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Wissenschaft

06. Dezember 2016 | 11:17 Uhr

Weltumrundung mit „Solar Impulse 2“ geglückt : Wo Solarenergie noch eine Alternative ist

vom
Aus der Onlineredaktion

Mit einem Solarflugzeug einmal um die Welt - zwei Schweizern ist das gelungen. shz.de zeigt, wo Solarenergie noch eingesetzt wird.

Abu Dhabi | Ohne einen Tropfen Kerosin ist es dem Solarflugzeug „Solar Impulse 2“ gelungen, einmal die Welt zu umrunden. Nach 510 Stunden und mehr als 40.000 Kilometern landeten die Schweizer Abenteurer Bertrand Piccard und André Borschberg am Dienstagmorgen in Abu Dhabi.

Mit der Erdumrundung in dem Solarflieger wollen die beiden Wissenschaftler für die Nutzung erneuerbarer Energien werben. Über 17.000 Solarzellen auf den Tragflächen mit einer Spannweite von 72 Metern liefern die Energie für die Elektromotoren. Die normale Fluggeschwindigkeit der „Solar Impulse 2“ liegt bei 48 km/h, bei starkem Sonnenschein kann sie doppelt so schnell fliegen.

 

Seit einigen Jahren spielt Solarenergie als alternative Energieressource auch im Verkehrswesen eine immer größere Rolle. Wo Solar in Zukunft noch eine probate Alternative zu anderen Energien sein kann oder bereits ist - eine Übersicht:

Autos:

„Stella Lux“ sieht aus wie der Waggon einer Magnetschwebebahn und soll doch auf Straßen fahren. Eine Gruppe von Studenten der technischen Universität Eindhoven hat das Solarmobil entwickelt und will damit den Weg in einen nachhaltigen Personenverkehr ebnen.

Über Solarpanele auf dem Dach speist das Fahrzeug die Energie, die es zum Fortbewegen benötigt. Die Reichweite beträgt über 1000 Kilometer und liegt damit sogar über der des reichweitenstärksten Elektroautos am Markt, den Tesla S mit rund 450 Kilometer Reichweite bei voll geladenem Akku.

Als Positivenergie-Fahrzeug erzeugt das Solarmobil mehr Energie, als es verbraucht, versprechen die Entwickler. Während normale Autos nur dazu dienen, um von A nach B zu kommen und 95 Prozent des Tages ungenutzt herumstehen, produziert der „Stella Lux“ in dieser Zeit Energie und lädt sich auf. 18 Monate entwickelte und baute das 22-köpfige Team das Solarfahrzeug, bis zu 125 km/h kann es fahren. Besonderer Vorteil: Mit Platz für vier Personen ist es sogar familientauglich.

Imago/Bart van Oeverbeeke
Ein Katamaran auf Rädern: Ein Mitteltunnel hilft dem Solarmobil windschlüpfig zu sein. Solarpaneele auf dem Dach liefern die Energie. Foto: Imago/Hollandse Hoogte
 

Busse:

Nicht nur im Individualverkehr, sondern auch im öffentlichen Verkehr wird Solartechnik immer häufiger eingesetzt. In Österreich will man seit 2011 mit Solarbussen einem emissionsfreien Nahverkehr ein Stück näher kommen. Ein österreichisches Entwicklungskonsortium hat im Rahmen eines Forschungsprojekts durch Sonnenenergie betriebene Elektrobusse entwickelt: ein Citybus mit 35 Plätzen für den Linienverkehr und ein Gemeindebus mit neun Sitzplätzen. Beide Busse werden in den Modellgemeinden Perchtoldsdorf und Hornstein getestet.

2015 nahmen in der tibetischen Hauptstadt Lhasa Solarbusse ihren Betrieb auf. Mit 32 Sonnenkollektoren auf dem Dach können sie mehr als 200 Kilometer fahren.

<p>Seit 2015 auf tibetischen Straßen unterwegs: Solarbusse in der Hauptstadt Lhasa. </p>

Seit 2015 auf tibetischen Straßen unterwegs: Solarbusse in der Hauptstadt Lhasa.

Foto: Imago/Xinhua
 

Deutschlands erster Solarbus nahm in Münster seine Fahrt auf: 2013 kutschierte er Touristen durch die Stadt. Mit zwei Anhängern und Platz für 54 Passagiere hatte der Bus unter optimalen Bedingungen eine Reichweite von 120 Kilometern. Hergestellt wurde das Gefährt von der Firma Soios aus der Nähe von Venlo in den Niederlanden, die seit 2011 weltweit Solarbusse ausliefert. Ende 2013 war für das umweltfreundliche Gefährt in Münster wieder Schluss, die Begeisterung für die umweltfreundliche Idee habe gefehlt, gab der Betreiber an.

Züge:

Auch Züge lassen sich in der Theorie mit Sonnenenergie betreiben. Jedoch reicht die zur Verfügung stehende Fläche für die Solarkollektoren meist nicht aus, um den Zug auf Geschwindigkeit zu bringen. Aus diesem Grund gibt es bisher auch noch keine Serien-Solarzüge, sondern weltweit nur einzelne vielversprechende Projekte, in denen versucht wird, dieses Problem zu beheben.

Darunter etwa der Plan, die US-amerikanischen Städte Phoenix und Tucson mit einem solarbetriebenen Zug zu verbinden, der die 185 Kilometer in gut einer halben Stunde bewältigen soll. Das Projekt „Solar Bullet“ will die ohnehin verbaute Fläche der Eisenbahngeleise auch für die Energiegewinnung nutzen, indem sie mit einem Dach aus Solarpanelen überbaut wird. Bisher scheiterte die Idee an den horrenden Kosten, die Investoren abschreckte.

2011 realisierte die belgische Eisenbahn gemeinsam mit einer Solarfirma eine erste Teststrecke in Europa: Auf einer mit Solarpaneelen ausgelegten Zugstrecke fuhren Züge mit Sonnenenergie. Die größtenteils untertunnelte Stecke von 3,4 Kilometern Länge führt von Antwerpen bis zur niederländischen Grenze. 16.000 Solarpaneele liefern den benötigten Strom.

Zwar zählen Züge grundsätzlich zu den umweltfreundlicheren Fortbewegungsmitteln, jedoch haben sie einen Nachteil: sie beziehen ihren Strom meist von Atommeilern. Das Projekt aus Belgien könnte ein erster Schritt in Richtung grüner Energien für Eisenbahnen sein.

Schiffe:

Auch zu Wasser kann auf Treibstoff verzichtet werden. Immer mehr Werften stecken ihre Energie in die Entwicklung solarbetriebener Motorschiffe. Seit 2014 haben die Berliner Verkehrsbetrieb (BVG) die „FährBär“-Serie in Betrieb. Über Solarzellen auf dem Dach wird der Elektromotor der Fähren betrieben. Seit April 2014 ist die Flotte mit insgesamt vier Fähren komplett. Maximal 49 Personen können auf den Schiffen befördert werden. Die mit Sonnenenergie betriebenen Fähren im Berliner Verkehr sind zurzeit weltweit einzigartig. Solarboote als Vergnügungsschiffe sind unter anderem in Münster auf dem Aasee, in Hamburg auf der Alster, Rhein, Main oder auf dem Bodensee unterwegs. 

Das derzeit größte von Solarenergie betriebene Wasserfahrzeug der Welt ist die „Turanor Planet Solar“. Gebaut wurde der Katamaran von der Werft Knierim Yachtbau in Kiel. Im März 2010 in Kiel getauft und in der Kieler Förde zu Wasser gelassen, wurde das Solarschiff im Mai 2010 auf dem Hamburger Hafengeburtstag der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Idee für den Bau eines Solarschiffes, mit dem die Welt umrundet werden kann, geht auf einen Schweizer Sanitäter zurück, der sie gemeinsam mit einem Partner verwirklichte.

<p>Die 31 Meter lange „Turanor Planet Solar“ im Hafen von Hong Kong.</p>

Die 31 Meter lange „Turanor Planet Solar“ im Hafen von Hong Kong.

Foto: Imago/Xinhua

Im September 2010 brach die „Turanor Planet Solar“ in Monaco zu ihrer ersten Weltumrundung auf - immer in Nähe des Äquators, weil dort die Sonneneinstrahlung am stärksten ist. Nach 584 Tagen, 23 Stunden und 31 Minuten  lief der Katamaran im Mai 2012 nach 60.000 Kilometern wieder in Monaco ein. Auf dem Weg machte die Crew unter anderem bei der Weltklima-Konferenz in Cancún Halt, um zu zeigen wie klimafreundlich Solarenergie sein kann.

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erstellt am 26.Jul.2016 | 18:27 Uhr

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