Endlich einen Riegel vorschieben
Ein Ende ist nicht in Sicht. Wer beim Bekanntwerden der ersten Fälle von sexuellem Missbrauch im Berliner Canisius-Jesuitenkolleg noch an Einzelfälle glaubte, sieht sich heute eines Schlechteren belehrt. Fast täglich werden neue, erschreckende Berichte von Schülern bekannt, die von ihren Lehrern missbraucht wurden. Zuerst an den Schulen der Jesuiten, dann in der Benediktiner-Klosterschule im bayerischen Ettal. Und nun an der Odenwaldschule, die zumindest auf den ersten Blick fast nichts mit den anderen betroffenen Schulen zu vereinen scheint: Es handelt sich um eine säkulare, einst der antiautoritären Erziehung verpflichtete Schule.
Zunächst einmal zeigt das: Sexueller Missbrauch ist kein reines Kirchen thema. Was freilich die katholische Kirche in keiner Weise von ihrer Verantwortung freispricht. Laiengruppen wie die kirchenkritische Bewegung "Wir sind Kirche" haben recht, wenn sie Papst Benedikt XVI. zu einer deutlichen Verurteilung des Skandals auffordern. Es muss deutlicher werden, dass die katholische Kirche sexuellen Missbrauch niemals tolerieren wird. Vor allem dürfen Täter in ihr keine Zukunft haben: Das Hin- und Herschieben von auffällig gewordenen Geistlichen muss ein für alle Mal beendet werden. Wer ein Kind missbraucht, darf nicht länger Priester bleiben und gehört vor ein weltliches Gericht.
Doch auch die Schulbehörden sind gefragt. Schließlich sind die Vorgänge an der Odenwaldschule schon seit über zehn Jahren bekannt. Unternommen wurde dort fast nichts. Das wirft die Frage auf, ob der Trägerverein, der offenbar wegschaute, weiter die Kriterien für den Betrieb einer Privatschule erfüllt. Und es wirft die Frage auf, wie solche Schulen behördlich kontrolliert werden. Denn wenn Kinder tatsächlich jahrelang zum Missbrauch an Dritte weitervermittelt wurden, wird man sogar von Zwangsprostitution sprechen können. Die Behörden sind gefordert, Mittel und Wege zu finden, die sicherstellen, dass sich solche Vorgänge nirgendwo in Deutschland wiederholen können.




