Keine Ausnahme

11. März 2010 | Von HENNING BAETHGE

Schleswig-Holsteins Tourismusgewerbe geht es nicht schlecht: Die Übernachtungszahlen sind gestiegen - nicht trotz, sondern wegen der Wirtschaftskrise. Die Mehrwertsteuer für Hoteliers und Ferienwohnungsvermieter ist gesunken - nicht wegen, sondern trotz der Landesregierung, die lange dagegen war. Und bald gibt es womöglich gleich drei Regionen, die sich mit dem prestigeträchtigen Titel eines Unesco-Welterbes schmücken dürfen - wenn nach Lübecks Altstadt und dem Wattenmeer in drei Jahren auch die Wikingerstätten der Schleiregion anerkannt werden.

Und ausgerechnet jetzt droht Landeswirtschaftsminister Jost de Jager die Förderung der Branche zurückzufahren - das Land muss schließlich seinen Haushalt sanieren und sucht überall händeringend nach Sparpotenzialen. De Jager schließt daher nicht aus, dass er bei der einzelbetrieblichen Förderung und der fürs Marketing zuständigen Tourismusagentur des Landes kürzen wird.

Und warum auch nicht? Bei der betrieblichen Förderung gibt es Mitnahmeeffekte. Das Geld verfehlt in diesen Fällen schlicht seinen Zweck. Und muss ein Ministerium, das ein Tourismusreferat mit zehn Mitarbeitern hat, auch noch jährlich 2,1 Millionen Euro für eine Tourismusagentur mit weiteren 20 Mitarbeitern ausgeben? Zumal Ressort und Agentur bis vor kurzem eher gegen- als miteinander gearbeitet haben.

Damit kein Missverständnis entsteht: Natürlich ist es hilfreich, wenn sich das Urlaubsland Schleswig-Holstein nicht einfach auf seine beachtlichen Vorzüge verlässt, sondern offensiv dafür wirbt. Nur warum sollen dafür allein die Steuerzahler aufkommen? Maßvolle Kürzungen bei der Tourismusagentur sind angesichts der Haushaltsnot akzeptabel. Den fehlenden Betrag für die Werbetrommel könnten dann diejenigen beisteuern, die am meisten profitieren. Geld ist durch die Mehrwertsteuersenkung ja vorhanden.


 

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