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Wissenschaft

09. Dezember 2016 | 08:58 Uhr

Neue Meeresschutz-Zone : Wind, Mücken und eine Lüge: Zehn Fakten zur Antarktis

vom

Faszination Antarktis: Eine neue Schutzzone soll den bedrohten Kontinent bewahren. shz.de mit zehn Infos zum Südpol.

Die größte Meeresschutzzone der Welt entsteht in der Antarktis nahe des Südpols. Experten bezeichnen die nach fünf Verhandlungsjahren getroffene Vereinbarung als historischen Durchbruch. Das Gebiet ist viermal so groß wie Deutschland. Dort darf nicht mehr gefischt werden, beschlossen 24 Länder und die Europäische Union am Freitag zum Abschluss des Treffens der Kommission für die Erhaltung der lebenden Meeresschätze in der Antarktis (CCAMLR) in Hobart in Australien. shz.de mit zehn Fakten, die Sie vielleicht noch nicht kannten.

1. Die Antarktis ist der windigste Ort der Erde

Mehr als „ein büschen Wind“: 1972 wurde eine Windgeschwindigkeit von 327 Kilometer pro Stunde gemessen. Zum Vergleich: Bei Orkan Emma 2008 wurden Spitzenwindgeschwindigkeiten von 152 Kilometer pro Stunde in Chemnitz (Sachsen) und 146 Kilometer pro Stunde in Benediktbeuern/Kloster (Bayern) gemessen.

2. Kleine Mücke ganz groß

Die harten klimatischen Bedingungen machen vielen Tieren das Überleben schwer. Das größte dauerhaft an Land lebende Tier ist ein Insekt - und eigentlich doch ganz klein. Die Mücke namens Belgica antarctica wird nämlich gerade einmal zwei bis sechs Millimeter groß. Sie wurde 1889 während der Belgica-Expedition entdeckt.

3. Warum heißt die Antarktis so?

Das Sternenbild des Großen Bären.
Das Sternenbild des Großen Bären. Foto: imago/Blickwinkel
 

Der Name kommt vom Altgriechischen antarktikos und bedeutet „der Arktis gegenüber“. Arktis leitet sich aus dem altgriechischen Wort „Arktòs“ ab, welches Bär bedeutet. Die nördlichen Gebiete bezeichnete man als „Land unter den Sternenbild des Großen Bären“.  Die Arktis besteht übrigens im Gegensatz zur Antarktis nur aus schwimmendem Eis und ist deswegen kein Kontinent.

4. Der Antarktis-Vertrag

Der Antarktis-Vertrag von 1959 ist das erste internationale Abkommen nach dem Zweiten Weltkrieg. Er legt fest, dass der Kontinent von Wissenschaftlern verschiedener Nationen ausschließlich zu friedlichen Zwecken genutzt werden kann. Zwölf Staaten unterzeichneten während des Kalten Krieges, ihre territorialen Ansprüche aufzugeben. Außerdem regelt der Vertrag, was alles zur Antarktis gehört. Es ist das gesamte Gebiet südlich 60° südlicher Breite, also der Kontinent, die Inseln, die Schelfeisflächen und der Ozean. Er trat 1961 in Kraft. Mittlerweile gehören 51 Staaten dem Vertrag an.

Diese Staaten haben den Vertrag 1959 unterschrieben:

Argentinien
Australien
Belgien
Chile
Frankreich
Großbritannien
Japan
Neuseeland
Norwegen
ehemalige UDSSR
USA
ehemalige Südafrikanische Union

 

Die Kernpunkte des Vertrages:

  • friedliche Nutzung der Antarktis
  • freie internationale Zusammenarbeit in der Forschung mit ungehindertem Informationsaustausch
  • Zurückstellung der Gebietsansprüche einzelner Länder
  • Verbot militärischer Aktivitäten
  • Beseitigung und das Einfuhrverbot radioaktiver Abfälle in der Antarktis

5.  Die Vögel der Antarktis

 

Neben den Pinguinen leben um die 26 weiteren Vogelarten in dem rauhen Klima, wie etwa Albatrosse, Riesen- und Kapsturmvögel, Raubmöwen und Seeschwalben. Es gibt weltweit 18 Pinguinarten. Von ihnen brüten fünf in der Antarktis. Dazu gehört der größte Tauchvogel der Erde, der Kaiserpinguin. Hinzu kommen der Zügelpinguin, der Eselspinguin, der Goldschopfpinguin und der Adeliepinguin.

6. ...und die übrigen Bewohner

Ein Seeleopard zeigt seine Zähne.
Ein Seeleopard zeigt seine Zähne. Foto: David Doubilet
 

Sechs Robbenarten tummeln sich in der Antarktis: die Krabbenfresserrobbe, der Südliche Seeelefant, die Weddellrobbe, die Rossrobbe, die Antarktische Pelzrobbe und der Seeleopard. Fun Fact: In der Antarktis leben viel mehr Robben als in der Arktis.

Etwa 14 Walarten leben in der Antarktis. Ebenso wie die Robben profitieren sie von den riesigen Krillvorkommen, das ihnen als Nahrung dient. Der zunehmende Tourismus ist eine ernstzunehmende Gefahr für die Tiere. Deswegen gibt es mittlerweile einen Leitfaden mit Verhaltensregeln für Besucher.

7. Der kälteste Ort der Welt

Die Antarktis hat die kältesten Temperaturen der Welt: teils mit bis zu minus 90 Grad Celsius. Am 21. Juli 1983 maß die sowjetische Station Wostok minus 89,4 Grad. Die Jahresdurchschnittstemperatur im Landesinneren liegt bei  minus 55 Grad. Dort gibt es ein polares Wüstenklima. Dafür ist die Antarktis der niederschlagärmste der Kontinente.

8. Die Antarktis hat einen eigenen Tag

Der 1. Dezember ist Antarktis-Tag. Dies hängt mit dem Antarktis-Vertrag zusammen, der am 1. Dezember 1959 unterzeichnet wurde. Der Tag erinnert an das wichtige und empfindliche Ökosystem des Kontinents. Tourismus, Unterwasserlärm, der Klimawandel und die Vermüllung der Meere bedrohen das Gleichgewicht der Antarktis.

9. Das Wettrennen zum Südpol

Foto: dpa Infografik

Wer schafft es als erster Mann zum Südpol? Diese Frage beschäftigte Anfang des 20. Jahrhunderts die Menschen. Der Norweger Roald Amundsen oder der Brite Robert F. Scott? Amundsen gewann das Rennen. Seine Begleiter und er erreichten am 14. Dezember 1911 als erste Menschen den Südpol. Sein Rivale Scott und dessen Mitstreiter kamen auf dem Rückweg ums Leben. Sie starben an Hunger, Entkräftung und Kälte. Scott hatte auf Ponys und Motorschlitten gesetzt, die sich gleichermaßen als komplett ungeeignet für die Antarktis erwiesen. Amundsens Expedition schaffte mit Schlittenhunden und guter Übung auf Skiern 2600 Kilometer in 99 Tagen.

Die Heimat hatte Amundsen im Juni 1910 auf seinem Schiff „Fram“ mit einer dreisten Lüge verlassen: Er wolle als erster Mensch den Nordpol erreichen und für Norwegen „erobern“, hatte er König Haakon, seinen Geldgebern, allen Norwegern und auch Scott vorgeflunkert, der erklärtermaßen auf dem Weg in die Antarktis war, um den Südpol als erster zu erreichen.

PS: Die erste deutsche Antarktis-Expedition fand 1901 statt. Geleitet wurde sie von Erich von Drygalski. Die Crew und ihr Schiff waren mehr als ein Jahr im Eis eingeschlossen.

10.  So dick ist das Eis der Antarktis

Riesiger Eisberg im nahezu unberührten antarktischen Weddellmeer.
Riesiger Eisberg im nahezu unberührten antarktischen Weddellmeer. Foto: epa/ Csic / Handout
 

An einigen Stellen ist das Eis bis zu 4.500 Meter dick - und damit fast 16-mal höher als der Eiffelturm in Paris. In dem Eis sind 75 Prozent der weltweiten Süßwasser-Reserven enthalten. Warmes Wasser und höhere Temperaturen lassen das Eis jedoch schnell schmelzen. Dadurch könnte der Meeresspiegel anssteigen. Die schlimmste Prognose geht dabei bis zum Jahr 2500 von 13 Meter aus.

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erstellt am 28.Okt.2016 | 16:43 Uhr

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