Windkraftanlagen

KOMMENTAR: Berechtigte Bedenken

03. Februar 2012 | 08:07 Uhr | Von Henning Baethge

Jetzt wird es ernst mit der Energiewende. In den nächsten drei Monaten legt die Landesregierung Zusatzflächen für Windräder fest. Bald darauf entsteht in Dithmarschen die erste neue Höchstspannungsleitung, die künftige Meereswindparks anbinden soll. Und schon jetzt dominiert der Anbau von Mais für Biogasanlagen die Felder. "Die Landschaft wird sich verändern", hat Ministerpräsident Peter Harry Carstensen treffend prophezeit.

Nicht jedem gefällt das, natürlich nicht. Propellertürme und Strommasten zum Beispiel sind nun mal hässlich. Und viele Kritiker halten sie wegen Schattenwurfs, Rotorrauschens oder Elektrosmogs auch für krankmachend. So gibt es gute Gründe dafür, dass Bürgerentscheide zuletzt oft gegen neue Windparks ausgegangen sind - und sei es nur, weil die Grundstücke eines Dorfes an Wert verlieren. Das darf die Betroffenen selbstverständlich stören, ohne dass sie dadurch gleich in die Ecke des uneinsichtigen Wutbürgers oder ewig gestrigen Besitzstandswahrers geraten.

Allerdings führt am Ausbau der erneuerbaren Stromquellen auch kein Weg vorbei. Es geht daher jetzt nicht mehr um das Ob, aber sehr wohl um das Wie. Vor allem um die Frage, wie die Politiker die Bürger für das Mammutprojekt gewinnen wollen. Wie sie Akzeptanz für jedes Windrad, jeden Strommast schaffen können. Mit purem Zwang sind diese Mühen der Ebene nicht zu bewältigen - da hat Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Jost de Jager recht. Ein guter Weg wäre es vielmehr, den Bürgern viele direkte Beteiligungschancen an Windfarmen oder Netzgesellschaften zu bieten. Wer im täglich zu erduldenden Windrad oder Strommast auch die eigene Altersvorsorge sieht, akzeptiert die Anlagen eher. Und auch über einen Ausgleich für den Wertverlust von Grundstücken darf man nachdenken - der muss ja nicht vom klammen Staat, sondern kann vom profitierenden Betreiber kommen.

Etwas konstruktiver als bisher sollten sich aber auch die Windkraftgegner verhalten. Wer zwischen Häusern und Rotoren übertriebene Mindestabstände von gleich zwei Kilometern fordert, der weiß, dass er damit den weiteren Ausbau der Windenergie blockiert. Und zurück zur Atomkraft und Kohle kann auch von den Windkritikern niemand ernsthaft wollen.


 

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