Hackenporsche aus Satrup

06. Mai 2009 | 16:28 Uhr | Von Sönke Lundt

Sie galten lange Zeit als spießig und ein wenig altbacken, aber sie sind dennoch äußerst praktisch: Einkaufstrolleys – im Volksmund besser bekannt als „Hackenporsche“.

Die Anfänge: Das Ehepaar Andersen 1966 auf der internationalen Hausrat- und Eisenwarenmesse in Köln.

Doch nicht nur ältere Leute und Zeitungsausträger lieben die praktischen Zweiräder – auch bei jungen Leuten sind die kleinen Einkaufshilfen inzwischen fast schon Kult. Was viele nicht wissen: Europas größter Hersteller von  Hackenporsche ist  im schleswig-holsteinischen Satrup, unweit von Schleswig,  angesiedelt.
Die Anfänge der  "Hackencoupes", wie der Hersteller selbst die Einkaufsflitzer  markenrechtlich neutral nennt, liegen mehr als 50 Jahre zurück: 1958 begannen Christa und Günter Andersen mit 300 D-Mark Startkapital und einer Menge Zuversicht ihr Gewerbe als Großhändler und Vertreter von Eisenwaren. Am Anfang greifen ihnen die Eltern noch  unter die Arme, indem Vater Hans Andersen für einen größeren Posten Bügeltische und Leitern im Wert von 10000 DM bürgt. Diese bezieht Günter Andersen von der dänischen Firma Hemo in Sonderburg –  frei verzollt in Kommission.

Damals ahnte man vom Erfolg noch nichts

Als Lager dient der elterliche Pferdestall in Havetoftloit. Beinahe täglich belädt Günter Andersen den  Opel Caravan, den die Eltern bezahlt haben. Das Sortiment  umfasst damals hauptsächlich Leitern und Bügeltische. Damit steuert Günter Andersen  Eisenwarengeschäfte in Schleswig-Holstein an.
Eines Tages bringt Morten – der Inhaber von Hemo – einen  "Marktroller" mit und empfiehlt ihn mit den Worten: "Du, Günter, das wird nochmal ein Artikel." Günter Andersen kauft einige Exemplare und versucht sie in Deutschland zu vermarkten, was sich zunächst als schwierig erweist. Damals ahnte von dem zukünftigen Erfolg noch keiner etwas. Im Gegenteil: Von vielen wird der Kaufmann  belächelt.
 Im Laufe des Jahres 1959 kommt Christa und Günter Andersen die Idee, die in Dänemark gekauften Shopper  selbst zu fertigen. Nachts – oft bis weit nach Mitternacht – pinselt das junge Ehepaar Andersen fortan die Gestelle von Hand, während die Kinder Kirsten  und Wiebke schlafen.
Die Familie kauft in der Mühlenstraße in Satrup ein 10000 Quadratmeter großes Grundstück, auf dem zunächst eine Produktionshalle und Büroräume von insgesamt 800 Quadratmetern errichtet werden. 1968 wird der gesamte Betrieb in das neue Gebäude in der Mühlenstraße verlegt, wo die Firma  bis heute ansässig ist.
Längst hat auch in Satrup Hi-Tech  Einzug gehalten: Der erste Schweißroboter wurde 1993 angeschafft, zwei weitere Roboter zum Lochen der Rohre kamen 1996 dazu. Der Mix aus Handarbeit und Halbautomatisierung sorgt bei Andersen für hohe Flexibilität in der Produktion und im Versand.
1995  betritt die Andersen  Shopper Manufaktur ein neues Terrain: den Fahrradmarkt.  Ein Fahrrad- und Freizeitcaddy macht den Anfang.
2001 übergeben Christa und Günter Andersen die Shopper Manufaktur an ihren Sohn Sven Andersen (geb. 1971). Christa und Günter Andersen sind weiterhin beratend im Betrieb tätig. Tochter Wiebke Andersen-Woch leitet das Personalwesen und ist maßgeblich für das Design der Andersen-Produkte zuständig. Tochter Kirsten Andersen-Leifermann lebt mit ihrer Familie in Hamburg.

Eine Erfolgsgeschichte, die sich sehen lassen kann.

2004 wird  zu  Ehren der Gründer  die Zufahrtsstraße zum Firmengelände  "Christa und Günter Andersen Weg" genannt.
Shopper made in SH – eine Erfolgsgeschichte, die sich sehen lassen kann: In 50 Jahren verkaufte Andersen weltweit mehr als zehn  Millionen  der kultigen Trolleys. Das Sympathische: Alle derzeit fast 50 Mitarbeiter sind festangestellt. Es werden  keine Zeitarbeiter beschäftigt.

 


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