Die Stimme - strapaziert und unterschätzt

04. März 2010 | 16:12 Uhr | Von shz.de

In der Reha-Klinik Schloss Schönhagen hilft eine Stimmtherapeutin Patienten nach Krebserkrankungen, das Sprachvermögen zurück zu erlangen.

Für viele Menschen ist das Singen im Chor eine gesunde Anregung für die Stimme - doch auch hier sollte eine Anleitung über die Funktion von Atmung und Stimme erfolgen, um falsche Angewohnheiten, die das Singen anstrengend machen, zu vermeiden. Foto: Euler

Der Einsatz der Stimme ist für uns alltäglich und scheint ganz einfach zu sein. Genauer betrachtet ist es aber ein ungemein präziser, perfekt koordinierter biomechanisch-physikalischer Vorgang. Bewusst wird uns das erst, wenn wir Probleme beim Sprechen haben. Die ausgebildete Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin Anke Ahrenbog behandelt in der Reha-Klinik Schloss Schönhagen Patienten, die aufgrund einer organischen Schädigung Schwierigkeiten mit der Stimme haben. Sie hilft ihnen, diese zurück zu erlangen oder den Verlust zu kompensieren.  

Jeder von uns kennt die Redewendungen: "Ich habe einen Kloß im Hals", "Bin heute nicht in Stimmung" oder "Mir bleibt das Wort im Hals stecken". Die Stimme ist neben Gestik, Mimik und Körperbewegung ein wichtiges Ausdrucksmittel des Menschen. Sie ist ein Bestandteil unserer Persönlichkeit und vermittelt unseren Gesprächspartnern einen Eindruck unserer Befindlichkeit. Damit das erklingt, was wir gemeinhin als Wort bezeichnen, braucht es neben Atemluft, Strömung und Druck auch die im Kehlkopf befindlichen Stimmbänder mit ihren verschiedenen Schichten, innerer Elastizität und Oberflächenbefeuchtung. Hinzu kommen öffnende, schließende und spannende Muskeln und deren versorgende Nerven. Erst, wenn das alles perfekt zusammenwirkt, entstehen Schallwellen, die sich wiederum - ganz anatomisch individuell - im Rachen-, Nasen- und Mundraum zu Klang und Sprache formen.  

Operationen oder Bestrahlungen können der Stimme schaden

"Wenn die oben genannten Vorrausetzungen für einen stabilen, tragfähigen Stimmklang nur eingeschränkt zur Verfügung stehen, kann das viele Gründe haben. Beispielsweise könnte das Organ selbst, also der äußere Kehlkopf oder die Stimmbänder, durch eine Operation oder infolge von Bestrahlung beschädigt worden sein", erklärt Anke Ahrenbog. Aber auch bei Speiseröhren- und Lungenoperationen können die für die Stimme verantwortlichen Nervenbänder geschädigt werden.

In den Therapiesitzungen führt die Logopädin die Patienten dazu, den Stimmklang durch Kompensation herzustellen. Ganz wichtig dafür ist eine Schulung der körperlichen Wahrnehmung. Durch schwingende und kreisende Bewegung werden Resonanz- und Atemräume im Körper eröffnet und stimuliert. Der Klang wird mit Hilfe von Stimmlauten, Tönen und Silben angeregt. Die Therapie geht aber noch weiter. Bei Verlust des Kehlkopfs bahnt der Patient mit Hilfe der Therapeutin eine Ersatzstimme an. Die Atemluft wird mit Hilfe einer Stimmbandprothese umgeleitet und die Schwingungen entstehen am Speiseröhreneingang.   

Nach Infekten und Überlastung sollte die Stimme geschont werden

Aber auch für diejenigen, die bisher noch keine Probleme mit ihrer Stimme hatten, hat Anke Ahrenbog folgende Ratschläge: "Um Klarheit und Elastizität zu erhalten, sollte jedermann beachten, dass die Stimme eine angemessene Schonung bei Infekten, Erholung nach Überlastung - vor allem in Sprechberufen - und Schutz vor äußeren Einwirkungen braucht", so die Stimmtherapeutin. Für viele Menschen sei das Singen in einem Chor eine gesunde Anregung - doch auch hier sei eine Anleitung über die Funktion von Atmung und Stimme empfehlenswert, um falsche Angewohnheiten, die das Singen anstrengend machen, zu vermeiden, erklärt Ahrenbog.        

Anke Ahrenbog gehört zur logopädischen Abteilung des Therapiezentrums Damp, in der sechs Therapeutinnen und Therapeuten an den Standorten Damp und Schönhagen arbeiten. Neben der stationären Behandlung betreut die Abteilung auch die logopädische Ambulanz, in der Patienten bei Vorlage eines Rezeptes ambulant untersucht und behandelt werden.

Weitere Informationen erteilt der leitende Logopäde Norbert Schulte-Losch unter Telefon: 04352 80-4172.




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