"Andersen" in Hamburg: Künstlerseele-Traumgespinst
Hamburg / . Es ist sicher richtig, was eine Freundin neulich bemerkte: Dass das Thalia Theater unter der neuen Intendanz mutig vorgeht und ein Vielfalt von Inszenierungen anbietet, aus denen man selbst dann, wenn sie einem nicht gefielen, doch immer etwas mitnimmt.
Nun ist zu diesem bunten Strauß eine neue Produktion gekommen. Regisseur Stefan Pucher hat sein Projekt "Andersen. Trip zwischen Welten" uraufgeführt. Motive und Texte des dänischen Dichters hat er zusammen mit dem Dramaturgen Benjamin von Blomberg zu einer surrealen Geschichte verwoben, die sich jedoch nicht einmal mit gutem Willen zusammenfassen lässt, weil Pucher eine Reise ins Innere der Seele sowie Ängste und Visionen zeigen will. Irgendwie steht dabei Andersens Märchen "Der Schatten" Pate, denn auch hier schickt der Protagonist seinen Schatten fort, der ihm später, nunmehr selbst zum Menschen geworden, wiederbegegnet und ihn, seinen ehemaligen Herren, mit auf eine Reise nimmt. Barbara Ehnes hat dafür eine weiße Bühne entworfen, die mit vorgestanzten Türen und Fenstern wie die Rückseite eines Adventskalenders aussieht. Hier turnen drei verschiedene Andersen-Ausführungen in historischen Kostümen herum: Mirko Kreibich als expressionistisch anmutende Figur mit weit aufgerissenen Augen und enormem akrobatischen Talent, Daniel Lommatzsch als kühler Realist, Bruno Cathomas als Albtraum mit verzerrter Stimme. Ihnen begegnet nicht nur der sehr coole Schatten (Karin Neuhäuser), sondern auch merkwürdige Frauenfiguren (Cathérine Seifert, Birte Schnöink), die sich die Füße absägen lassen und entweder rotzig über ihr desillusioniertes Leben reden oder pseudophilosophisch daher plappern. Videoprojektionen mit den überdimensionalen Gesichtern der Schauspieler dienen der weiteren Vertiefung ins Seeleninnere. Aber spätestens nach einer halben Stunde hat man als Zuschauer völlig den Faden und leider auch das Interesse verloren, zumal dieses Durcheinander weder poetisch, noch erschreckend und schon gar nicht witzig ist. Diesen Part hatte man aber der Musik zugedacht, die Carsten "Erobique" Meyer von Studio Braun mit seinem Kollegen Matthias Strzoda vom Bühnenrand her live beisteuert. Doch es sind nur matte, herzlich langweilige Songs mit endlos erscheinenden Strophen. Auch wenn am Ende heftig applaudiert wurde, sei dieser Abend zu den seltenen im Thalia Theater gezählt, bei denen man gar nichts mitnimmt.
Nächste Vorstellungen: 10., 12., 14. März,6.April, Tel.: 040/32814444.




