Habliks architektonische Visionen

09. September 2010 | Von Gabriele Knoop

Habliks Arbeit "Frau Ewel am Fenster".

Itzehoe. Die Wahrnehmung von außen unterscheidet sich erheblich von der Sicht der Itzehoer auf ihren großen Ziehsohn. Auch nach 25-jährigem Bestehen der Wenzel-Hablik-Stiftung und fünfzehnjährigem Jubiläum des gleichnamigen Museums ist die Bedeutung des in Böhmen geborenen Künstlers in seiner langjährigen Wahlheimat noch nicht angekommen. Zwar wird das Museum national und international als Hablikzentrum wahrgenommen. Alle namhaften Museen greifen bei Ausstellungen zur klassischen Moderne auf Werke Habliks (1881-1934) zurück, der in Itzehoe drei Jahrzehnte lang als Architekt, Designer, Maler und Visionär aktiv war und als einer der wichtigsten Schrittmacher der expressionistischen Architektur gilt. Viele Ölbilder sind in der Ausleihe über Jahre durch ganz Europa unterwegs, bevor sie wieder ins Stammhaus zurückkommen. Auch bundesweit hängen Arbeiten von Hablik in Berlin, Hamburg, Kassel, Schleswig und Flensburg. Doch die Hablik-Stiftung, die das Itzehoer Museum trägt, kämpfe seit Jahren ums Überleben und sei nach den halbierten kommunalen Zuschüssen seit neun Jahren auf Sponsorengelder angewiesen, die jedoch zunehmend ausblieben, sagte Harald Brommer als Stiftungsvorstand in seiner Jubiläumsrede. "Es ist uns noch nicht gelungen, den Itzehoer Kunstinteressierten und Meinungsträgern deutlich zu machen, dass wir einen Schatz in der Stadt haben", wünscht sich Brommer, dass sich Itzehoe endlich als Hablikstadt verstehen möge, so wie sich Husum mit Storm oder Wesselburen mit Hebbel identifiziere.

Hablik biete eine große Möglichkeit, den Weg der Moderne in Schleswig-Holstein zu verfolgen, würdigte der Direktor des schleswig-holsteinischen Landesmuseum Schloss Gottorf Dr. Jürgen Fitschen dessen Bedeutung. Wie viele andere hat auch der Itzehoer Künstler nach dem Ersten Weltkrieg überlegt, welche neue Form eine Welt braucht, die aus der Form geraten ist. Seine architektonischen Visionen sind stark von Vorstellungen vom Gesamtkunstwerk geleitet und ein Entwurf einer Welt, die es zu seiner Zeit noch nicht gab - der die Architekten aber bis heute inspiriert, wie man an avantgardistischen Hochhäusern in London oder Shanghai sehen kann.

Die Jubiläumsausstellung zeigt bis 24. Oktober erstmals die Vielfalt und Bandbreite von Habliks druckgrafischem Werk, in dem er seine Inspirationen aus der Natur umsetzte und in die Dynamik seiner visionären Architekturutopien übertrug. Oder beispielsweise auch ganz profan und höchst artifiziell mit der Arbeit "Frau Ewel am Fenster" Werbung für ein Schiebefenster machte, durch das der Betrachter auf utopische Kristallbauten blickt.

Sie gibt aber vor allem eine Ahnung davon, welches Kulturpotential in Schleswig-Holstein zu Beginn des 20. Jahrhunderts vorhanden war.


 

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