Die FDP-Führungskrise kommt bestimmt

26. August 2010 | Von Stephan Richter

" . . . meine Partei steht doch hinter mir!" Foto: tomicek

Es ist noch nicht lange her, da wurden ganze Bücher über das Ende der Sozialdemokratie geschrieben. Jetzt erholt sich gerade die alte Tante SPD und überholt in Meinungsumfragen sogar CDU und CSU zusammen. Also wird ein neues Untergang-Szenario gesucht. Da drängt sich die FDP förmlich auf. Nach ihrem Wahlerfolg im September 2009 als Tiger gestartet, sind die Freidemokraten längst zum Bettvorleger des schwarz-gelben Projekts geworden. Parteichef Guido Westerwelle ist dabei der personifizierte Aufstieg und Fall einer FDP, die das Fähnchen in den Wind hing.

Dass eine Partei angesichts der schlechten Umfragewerte nach einem Bauernopfer sucht, ist nicht ungewöhnlich. Seltener ist aber die Plausibilität, mit der Westerwelle als Schuldiger des Niedergangs ausfindig gemacht wird. Vorbei sind die Zeiten, als in der FDP noch viele große Köpfe - Hans-Dietrich Genscher, Otto Graf Lambsdorf, Hildegard Hamm-Brücher, Gerhard Baum, Burkhard Hirsch und auch der Schleswig-Holsteiner Uwe Ronneburger, um nur einige der liberalen Riege der 80er- Jahre zu nennen - die Partei verkörperten. Seit Jahren bestimmt der medien gierige Westerwelle - mal im Spaßmobil, mal im Big-Brother-Container und neuerdings als Außenminister - auf allen Kanälen weitgehend das Bild der FDP. Doch zu einer liberalen Autorität oder gar zum Staatsmann hat er es nie gebracht. Im Gegenteil. Billige Effekte lagen ihm stets näher als Inhalte.

Dem FDP-Chef hängen die Geschichten nach, da kann er als Außenminister noch so viele Nadelstreifen-Anzüge anziehen. Weil aber genau in diesem Amt alle seine Vorgänger durch Seriosität, Zurückhaltung und Glaubwürdigkeit glänzten, erleidet die FDP einen Kollateralschaden. Mit einem unbeliebten Außenminister mögen die Liberalen noch überleben, mit einem unbeliebten Außenminister, der zugleich die FDP mit zweifelhaftem Kompass führt, nicht. Dabei braucht die Partei intern gar keine Personaldebatte anzuzetteln - egal, ob pro oder kontra Westerwelle. Erstens gibt es zur Zeit gar keine Alternative, und zweites erledigt sich diese Frage nach der Landtagswahl im Frühjahr in Baden-Württemberg von selbst. Dann wird die FDP - wie weiland die SPD - in die Führungskrise geraten.


 

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