Kein Mitleid mit den Griechen
Die Griechen sind nicht allein. Auch in Deutschland wurden die Arbeitszeiten der Beamten verlängert und zugleich die Weihnachtsgelder und Pensionszusagen gekürzt. Auch hier ist die Mehrwertsteuer zuletzt um satte drei Prozentpunkte gestiegen. Deshalb gibt es kein Mitleid mit den Griechen, deren Staat sich einen ausufernden öffentlichen Dienst leistet, deren Regierungen jahrelang über ihre Verhältnisse gelebt haben, deren Finanzämter die Steuereinnahmen nur schwer in den Griff bekommen, deren Rentner immer noch im Schnitt mit weniger als 60 Jahren in den Ruhestand gehen und sich grämen, weil nun die Rente erst mit 65 Jahren kommt.
Aber es gibt Respekt für ein Land, das sich ändern will. Der Sparplan, den die Regierung von Giorgos Papandreou gestern vorgelegt hat - der zweite dieses Jahres - ist notwendig, wenn auch für das Land heftig. Er wird zu weiteren Konflikten, zu Streiks und Demonstrationen führen - ein Protest, der sich im Grunde gegen die Laxheit früherer Athener Regierungen richten müsste, nicht gegen die Sanierer von heute.
Nun warten die Griechen auf "die andere Seite dieser Vereinbarung", wie Papandreou sagte, also auf die europäische Solidarität. Man muss befürchten, dass sie gewährt wird. Denn 43 Milliarden Euro, die allein deutsche Banken dem Land geliehen haben, kann das immer noch wackelige hiesige Bankensystem nicht einfach abschreiben. In der Hilfe für Athen steckt also viel Eigennutz, der direkt oder indirekt die Staatsschulden auch in Deutschland nach oben treiben wird. Zugleich läuft Griechenland Gefahr, sich kaputt zu sparen. Vielleicht wäre es letztlich doch besser, wenn sich die Wege währungspolitisch trennen würden. Wenn auseinandergeht, was (noch) nicht zusammengehört.




