Der Segen des Wettbewerbs

26. August 2010 | Von Michael Braun

Die Kreditwirtschaft weiß laut zu klagen über den scharfen Wettbewerb in der Branche: "Mehr Bankstellen als Bäcker" - und wie die Sprüche alle heißen. Da ist ja auch was dran. Aber wenn es die Chance gibt, den Wettbewerb zu verhindern, dann ist die Branche darin ganz groß. Das hat das Geschäft mit den Geldautomaten gezeigt.

Die Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken haben eine ziemlich dichte Kette von Geldautomaten aufgebaut. Das kam ihnen zupass, als die Internetbanken entstanden, deren Kunden mit ihrer Girocard natürlich auch Bargeld haben wollten, aber eine Bank gewählt hatten, die sich den Aufbau eines Automatennetzes gespart hatte. Da ließen Sparkassen ihren Ärger über den konkurrierenden Billigbanker freien Lauf und langten bei den Abrechnungspreisen zu. Es gab auch Banken, die sich davon nicht erschüttern ließen und ihren Kunden die Abrechnung mit saftigem Aufschlag weiterreichten.

Der Dumme war der Verbraucher. Der wusste oft noch nicht einmal, was seine Bargeldbeschaffung am institutsfremden Automaten kostete. Das wird jetzt anders. Die Banken rechnen nicht mehr untereinander ab, sondern mit dem Kunden am Automaten direkt. Dem wird angezeigt, was seine Wünsche kosten. Ist es ihm zuviel, kann er den Vorgang abbrechen.

So muss es sein. Zumindest im ersten Schritt. Klagen beim Bundeskartellamt, dessen penible Recherchen, die begleitenden Klagen der Verbraucherverbände und der Verbraucherschutzministerin haben für Bewegung in der Kreditwirtschaft gesorgt. Ob die nun gewonnene Transparenz wirklich für Wettbewerb sorgt, ob jeder Kunde mit den Füßen abstimmen kann, ob es in dünn besiedelten Gebieten und kleinen Orten wirklich eine Wahl zwischen mehreren Geldautomatenbetreibern gibt, wird man noch sehen. Preise von 1,95 Euro, mit denen die privaten Banken nun vorgeprescht sind, sind ein Drittel des bisherigen Schnitts. Aber immer noch ein Mehrfaches der tatsächlichen Kosten. Der Wettbewerb wird weiterhin gebraucht.


 

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