130 Milliarden Euro für eine Atempause
Die Weichen für die Rettung sind gestellt: Griechenlands Finanzminister Evangelos Venizelos mit Premierminister Lucas Papademos und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Foto: dpa
Brüssel / Kiel. Es war fast die Rettung in letzter Minute: Gerade einmal vier Wochen vor dem drohenden Staatsbankrott haben die Euro-Partner ein neues Hilfspaket für Athen geschnürt. In einer Marathonsitzung in Brüssel beschlossen die Euro-Finanzminister neue Kredithilfen von 130 Milliarden Euro. Die privaten Gläubiger wollen zudem auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. Griechenlands Ministerpräsident Lucas Papademos bezeichnete die Einigung als ein "historisches Ereignis". Eine endgültige Entscheidung der Euro-Partner und des IWF ist Anfang/Mitte März zu erwarten. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sieht nach der Einigung der Euro-Gruppe für Griechenland die Chance für eine langfristige Lösung der Probleme.
Die Beratungen in Brüssel zogen sich in die Länge, weil die Wirtschaftslage Griechenlands wegen der Rezession schlimmer ist als zunächst bekannt. Das Volumen des Hilfspakets musste daher erhöht werden. Dafür mussten die privaten Gläubiger, also Banken und Versicherungen, auf einen größeren Teil ihrer Forderungen verzichten - insgesamt 53,5 Prozent. Das soll für Athen eine Entlastung von 107 Milliarden Euro bedeuten.
Auch die öffentlichen Geldgeber legten noch drauf: Für die bilateralen Kredite des ersten Hilfspakets in Höhe von 110 Milliarden Euro, die 2010 Griechenland gewährt worden waren, halbieren sie die vereinbarten Zinsen. Denn der Finanzdruck in Athen ist immens: Am 20. März muss Griechenland 14,5 Milliarden Euro Schulden tilgen - die das Land nicht hat. Die Finanzminister beschlossen Kredithilfen von 100 Milliarden Euro. Das Geld ist zur Schuldentilgung gedacht. Hinzu kommen 30 Milliarden Euro als Anreiz für private Gläubiger, alte Anleihen gegen neue mit langer Laufzeit umzutauschen. Zusammen: 130 Milliarden. Griechenland muss im Gegenzug mehr Kontrollen akzeptieren und Teile seiner Budgethoheit abgeben.
Aus Sicht von Jens Boysen-Hogrefe vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (Ifw) ist das Thema Griechenland damit für einige Zeit vom Tisch. "Man kauft Griechenland Zeit." Ob die Milliarden aber greifen, müsse abgewartet werden. Die Antwort werde womöglich in drei, vier Jahren kommen. Der Experte betont: "Am Spareifer der Griechen allein liegt es nicht." Denn hier hätte das Land zuletzt sehr viel auf den Weg gebracht. Dennoch gebe es weiter viel zu tun. "Die griechische Wirtschaft muss sich umbauen", so Boysen-Hogrefe. "Doch vielleicht dauert das zu lange."
Leserkommentare
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22,4 Mrd. kommen von Deutschland. Bundeskanzlerin Angela Merkel versicherte den Steuerzahlern, ihnen entstünden keine unmittelbaren Risiken aus der deutschen Hilfszusage für Athen.
An anderer Stelle war jetzt zu lesen, dass Griechenland definitiv nicht gerettet werden kann und man sich wieder einmal nur Zeit gekauft habe.
Damit der Staat 22,4 Milliarden an Steuern einnimmt, muss schon ´ne Menge nach Griechenland exportiert werden. Die Rechnung geht nie und nimmer auf. Stattdessen kein Ausbau des N-O-Kanals, keine Westküsten-Autobahn, Kürzung der Sozialleistungen ist im Gespräch, angeblich um ein gutes Vorbild für Griechenland zu sein (so ein dusseliges Argument für Sozialkürzungen habe ich noch nie gehört, ich könnte mich schlapp lachen, wenn´s nicht so traurig wäre).