Am Kern vorbei
Die Debatte um eine längere Gnadenfrist für Atomkraftwerke läuft heiß, der Widerstand wächst. Inzwischen sagen acht Bundesländer Nein zu den Plänen der Bundesregierung. Die Allianz pocht auf ein Mitspracherecht im Bundesrat. Auch Schleswig-Holstein will die Berliner Vorgabe nicht ohne weiteres abnicken. Die Landesregierung will Geld sehen, um die Netze zwischen Nord- und Ostsee für Windstrom auszubauen.
Und jetzt auch noch das: Stimmen die bisher bekannt gewordenen Details aus einem von der schwarz-gelben Koalition in Auftrag gegebenen Gutachten, dann droht Kanzlerin Angela Merkel weiteres Ungemach. Es gibt keinen zwingenden Grund für eine Laufzeitverlängerung, erklären die Experten. Weder werde der Strom knapp, noch seien exorbitante Preissteigerungen zu erwarten. Doch die Kanzlerin beharrt auf dem stark verzögerten Ausstieg aus dem Ausstieg. Unklar ist nur noch, wie viel die Atomwirtschaft dafür bezahlen muss.
Dabei wäre es angebracht, noch einmal grundsätzlich über einen Kurswechsel nachzudenken. Denn all die Diskussionen über Laufzeiten und Brennelementesteuer sowie über die Machtspiele im Bundesrat gehen im Kern an der Sache vorbei: Da völlig ungeklärt ist, wo und wie der radioaktive Müll gelagert werden kann, sollten wir so wenig wie möglich davon produzieren. Daher müssen die Atom-Meiler so früh wie möglich vom Netz.



