Hendrix’ letzte Tage auf Fehmarn
Fehmarn. Sie wollten das Woodstock Europas feiern, im September 1970 auf Fehmarn. Und obwohl es heftig regnete und viele der angekündigten Stars absagten, wurde das Festival auf Fehmarn tatsächlich legendär - weil es der letzte große Live-Auftritt von Jimi Hendrix war. Zwölf Tage später war er tot.
"Love and Peace" versprachen damals die Veranstalter des Festivals. Im einsamen Westen der Ostseeinsel, am Strand von Flügge, sollte die Hippie-Party vom 4. bis
6. September 1970 steigen. Karten gab es unter anderem in den Sex-Shops von Beate Uhse. Rock-Fans und Hippies sollten mit prominenten Namen wie Procul Harum, Ten Years After und Rod Steward auf die Insel gelockt werden. Doch als am Vorabend knapp 200 Rocker der Hells Angels nach provozierten Schlägereien mit Hippies und Ordnern selbst als "Ordner" eingesetzt wurden, war der Traum von "Love and Peace" vorbei. Bei strömendem Regen eröffnete Blues-Sänger und Moderator Alexis Korner das Festival und musste dabei den Ausfall der Gruppen Taste und Colloseum verkünden. Als später auch Procul Harum und Ten Years After ausfielen, sank die Stimmung der rund 25 000 Musikfans auf den Gefrierpunkt. Inga Rumpf mit Frumpy, Ginger Baker und Mungo Jerry hellten das Fan-Gemüt unter einem blauen Himmel etwas auf. Höhepunkt war schließlich der Auftritt von Jimi Hendrix, der Hits wie "Hey Joe" und "Voodoo Chile" spielte. Nur einmal noch trat er danach mit Eric Burdon in einem Londoner Club auf, ehe man ihn am 18. September tot in einem Hotel fand. Der 27-Jährige war nach einer hohen Dosis Alkohol und Medikamente an seinem Erbrochenen erstickt.
Finanziell war das Festival ein Flop, zumal die Veranstalter auch noch mit der Kasse durchbrannten. Dennoch blieb den Fehmarnern das Festival in so guter Erinnerung, dass sie 1995 das Jimi-Hendrix-Revival-Festival gründeten. Seitdem wird am Flügger Strand jedes Jahr gerockt. Der Eintritt ist frei und die Helfer arbeiten ehrenamtlich. Gitarrist Alvin Lee von Ten Years After kam auf diese Weise doch noch nach Fehmarn, Inga Rumpf und Mungo Jerry wiederholten ihre Auftritte.
Und auch in diesem Jahr wird es laut auf Fehmarn. 14 Bands haben sich für heute und morgen angekündigt, darunter Wolf Maahn und The Brew aus Großbritannien. Doch es könnte das letzte Revival-Festival sein. Weil das Gelände gemäß der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie geschützt ist, will die Naturschutzbehörde die Veranstaltung nicht mehr genehmigen. Für diesen Fall bleibt den Fans nur noch eine Gedenkstätte auf Fehmarn. Als Erinnerung an den letzten Auftritt von Jimi Hendrix wurde 1997 ein über zwei Meter hoher Granitstein in Form von Hendrix’ Gitarre am Flügger Strand aufgestellt. Ein beliebtes Fotomotiv für Insel-Touristen. Statt dröhnender Gitarren-Riffs hören sie hier aber nur noch Möwenschreie: Der Jimi-Hendrix-Gedenkstein steht mittlerweile im Naturschutzgebiet. www.fehmarnfestivalgroup.com




