Gute Nachbarn haben sich immer etwas zu erzählen: Ein Jahr lang werden wir jeden Sonnabend aus dem Alltag von Deutschen und Dänen in der Region Schleswig-Sonderjylland berichten. So lernen sich beide Seiten noch besser kennen: von Familie, Schule und Arbeitsleben über Kultur, Traditionen und Lebensweisen bis zu Freizeit, Wirtschaft und Politik.


Das dänische Erbrecht

06. Dezember 2008 | 16:19 Uhr

Nicht nur Rechtsanwälte können sich mit Erbschaftsangelegenheiten befassen. Als Wirtschaftsberater mit dem Fachgebiet Steuern hat auch Hans Christian Bock, ehemaliger Konsulent beim Landwirtschaftlichen Hauptverein für Nordschleswig, schon so manche Übertragung geordnet und Erbschaftsangelegenheit auf Bitten der Erben geregelt.

Hans Christian Bock

Besonders die Übertragung von landwirtschaftlichem Eigentum hat es in Dänemark in sich. Denn im Gegensatz zu Deutschland ist in Dänemark ein regelrechter Verkauf mit beurkundetem Vertrag notwendig, bei dem im Prinzip Steuern anfallen.

Der Kaufpreis richtet sich nach der allgemeinen Einschätzung ("vurdering"). Um die Abgaben möglichst klein zu halten, versuchen die Berater ein Paket zu schnüren, indem sie zum Beispiel eine Schenkung einbauen und/oder eine Abnahme. "Das kann ein kapitalisiertes Wohnrecht sein oder kapitalisierte 100 Sack Korn, fünf Gänse zu Weihnachten, eine Epiquage zur Kirche oder Feuerung, wie es damals üblich war", erläutert Hans Chrsitian Bock. Auch ein zinsfreies Darlehn vom Vater an den Son bzw. Tochter ist denkbar. Die ganze Angelegenheit ist im vorwege schon schwierig und "die EU-Zuschüsse machen es noch komplizierter", so Bock.

Als Nachlassverwalter hat er es aber nicht nur mit landwirtschaftlichem Eigentum zu tun, sondern auch mit dem "ganz normalen Erbe". Und auch dabei kann einiges schief gehen. Hans Christian Bock erinnert sich noch an einen Erbfall, in dem sieben oder acht Erben vorgesehen waren. Als es zur Testamentseröffnung kam, stellte sich heraus, dass das Haus, das vererbt werden sollte, schon verkauft war, die Aktien waren veräußert und das Auto verrostet. "Da hatte ich dann Schwierigkeiten", gibt er lächelnd zu und rät, Testamente regelmäßig zu überprüfen, ob sie noch aktuell sind.


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