"Ich würde keinen Abbau mittragen"

05. März 2010 | Von Interview: Martin Schulte

Generalmusikdirektor Mihkel Kütson. Foto: Dewanger

Herr Kütson, haben Sie noch Spaß an Ihrer Arbeit?

Noch ja, denn ich habe noch laufende Vorstellungen und die Konzerte. Das macht natürlich Spaß.

Trotz des Unmuts über die Landtagsentscheidung, das Landestheater in seiner Existenzkrise nicht mit weiteren Mitteln zu unterstützen?

Das war natürlich bitter, gerade wenn man die Redebeiträge im Landtag gehört hat. Die waren zum Teil von Unwissenheit und Ignoranz geprägt. Man hat deutlich gemerkt, wer sich mit der Sache beschäftigt hat und wer nicht - leider durften dann alle abstimmen, auch die Unwissenden.

Wenn Sie Rederecht im Landtag gehabt hätten, was hätten Sie gesagt?

Ich hätte gesagt, dass die Belegschaft in den letzten Jahren unglaubliche Anstrengungen und Eigenbeiträge geleistet hat, um das Theater am Leben zu halten. Dabei ist es gar nicht das Theater der Belegschaft, sondern das des Landes.

Es gab in den vergangenen Wochen die Kritik, dass man früher auf die finanzielle Situation hätte reagieren und etwa programmatisch attraktiver werden müssen, um die Auslastung zu steigern.

Wir wissen natürlich schon seit Jahren, dass das Theater unterfinanziert ist, aber man muss auch mal sagen: Wir schmeissen das Geld ja nicht raus, die Ausgaben steigen, weil Politik und Gewerkschaften Lohnerhöhungen aushandeln, die wir umsetzen müssen. Das Theater ist so schlank wie es noch nie war.

Und die programmatische Kritik? Muss das Musiktheater populärer werden?

Wir haben versucht, abwechslungsreich zu sein. Wenn Sie schauen, was wir im Musiktheater hatten, dann waren das mit Tannhäuser, Rigoletto oder Don Giovanni die populärsten Stücke überhaupt. Daneben hatten wir auch immer etwas Unbekanntes, denn wir wollen ja nicht nur unterhalten, sondern auch zum Nachdenken anregen. So wie zuletzt mit Doktor Faustus. Aber natürlich kann man in schwierigen Zeiten mal sagen: Wir machen ein, zwei Jahre ein oberpopuläres Programm.

Also werden Sie jetzt in der Krise im Musiktheater populärer?

Ja. Das Programm für die nächste Spielzeit ist sehr populär.

Hat es denn schon Entscheidungen bezüglich des Orchesters gegeben.

Wir haben diverse Stellen, die neu besetzt werden müssen. Für mich ist wichtig, dass die Größe des Orchesters gehalten wird. Ich bin nicht daran interessiert, ein Chororchester zu leiten.

Das heißt, vom Erhalt des Orchesters hängt auch Ihr Bleiben ab?

Klar. Die Arbeit bis jetzt hat mir Spaß gemacht, aber ich möchte mich auch nicht verschlechtern.

Wo ist denn Ihre Grenze? Würden Sie überhaupt einen Abbau von Orchesterstellen mittragen?

Nein, ich würde keinen Abbau mittragen.

Was für Ansätze gibt es denn, um den Status Quo zu erhalten?

Die Gesellschafter haben signalisiert, das sie nicht abspringen. Was sie machen könnten, das wäre der Super-Gau. Außerdem sind wir mit Sponsoren im Gespräch. Der Rest muss geregelt werden, auch über die Mitarbeiter.

Über den bislang genannten Haustarif hinaus?

Man kann ja auch Gespräche führen, auf wieviel Prozent des Gehalts man verzichten könnte.

Das heißt, die Mitarbeiter sind dazu bereit.

Bereit nicht, aber es ist eine Diskussionsgrundlage.

Das klingt, wenn überhaupt, nach einer erneuten Brückenlösung.

Das ist das Schlimme, weil alle langfristigen Überlegungen scheitern. Es geht nur darum, ständig Lücken zu schließen, so lange das Land sich nicht seiner Verantwortung stellt.




 

Leserkommentare

 
 

SHZ.DE MOBIL

Auch unterwegs bestens informiert!

Mit der iPhone-App und dem Mobilportal von shz.de haben Sie die neuesten Nachrichten aus Schleswig-Holstein immer zur Hand.

Weitere Informationen...

 
INSTITUT50PLUS
Lebendig leben...
Angebote für eine aktive Lebensgestaltung
 
HÄUFIG GELESEN

Neue Koalition einig: Mehr Geld für Bildung

Kostenfreie Bildung von der Kita bis zur Uni fordert die neue Regierung. SPD, Grüne und SSW planen ...mehr

 
 


KONTAKT | IMPRESSUM | AGB | DATENSCHUTZ