RINGEN UM DEN "FORELLENHOF"

 

Dritter Versteigerungs-Termin: Gebot wird geprüft

04. September 2009 | 18:22 Uhr | Von Ralf Tiessen

Es gibt zwar einen Bieter, aber noch keinen Zuschlag: 290.000 will Bernd Pahl aus Meldorf für den Forellenhof zahlen. Die Sparkasse braucht Bedenkzeit.

Seit Freitag Vormittag liegt der Sparkasse Westholstein ein Gebot zum Kauf des Kinderferiendorfes Forellenhof vor. Im Rahmen der Zwangsversteigerung hat der Meldorfer Bernd Pahl 290.000 Euro geboten. Das Kreditinstitut wird einen möglichen Zuschlag nun genau prüfen.

Ruhig aber angespannt verfolgten die Eigentümer des Nordhastedter Landschulheims Iris (68) und Karl-Heinz Udtke (76) die 30-minütige Mindestbietzeit beim Amtsgericht. Als Bernd Pahl um 9.28 Uhr dem Rechtspfleger Evers signalisierte, ein Gebot abgeben zu wollen, reagierten die beiden etwas irritiert. Da die gesetzlich vorgegebenen Mindestgebotsgrenzen bei diesem Termin nicht mehr berücksichtigt werden mussten, hatten die Udtkes schon mit einen Interessenten gerechnet, aber eben auch gehofft, dass dieser Fall nicht eintritt.

Seit mehr als 30 Jahren betreibt das Ehepaar mit einigen angestellten Mitarbeitern den Forellenhof. Aber inzwischen stecken sie mit mehr als 850.000 Euro bei der Sparkasse Westholstein in den roten Zahlen. Iris Udtke weiß um ihre schwierige Situation. "Es ist wohl besser, wenn wir unseren Forellenhof - in den wir so viel Herzblut investiert haben - verkaufen." Sie haben sich in den vergangenen Monaten auch schon umgeschaut und bemüht. Und ihr Rechtsanwalt Peter Mackeprang aus Kiel hat mit den Mitarbeitern der Sparkasse immer wieder Gespräche geführt. Aber der Termin der Zwangsversteigerung ließ sich nicht hinauszögern.

290.000 Euro - "Damit es nicht zu langweilig wird"

Den Saal des Amtsgerichts musste Iris Udtke kurz verlassen, nachdem Bernd Pahl die erforderliche Sicherheitsleistung - zehn Prozent der Verkehrswertes - in Form eines Schecks in Höhe von 125.580 Euro und eine Bankbestätigung beim Rechtspfleger auf den Tisch legte. Die Vertreterin der Sparkasse zog sich zu internen Gesprächen mit dem ihr scheinbar unbekannten Bieter zurück. Auch Rechtsanwalt Mackeprang führte zurückgezogen Gespräche mit der Vertreterin des Kreditinstituts. Als alle nach gut zehn Minuten wieder zurückkehrten, erhöhte Bernd Pahl sein Angebot. "Damit es hier nicht so langweilig wird, biete ich 290.000 Euro."

Sieben Zuschauer verfolgten den Verhandlungstermin im Besucherraum des Saales. Aber keiner machte Anzeichen, ein Gebot abgeben zu wollen. Iris Udtke griff die Hand ihres Ehemanns. Ganz fest drückten sie ihre Hände zusammen, als Rechtspfleger Evers das Ende der Versteigerung verkündete.
Verkauft ist der Forellenhof aber noch nicht. Die Sparkasse beantragte einen gesonderten Zuschlagtermin. Am Dienstag, 22. September, soll um 8 Uhr eine Entscheidung fallen. Und Rechtsanwalt Mackeprang weiß: "Jeden Euro, den die Bank hier nicht bekommt, setzt sie zu." Eine Schmerzgrenze sei ihm gegenüber noch nicht genannt worden, aber ein Zuschlag für 290.000 Euro wird es wohl nicht geben. Die Sparkasse hat Zeit gewonnen, um das Angebot genauer zu prüfen, und auch die Udtkes bemühen sich mit ihrem Immobilienmakler weiter, um einen zahlungskräftigen Käufer zu präsentieren. Bernd Pahl wollte sich gestern noch nicht zu seinem Plänen äußern. "Ich möchte einer Entscheidung der Sparkasse nicht vorgreifen."


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