RINGEN UM DEN "FORELLENHOF"

 

 

"Forellenhof" bei Büsum

"Sozialamt - das würde ich nicht überleben"

05. November 2008 | 10:32 Uhr | Von Hauke Mormann

Die Udtkes mit RTL-Schuldnerberater Peter Zwegat. Foto: RTL

Dem "Forellenhof" droht die Zwangsversteigerung am Freitag - es sei denn, es kommt genug Geld zusammen. Die Udtkes haben noch Hoffnung. Ein Zwischenbericht aus Nordhastedt.

"Der Gedanke ist verlockend, am Freitag mit genug Geld auflaufen zu können, um die Versteigerung auszusetzen." Iris Udtke hat Hoffnung - und zählt doch ängstlich die Tage. Am Freitag soll der "Forellenhof" bei Büsum zwangsversteigert werden - es sei denn, es kommt genügend Geld zusammen. Ein "niedriger bis mittlerer fünfstelliger Betrag" könnte laut Rechtsanwalt Volker Mackeprang für den Anfang reichen. Bis heute morgen um 10 Uhr sind auf dem eigens eingerichteten Spendenkonto 4800 Euro eingezahlt worden.

Die größte Hoffnung für Iris Udtke und ihren Mann Karl-Heinz ist es, dass ihr "Forellenhof" einen Käufer findet und in ihrem Sinne bestehen bleibt. "Wir haben all die Jahre für Kinder gearbeitet. Es wäre schlimm, wenn ein Käufer alles abreißen und es zu einem Neubaugebiet machen würde", sagt Iris Udtke. Sie zittern vor der Zwangsversteigerung: Kommt hier nicht genug Geld zusammen, könnten sie auch noch ihr Haus in Selck (Kreis Schleswig-Flensburg) verlieren. Das haben sich die beiden als "Alterssitz" gekauft. Aber wenn durch eine Versteigerung des Hofes die nötigen 856.000 Euro nicht aufzubringen sind, greift die Bank auch dort zu. "Wir möchten nicht unter der Brücke schlafen müssen oder aufs Sozialamt - das würde ich nicht überleben", sagt Iris Udtke.

"Forellenhof" soll als Kinderferiendorf erhalten bleiben

Es gehe nicht darum, dass sie und ihr Mann den Besitz nicht aufgeben wollen, sagt die 68-Jährige: "Unser Traum ist es, dass der 'Forellenhof' für die Kinder erhalten bleibt. Ob mit oder ohne uns." Sie sei aber gerne bereit, für einen neuen Eigentümer noch eine Zeit lang auf dem Hof zu arbeiten. "Wir zeigen ihm alles." Schließlich gilt es 4,2 Hektar Land zu bewirtschaften.

Wie kam es überhaupt zu dem ganzen Desaster? Die Udtkes haben vor 30 Jahren den "Forellenhof" gekauft und ihn zu einem Kinderferiendorf ausgebaut. Die Kredite dafür zahlen sie noch heute zurück. Als Altersvorsorge haben sie ein Haus in Wrohm (Kreis Dithmarschen) gekauft, vermieten dort vier Wohnungen. Doch dann kamen Mietnomaden, gleich zwei Mal. Die Udtkes mussten renovieren, ganze Wände neu ziehen. Bei dem Gedanken daran wird Iris Udtke ganz deutlich: "Die haben uns die Hütte zerkloppt und wir konnten die Kredite nicht mehr bedienen."

Sparkasse mauert

Zusätzlich brechen die Gästezahlen weg, der Euro verteuert die Unterhaltung des "Forellenhofs". "Wir haben keine Misswirtschaft betrieben", sagt Iris Udtke. Das hat auch RTL-Schuldenberater Peter Zwegat erkannt. Es waren einfach die "äußeren Umstände". Doch obwohl sich Zwegat einschaltete, blieb die Sparkasse Westholstein stur. Auch fünf Tage vor der Zwangsversteigerung mauert man dort: "Der Vorstand hat Anweisung erteilt, keine Auskünfte zu diesem Fall zu geben", heißt es vom Sparkassen-Anwalt Prieß.

Etwas gutes hat die Situation jedoch für das Ehepaar Udtke: "Nach dem RTL-Beitrag haben uns so viele Anrufe und E-Mails mit tröstenden und helfenden Worten erreicht, dass wir nach langer Zeit endlich mal wieder in der Nacht durchschlafen können", sagt Iris Udtke. Und sie könne sogar wieder ein bisschen lächeln - auch wenn der 7. November mit riesigen Schritten naht. In der Hoffnung, die Versteigerung doch noch abzuwenden, hat Daniel Kiesler auf seiner Seite "Rettet den Forellenhof" eine Petition eröffnet. "Viele Briefe sind bereits eingegangen und werden bis Donnerstag gesammelt an die Bank übermittelt", teilt Kiesler mit. Er hofft so, mit Druck der "Internetgemeinde" die Bank doch noch zu einer Verschiebung des Termins bewegen zu können. Beteiligen kann sich jeder.

Das Spendenkonto:

Das Konto befindet sich bei der Evangelischen Darlehensgenossenschaft in Kiel, Bankleitzahl 21060237, Kontonummer 10034606. Inhaber: RA Volker Mackeprang/Anderkonto Udtke.


 

Leserkommentare

 
DANIELA KOBARG 03.11.2008 21:18
Forellenhof Familie Udtke

Hallo Herr und Frau Udtke,

ich habe die Sendung gesehen und war den Tränen nahe. Ihr Schiksal tut mir sehr leid. Sie kämpften für die Freude der Kinder und können nun alle verlieren. Ich finde Ihren Hof sehr schön angelegt. Wir überlegen auch vieleicht mit unseren Kinder mal zu kommen.

Wir möchten Ihnen auch eine kleine Spende zukommen lassen. Wir haben zwar selbst nicht viel, aber wenn alle so denken könnte es vieleicht reichen um die Zwangsvollstreckung auszusetzen. Es würde mich sehr freuen. Viel Glück. Liebe Grüße Familie Kobarg

PETER BIRKEMEYER 04.11.2008 10:51
Forellenhof

Die Sparkasse Westholstein macht genau das, was man als Bank immer macht: Man
hat längst einen Käufer !! Jetzt muss man nur taktieren und warten um zu zuschlagen.
Das ist gängige Praxis. Prüfen Sie als Zeitung und Finanzberater doch mal, wer den
Forellenhof kauft, und wer dann dahinter steckt.
Sie glauben gar nicht, was die Banken alles drehen und wenden können. Die Fam.
Utke ist der Bank völlig egal. Überprüfen Sie vor allem einmal den Vorstand und den
Leiter der zuständigen Bank. Wie schon ein Leser geschrieben hat: Früher liefen die
Gangster draußen vor der Bank, heute sitzen sie hinter den Fenstern der Bank.

DANIEL KIESLER 04.11.2008 12:07
Brief an die Sparkasse

Bitte nehmen Sie an dem Brief für die Sparkasse Westholstein teil.
www.rettetdenforellenhof.de.vu

ALEXANDER P. 04.11.2008 12:55
Misswirtschaft

Bei der Situation handelt es sich sicherlich um eine traurige Geschichte.
Es gibt aber sicherlich bessere Zwecke mit Spenden aktiv zu werden. Wer sich als Unternehmer den veränderter "äußeren Umstände" nicht anpasst betreibt auch Misswirtschaft!

G. GAYLOR 04.11.2008 15:47
Ihr Schicksal rührt mich zu Tränen

Peter Zwegat ist ein guter Freund von mir und hat mir in Berlin von Ihrem Schicksal berichtet. Ich werde demnächst ein Benefitz-Forellen-Essenin Berlin zu Ihren Gunsten veranstalten.

PETER CHRISTIANSEN 04.11.2008 15:48
Kaufangebot

Sehr geehrte Eheleute Udtke,
ich interessiere mich sehr für den Kauf des Objekts. Leider kann ich Ihrem Wunsch, etwas "mit Kindern" zu machen nicht nachkommen, vielmehr suche ich eine ruhig gelegene Immobilie zur Eröffnung eines FKK-/Saunaclubs. Bitte teilen Sie mir mit, ob der Forellenhof Ihrer Einschätzung nach für diese Nutzung geeignet ist.
MFG Alexander Schröder, LL.M
Projektmanager

STRANDHAFER 05.11.2008 14:53
Sozialamt

Es zeugt schon von einer enormen Dreistigkeit zu sagen, Sozialamt - das würde ich nicht überleben. Viele Menschen leben heute vom Sozialamt und haben sich nicht umgebracht oder einen Herzinfarkt bekommen. Sie leben vom Sozialamt, weil sie entweder krank oder aus anderen Gründen, nicht in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt durch eigene Arbeit zu finanzieren. Vielleicht wäre es für das Ehepaar Udtke eine positive Erfahrung.

ALLZEIT 05.11.2008 23:20
Sozialamt - Strandhafer

Was soll das? Niemand hat Sie angegriffen oder die, die Sie zu verteidigen suchen. Aber es ist doch wohl ein Unterschied, wenn man sein ganzes Leben einer solchen sozialen Aufgabe gewidmet hat und dann feststellen muss, das für einen selbst nichts übrig bleibt und man trotz Arbeit und Einsatz bis ins hohe Alter auf das "Sozialamt" angewiesen sein würde. Ich selbst habe 120 € gespendet, weil ich meine Anerkennung für diese Lebensleistung so am besten und direktesten zum Ausdruck bringen konnte. Ob ich das anderen gegenüber auch tun würde steht dahin. Der Familie im Beitrag von RTL heute auf jeden Fall nicht. Unglaublich von RTL uns sowas überhaupt vorzusetzen und unglaublich, das sich Herr Zwegat da überhaupt drauf eingelassen hat. Ein absolutes Anti-Beispiel für mich.



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