RINGEN UM DEN "FORELLENHOF"

 

 

Kinderferiendorf bei Büsum

Frohe Weihnacht auf dem "Forellenhof"

03. Dezember 2008 | 20:00 Uhr | Von Ralf Tiessen und Hauke Mormann

Können wieder lachen: Iris und Karl-Heinz Udtke. Ihr "Forellenhof" scheint gerettet. Foto: Ruff

Aufatmen in Nordhastedt (Kreis Dithmarschen): Was RTL-Schuldenberater Peter Zwegat in seiner Sendung nicht schaffte, klappt jetzt wohl im Nachhinein. Iris und Karl-Heinz Udtke könnten ihren "Forellenhof" retten.

Nordhastedt. "Das ist wie ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk." Herbergsmutter Iris Udtke (68) strahlt übers ganze Gesicht. Was sich schon vor einigen Wochen in einer ersten E-Mail abzeichnete, wird nun konkret. Eine Organisation aus Norwegen will den "Forellenhof" für Jugendliche nutzen, die ihre Schule abgebrochen haben und den Weg in die Arbeitswelt finden sollen - gefördert von der Europäischen Union.

Anfang Januar will eine Arbeitsgruppe den Hof besuchen. Dann könnten Termine festgemacht und Verträge unterschrieben werden. Das würde die Übernachtungszahlen mehr als verdoppeln, "aus halb Europa würden die Jugendlichen kommen", sagt Iris Udtke. Der "Forellenhof" könnte auf einen Schlag wieder schwarze Zahlen schreiben.

"Achterbahnfahrt der Gefühle"

In diesem Jahr hatten die Udtkes von Mai bis Oktober etwa 10.000 Übernachtungen. Um sich aus dem Sog der Schulden zu befreien, wären mindestens 20.000 notwendig, hatte RTL-Schuldnerberater Peter Zwegat dem Ehepaar vorgerechnet.

Von einer "Achterbahnfahrt der Gefühle" spricht Iris Udtke jetzt. Am 7. November gab es am Amtsgericht Meldorf den ersten Termin zur Zwangsversteigerung. Die Sparkasse Westholstein hatte als einzige Gläubigerin von 856.000 Euro das Verfahren beantragt. Ein Gutachter hatte den Wert des "Forellenhofs" auf rund 1,25 Millionen Euro geschätzt - für 630.000 Euro hätte das Schullandheim unter den Hammer kommen können. "Unsere Nerven lagen am Boden", erinnert sich Iris Udtke. Doch ein Gebot wurde nicht abgegeben.

Rechtsanwalt ist "vorsichtig optimistisch"

Nach dem Termin kamen viele freiwillige Helfer auf den Hof. "Wir bekommen so viel liebe Hilfe, dass ich nur noch vor Freude weine", sagte Iris Udtke darauf.

Und nun die nächste frohe Botschaft. Dr. Volker Mackeprang, Rechtsanwalt der Udktes aus Kiel, hat die Unterlagen aus Norwegen geprüft, ist vorsichtig optimistisch. "Die Verhandlungen werden konkreter. Ich gehe davon aus, dass uns die Vertragsentwürfe zum Ende der Woche vorliegen." Das würde bedeuten, dass an die Sparkasse monatlich "erhebliche Rückzahlungen geleistet werden könnten". Und vor allem könnte langfristig nach einem Käufer gesucht werden. "Diese neue Situation ist schließlich eine ganz andere Basis", sagt Karl-Heinz Udtke (75).

Sparkasse will neuen Versteigerungs-Termin

Allerdings warnt Macke prang vor zu großer Euphorie - die Sparkasse will das Zwangsversteigerungsverfahren fortsetzen. Das wurde gestern auf Nachfrage bei der Sparkasse bestätigt. Ein Termin könnte im Frühjahr angesetzt werden. "Ich kann der Bank keinen Vorwurf machen, aber das ist natürlich ärgerlich. Ich hoffe, dass dieser Vorstoß unsere Vertragsverhandlungen nicht belastet", so Mackeprang.

"Raus aus den Schulden": RTL zeigt die Entwicklungen nach der ersten Sendung am 10. Dezember ab 21.15 Uhr


 

Leserkommentare

 
RAINER TIETJEN 04.12.2008 18:00
Toll, wenn die Rettung gelingen würde!

Es wäre toll, wenn es gelingen würde, den Vertrag mit den Norwegern abzuschließen und die Übernachtungszahlen langfristig mehr als zu verdoppeln.

Würden die monatlichen Einnahmen von ca. 13.000 € auf mehr als 26.000 € steigen und dadurch nach einer Finanzierungslücke von 6.650 € ein Finanzierungsüberschuss von fast 6.000 € im Monat entstehen, könnten Zinsen und Tilgungen für die Kredite auch wieder ordnungsgemäß gezahlt werden und eventuelle Rückstände ausgeglichen werden.
Es wären auch zusätzliche Mittel für die Renovierung des Forellenhofes vorhanden.

Wenn sich die Einnahmesituation als langfristige Verbesserung darstellen würde, wäre eventuell die Sparkasse ja auch bereit, auf eine weitere Zwangsversteigerung zu verzichten. Das Anliegen der Sparkasse kann doch nur sein, dass die Zinsen und Tilgungen pünktlich und vollständig gezahlt werden.

Da in der ersten Zwangsversteigerung kein Käufer gefunden wurde, der 630.000 € geboten hat, bleibt jedoch eine gewisse Skepsis, dass künftig jemand mehr für den Forellenhof zahlen wird. Wenn sich jedoch die Verdoppelung der Übernachtungszahlungen langfristig halten lässt, ließe sich später vielleicht ja doch jemand finden, der den dann sehr rentablen Forellenhof zu einem Preis kaufen würde, der nahe am geschätzten Verkehrwert liegt bzw. der zumindest die Restschulden ausgleicht. Ich gönne es der Familie Udtke.

Jetzt wünsche ich der Familie Udtke und deren Unterstützern fröhliche Weihnachtsfeiertage!

RAINER TIETJEN 05.12.2008 09:02
Korrektur

Bei Überprüfung der Zahlen musste ich feststellen, dass die Prognose eines Finanzierungsüberschusses von fast 6.000 € im Monat etwas zu optimistisch war. Deshalb versuche ich einmal, ihn genauer zu ermitteln.

Aus dem Video mit Herrn Zwegat wurden die einzelnen 28 Ausgabenposten nicht genauer dargestellt, deshalb schätze ich sie selbst einmal.
Wenn ich davon ausgehe, das jeder Gast je Tag zusätzliche variable Kosten von 5,00 € für den Einkauf von Nahrungsmitteln, das Waschen der Handtücher und Bettwäsche, für Duschwasser und sonstige kleine Ausgabenposten verursacht, entstehen bei 10.000 Übernachtungen zusätzliche Kosten von 50.000 € im Jahr und damit von 4.170 € im Monat. Diese zusätzlichen Gäste bringen zusätzliche Einnahmen von 13.300 € (Verdoppelung). Werden davon die Kosten der vorherigen Finanzierungslücke von 6.650 € und die von mir ermittelten variablen Kosten von 4.170 € abgezogen, verbleibt ein Finanzierungsüberschuss von 2.480 € je Monat.
Da sich die Übernachtungszahl mindestens verdoppeln soll, würden z. B. 100 zusätzliche Übernachtungen je Monat (3,3 Gäste x 30 Tage) zusätzliche Einnahmen von 1.600 € und zusätzliche Ausgaben von 500 € bringen, so dass sich der Finanzierungsüberschuss dadurch um 1.100 € je Monat auf 3.580 € erhöhen würde.

Die genauen Kosten je Gast kennt Herr Zwegat oder die Familie Udtke, so dass man diese in die Berechnung einsetzen könnte.

Dieser Finanzierungsüberschuss besteht nach Abzug aller betrieblichen und privaten Kosten, so dass er z B. zunächst für den Ausgleich von Zahlungsrückständen bei der Sparkasse, danach für Renovierungsarbeiten am Fortellenhof oder dem Mietshaus verwendet werden könnte. Eventuell könnte auch eine Aushilfe damit bezahlt werden.

Jetzt dürfen wir nur noch hoffen, dass die Verdoppelung der Übernachtungen durch die zusätzlichen Gäste aus Norwegern gelingt und damit hoffentlich auch die Rettung des Forellenhofes!



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