Gute Nachbarn haben sich immer etwas zu erzählen: Ein Jahr lang werden wir jeden Sonnabend aus dem Alltag von Deutschen und Dänen in der Region Schleswig-Sonderjylland berichten. So lernen sich beide Seiten noch besser kennen: von Familie, Schule und Arbeitsleben über Kultur, Traditionen und Lebensweisen bis zu Freizeit, Wirtschaft und Politik.
Das Pflegeheim als Unternehmen
Sigurd und Hannelore Krause wohnen seit elf Jahren in einem 19,6-Quadratmeter-Zimmer im DRK-Pflegeheim Fahrdorf. Foto: Iwersen
Seit elf Jahren wohnen Sigurd und Hannelore Krause im DRK-Pflegezentrum Fahrdorf. Inklusive Badezimmer misst ihr Zimmer 19,6 Quadratmeter, die Möbel stellte das Pflegeheim. Zwei Betten, zwei Schränke und zwei Nachttische, außerdem ein kleiner Fernsehtisch. Kuscheltiere, die sie im Bingo gewonnen haben, stehen überall. An den Wänden hängen Fotos, unter anderem vom gemeinsamen Sohn. Und von der Silberhochzeit, die sie vor fünf Jahren hier im Pflegeheim feierten. Hannelore in einem eleganten weißen Hochzeitskleid. "Wir wurden in der Kirche im Pflegeheim getraut. Als wir damals heirateten, konnten wir uns eine kirchliche Trauung nicht leisten", sagt Sigurd Krause und erzählt gerührt, dass fünfzehn Gäste zur Silberhochzeit kamen.
Die Kaffeekanne im Pflegeheim ist immer warm, und sollten Hannelore und Sigurd Krause Besuch bekommen, gibt es für die Gäste auch eine Tasse. Sollten sie die Teeküche brauchen, können sie darum bitten, dass sie aufgeschlossen wird. Sigurd Krause ist Sprecher der Pflegeheimbewohner. Unter anderem wird ihm der sechswöchige Speiseplan des Hauses zur Prüfung vorgelegt. "Einige wollten abends Kakao haben, das gibt es jetzt", sagt er.
"Es gibt kein besseres Pflegeheim"
Von acht bis neun gibt es Frühstück, im Laufe des Tages warten unterschiedliche Angebote wie Gymnastik, Malen, Singen und Bingo auf die Bewohner. "Wir machen auch Ausflüge und jedes Mal wenn ein Bewohner Geburtstag hat, gibt es ein Geburtstags-Kaffeekränzchen", sagt Sigurd Krause und ergänzt: "Es gibt kein besseres Pflegeheim. Woanders bewahrt man die Alten einfach nur auf."
Selbst wenn Sigurd Krause mit der Situation im DRK-Pflegezentrum Fahrdorf zufrieden ist, finden die Angestellten, dass sie nicht immer genügend Zeit für die Bewohner haben. Gudrun Kranold, Diplom Heilpädagogin und Ergotherapeutin, leitet die Therapie, muss aber, wenn das Pflegepersonal nicht alles schafft, auch bei der Pflege und Wäsche der Bewohner helfen. "Es kann hart sein, wenn einer sein Herz erleichtern will und ich sagen muss, dass ich später komme. Wer weiß, ob derjenige mir dann sein Herz überhaupt noch ausschütten will, wenn ich endlich Zeit für ihn gefunden habe?", fragt sie sich.
"Wir bedauern die Situation sehr"
"Ja, wenn wir unter Zeitdruck sind entfällt der Nahkontakt", sagt Siegfried Hoefer, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Schleswig-Flensburg. Er sagt, dass es schon frustrieren kann, Chef zu sein. Er hat eine Liste, die aufführt, wie viele ausgebildete Krankenpfleger, Altenpfleger, Pfleger, Ergotherapeuten das Pflegeheim einer bestimmten Größe braucht. Bei der Frage, inwieweit die Angestellten denken, dass sie genügend Zeit haben, wird es still am Tisch, bis Siegfried Hoefer das Wort ergreift: "Wir sind uns wohl alle einig, dass wir zu wenig Zeit haben", sagt er als die anderen nicken, fährt er fort: "Das Personal reicht nur, wenn alle da sind. Aber das sind sie nicht, im Durchschnitt hat jeder Mitarbeiter jede dritte bis vierte Woche einen Krankentag und jede sechste Woche Urlaub. Wir bedauern die Situation sehr, aber Pflegeheime werden heutzutage wie Wirtschaftsunternehmen betrieben, so wie Danfoss und andere, und das ist ein Problem."
Für die 26 Bewohner in der Jugendabteilung sind fünf Ergotherapeuten angestellt, während die Quote bei den älteren bei 1,5 Angestellten pro Bewohner liegt. Veronica Stauch arbeitete acht Jahre lang mit alten Menschen, hat das letzte Jahr jedoch in der Jugendabteilung gearbeitet, also bei den unter 65-Jährigen. "Sie haben ein anderes Krankheitsbild, deshalb bin ich zur Nachschulung gegangen", sagt sie. Ihre Aufgaben bestehen unter anderem darin, die Bewohner zu waschen, sie zu verbinden und ihnen Spritzen zu geben, ihnen in den Rollstuhl zu helfen und und ihnen, nach ärztlicher Anweisung, Medizin zu verabreichen. Das Pflegeheim verfügt über zwei Minibusse, die das Personal benutzt, wenn die Bewohner einen Ausflug machen, zum Konzert, zum Arzt oder zum Einkauf wollen.
DRK-Pflegezentrum Fahrdorf
Die Preise:
Pflegesätze für den Pflegeheimaufenthalt im Monat:
Pflegestufe 0: 1751,00 Euro
Pflegestufe 1: 2265,99 Euro
Pflegestufe 2: 2633,16 Euro
Pflegestufe 3: 2740,54 Euro
Zuschuss von der Pflegekasse:
Pflegestufe 1: 1023,00 Euro
Pflegestufe 2: 1279,00 Euro
Pflegestufe 3: 1432,00 Euro
Das Haus:
Das DRK (Deutsches Rotes Kreuz) Pflegezentrum Fahrdorf hat 100 Betten in 62 Einzelzimmern und 19 Doppelzimmern. Die Zimmer sind zwischen 14 und 24 qm groß.
26 der Bewohner sind zwischen 21 und 58 Jahre alt und haben ihre eigene Abteilung. 20 Bewohner wohnen in einer besonderen Abteilung für Demente. Es gibt keine Wartelisten.







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