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Wissenschaft

03. Dezember 2016 | 01:22 Uhr

Studie der Universität St. Gallen : Wie die Digitalisierung das Familienleben und die Gesundheit belastet

vom
Aus der Onlineredaktion

Überfordert die Technik die Menschen? Zumindest besteht ein hohes Risiko dafür, aber es kann auch besser laufen.

Berlin | Durch Digitalisierung und ständige Erreichbarkeit riskieren Arbeitnehmer laut einer neuen Studie ihre Gesundheit und ein harmonisches Familienleben. Viele vor allem Jüngere sehen neue Techniken im Job aber auch positiv. Das zeigt eine am Dienstag in Berlin vorgestellte Studie der Universität St. Gallen.

Die Digitalisierung birgt Vor- wie auch Nachteile: Während sie in vielen Branchen Prozesse optimierte und damit erheblich zur Wirtschaftlichkeit von Unternehmen beitrug, geht dies zunehmend auch mit Beeinträchtigungen einher. Vor allem die psychische und emotionale Gesundheit - etwa durch die ständige Erreichbarkeit - leidet bei vielen Arbeitnehmern.

Jeder vierte Arbeitnehmer fühlt sein Privat- und Familienleben durch seine Arbeitsanforderungen beeinträchtigt. Bei Menschen, die nach eigenen Angaben unter Digitalisierung leiden, sind es 39 Prozent. Digitalisierung berge auch Risiken für Leiden wie Burnout oder Kopfschmerzen, sagte Studienleiter Stephan Böhm. Die Studie entstand im Auftrag der Krankenkasse Barmer GEK in Kooperation mit der Zeitung „Bild am Sonntag“.

Emotionale Erschöpfung durch Digitalisierung

„Zwischen der Anzahl der Krankentage und dem Grad der Digitalisierung von Unternehmen besteht nur ein geringer Zusammenhang“, so die Studie. Digitalisierung sei kein Schreckgespenst, könne aber etwa emotionale Erschöpfung deutlich steigern, erläuterte Böhm. Vor allem wenn Digitalisierung, die Angst vor Jobverlust und eine schlechte Beziehung zum Chef zusammenkommen, dann sei der Druck auf die Betroffenen groß. Viele wollten dann möglichst durchgängig im Job präsent sein.

Technologie-Optimismus gibt es laut Studie vor allem bei den Jüngeren: 59 Prozent der unter 30-Jährigen sagen, dass die Technologie sie im persönlichen Leben produktiver macht - aber nur 46 Prozent der über 60-Jährigen. Doch Segen und Fluch liegen nah beieinander: Die Jungen sehen sich stärker gezwungen, schneller zu arbeiten (21 Prozent) und klagen darüber, mehr Arbeit verrichten zu müssen als eigentlich möglich (16 Prozent).

Nahles: Geräte öfter mal weglegen

Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) mahnte, man müsse lernen, mit Smartphone und anderer Technik umzugehen - also auch die Geräte öfter einmal wegzulegen. Die Wirtschaft müsse den Beschäftigten auch ermöglichen, ihre Arbeitszeit weniger starr einzuteilen: „Ich glaube, wir können mehr selbstbestimmte Arbeitszeit ermöglichen.“ Die SPD-Politikerin will im November ein Weißbuch zum Thema Arbeiten 4.0 vorlegen, also zum Arbeiten in der Digitalära - auch mit „einigen konkreten Vorschlägen“ etwa zur Alterssicherung in der Digital-Ära, wie sie ankündigte.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte, Risiken für die Gesundheit durch digitale Arbeit einzudämmen. DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach sagte, es brauche einen politischen Gestaltungsrahmen, „der neue Freiheiten ermöglicht und gleichzeitig ausreichend Schutz für die Gesundheit bietet“. Die SPD-Sozialpolitikerin Katja Mast mahnte: „Es darf nicht dazu kommen, dass Freiräume und Erholungsmöglichkeiten in der Freizeit verloren gehen.“

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erstellt am 27.Sep.2016 | 14:10 Uhr

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