Aktiv werden!
Die Meldung kommt rechtzeitig zum Internationalen Frauentag am Montag: Noch immer verdienen Frauen schlechter als ihre männlichen Kollegen. Das ist nicht neu. Die Forderung der EU-Kommission, Unternehmen künftig mit Strafgeldern zur gleichen Entlohnung zu zwingen, ist es dagegen schon.
Was sich zunächst gut anhört, kann das Übel nicht an den Wurzeln packen. Denn: Die Tatsache, dass Frauen weniger verdienen als Männer, ist nicht dem Umstand geschuldet, dass sie die gleiche Arbeit tun und dafür weniger Geld bekommen. So etwas sollte Arbeitgebern in der Tat bei Strafe verboten werden. Die durchschnittlichen Einkommensunterschiede gibt es, weil weit weniger Frauen in gut bezahlten Spitzenpositionen arbeiten als Männer. Und daran wird sich so schnell nichts ändern, solange es im Vergleich weniger weibliche Absolventen in den für erfolgreiche Karrieren entscheidenden technischen Ausbildungen und Studiengänge gibt.
Natürlich haben Frauen im Beruf auch mit speziellen Nachteilen zu kämpfen. Oft wird ihnen unverdient Leistungsschwäche nachgesagt. Und insbesondere Alleinerziehende finden für ihre Kinder kaum Betreuungsmöglichkeiten. Doch sind diese Umstände nicht von höherer Stelle per Strafgeld zu verändern. Deshalb sind Frauen aufgefordert, selbst aktiv zu werden, damit sich etwas ändert. Jede Einzelne kann mutig sein und selbstbewusste Forderungen für sich stellen: angemessener Lohn, respektvoller Umgang, Hilfe bei der Kinderbetreuung. Und: Warum nicht mal auf variable Gehaltsanteile setzen statt auf das sichere Festgehalt?
Gerade zum Frauentag gilt es, aus der ewigen Opferrolle herauszukommen. Statt sich in Foren zu treffen und bestehende Ungerechtigkeiten zu beklagen, sollten sich Frauen wieder zu der starken Gemeinschaft vernetzen, die vor 99 Jahren den Internationalen Frauentag ins Leben rief - mit dem gemeinsamen Ziel ihn abzuschaffen. Denn: Solange wir noch einen Frauentag feiern, haben wir keine Gleichberechtigung.



