie müssten nicht sterben - ein Trugschluss!"

Nicht nur dieser Irrglaube hat Laurie Anderson diesmal inspiriert. Sie setzt sich auf der Bühne mit ihren Träumen auseinander, mit ihren Wurzeln, mit Zeit. Vom Alltäglichen wechselt sie ins Mystische. Das alles eingebettet in eine Multimediashow mit Videos, ihrer elektronischen Geige und Synthesizer. Mitunter schlüpft die Ehefrau von Lou Reed auch in die Rolle ihres männlichen Alter Egos Fenway Bergamot. Warum? "Weil es mir Spaß macht, das Leben mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten." Künstlerin, New Yorkerin, Frau zu sein, das will sie ab und zu hinter sich lassen: "Als Fenway Bergamot kann ich Sachen sagen, die die Leute so vielleicht nicht von mir erwartet hätten. Das finde ich ungemein spannend."

Konzerte am 20. und 21. Mai, jeweils 20 Uhr, Kampnagelfabrik Hamburg, Karten unter Telefon (040) 270 94949


 

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