Gute Zahlen, gedämpfte Stimmung
Das Schleswig-Holstein Musik Festival hat es wieder einmal geschafft, eine erfolgreiche Saison hinzulegen. Die Zahlen stimmen, aber die Stimmung nicht.
Ausgerechnet im Jubiläumsjahr verschärft sich die Auseinandersetzung zwischen Landesregierung und SHMF, finden beide Seiten nicht zum notwendigen Gespräch, um konstruktiv über die Zukunft des Festivals zu diskutieren. Die wird nicht nur von der Höhe der Landeszuschüsse oder dem Erhalt von Salzau als Spielstätte abhängen. Das Festival muss sich in seinen Grundsätzen treu bleiben und gleichzeitig immer wieder neu erfinden, um in dem enorm gewachsenen nationalen und internationalen Festivalangebot erfolgreich bestehen können.
Rolf Beck hat in seiner bisherigen Intendanz Jahr für Jahr bewiesen, dass er ein ebenso kühl rechnender wie leidenschaftlich engagierter Festivalmacher ist, dem der Erfolg recht gibt. Man kann darüber streiten, ob Becks Salzau-Politik, erst die Spielstätte zu kündigen und dann darüber zu klagen, dass sie nicht mehr zur Verfügung steht, die hohe Kunst der Diplomatie ist. Der glücklose Umgang der Landesregierung mit ihrem Kulturzentrum, in den vergangenen Jahren zig Millionen in Salzau zu investieren, aber keinen Plan zu haben, für wen oder was die Steuermillionen dort ausgegeben wurden, macht auch keinen sehr überlegten Eindruck.
Planlos wirkt die gesamte Haltung der Landesregierung gegenüber dem Festival und der Rolle, die das Land bei diesem kulturellen Großereignis spielen möchte. Die Gelder zu streichen, die Gespräche einzustellen und die Wünsche zu ignorieren, führt in letzter Konsequenz zu einem Festival ohne Landesbindung. Dann werden vielleicht Sponsoren, die dem SHMF erfreulich treu sind, über die Namensgebung entscheiden, und wir haben in Zukunft nicht mehr das Schleswig-Holstein Musik Festival, sondern die Sparkassen-Festspiele oder die klangvollen Audi-Wochen. Vielleicht können sich dann unsere Städte als Spielstätten bewerben - mit entsprechender Kostenbeteiligung. Wenn sich das Land aus der Festivalförderung verabschiedet, muss man damit rechnen, dass sich auch das Festival langsam aus dem Land verabschiedet. Zumindest aus den Ecken, die nicht profitabel sind. In Schleswig-Holstein sind das etliche.



