zur Navigation springen

Wissenschaft

08. Dezember 2016 | 21:17 Uhr

Raumsonde live : Spektakuläre Landung geglückt: Esa beendet „Rosetta“-Mission

vom
Aus der Onlineredaktion

Der Komet wurde erreicht. Die Mission spielte sich rund 720 Millionen Kilometer von der Erde entfernt ab.

Darmstadt | Noch einmal ein Höhepunkt zum Schluss einer historischen Weltraum-Mission: Fast zwei Jahre nach der erstmals in der Geschichte der Raumfahrt geglückten Landung eines Mini-Labors auf einem Kometen ist nun auch die Raumsonde „Rosetta“ auf dem Brocken „Tschuri“ aufgesetzt. Sie hatte den Lander „Philae“ durch die Weiten des Alls zum Kometen gebracht.

Die Landung ist für die Esa-Wissenschaftler etwas Neues. Noch nie war die Esa einem Kometen mit einer Raumsonde so nah. In Kometen stecken die wahrscheinlich ältesten weitgehend unveränderten Reste aus der Zeit vor 4,6 Milliarden Jahren, in der sich das Sonnensystem bildete.

Für alle Weltraum-Fans bot die Esa einen Livestream an, in dem man die Landung verfolgen kann:

Die etwa 1,3 Milliarden Euro teure „Rosetta“-Mission ist eines der ambitioniertesten Projekte der Esa. Die Raumsonde hob am 2. März 2004 von der europäischen Weltraumstation Kourou an Bord einer „Ariane 6“-Rakete ab. „Rosetta“ hat eine jahrelange Reise durch das All hinter sich, mehrere Milliarden von Kilometern absolviert, sich einen Tiefschlaf gegönnt, um Energie für die letzte, entscheidende Strecke zum Kometen zu sparen, der mit ganzem Namen „67P/Tschurjumow-Gerassimenko“ genannt wird.

In diesem Video der Esa wird die Mission noch einmal ganz einfach erklärt:

Der entscheidende Tag war der 12. November 2014: „Rosetta“ hatte „Tschuri“ schon erreicht, nun löst sich das Labor „Philae“ von der Sonde und setzt auf den Kometen auf. „Der Tag heute ist historisch“, lobte der damalige Esa-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain in Darmstadt.

Welche Erinnerungen gibt es an die „Rosetta“-Mission? „Das spektakulärste Ergebnis war für mich ein ganz frühes, bald nach der Landung“, berichtet Ferri. „Nämlich, dass das Wasser auf dem Kometen nichts zu tun hat mit dem Wasser auf der Erde.“ Für Altobelli: „Die Bilder, die ,Rosetta' von ,Tschuri' schon im Juli 2014 geliefert hat, waren für mich eine absolute Neuigkeit. Wir haben den Kometenkern und die Umrisse erkannt, der Vergleich mit einer Ente war da.“

Wichtige Stationen der „Rosetta“-Mission 

1985: Die Europäische Raumfahrtagentur Esa beschließt im Programm „Horizont 2000“ die Erkundung eines Kometen.

Dezember 2002: Probleme mit „Ariane 5“-Raketen, die „Rosetta“ ins All bringen sollen, verhindern den für Januar 2003 geplanten Start zum ursprünglichen Zielkometen „Wirtanen“

2. März 2004: Start mit einer „Ariane 5“ vom europäischen Weltraumhafen Kourou

5. März 2005: Swing-by-Manöver an der Erde vorbei. Die Sonde nutzt die Schwerkraft der Erde, um Flugbahn und Geschwindigkeit zu ändern

25. Februar 2007: Swing-by Mars

12. November 2007: Swing-by Erde

5. September 2008: Swing-by Asteroid „Steins“

13. November 2009: Swing-by Erde

10. Juli 2010: Swing-by Asteroid „Lutetia“

20. Januar 2014: „Rosetta“ wird nach 957-tägigem Tiefschlaf geweckt

28. März 2014: Systeme des Landers „Philae“ fahren hoch

6. August 2014: Erreichen der Umlaufbahn um den Kometen „Tschuri“

12. November 2014: „Philae“ landet - nach zehn Jahren, acht Monaten und zehn Tagen

August 2015: Der Komet erreicht den sonnennächsten Punkt seiner Bahn

September 2016: Rosetta soll auf Tschuri aufsetzen

Ähnlich sieht es auch der Projektleiter für den Lander, Stephan Ulamec vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), der die Kamerasysteme hervorhebt: „Haupterkenntnisse mit ,Philae' waren auch die hochaufgelösten Bilder die mit ,Rolis' und ,Civa' gewonnen wurden und erstmals zeigen, wie eine Kometenoberfläche aus der unmittelbaren Nähe aussieht.“ Dass „Rosetta“ zum zweiten Mal eine Energie-Pause machen könnte, um dann wieder durchzustarten, hat die Esa nicht im Plan. „Dieser Winterschlaf dürfte fast vier Jahre dauern“, meinte Ferri. Ein entscheidender Punkt: Viel mehr Arbeit noch erledigen könnte die Raumsonde dann nicht mehr, denn „Rosetta“ hat Treibstoff für vielleicht nur noch sechs Monate an Bord. „Das Risiko lohnt sich nicht.“

Komet „Tschuri“: ein uralter Bote aus der Vergangenheit 

Kometen sind mehrere Milliarden Jahre alt und stammen aus der Anfangszeit unseres Sonnensystems. Sie bestehen aus einer Mischung von Eis, Staub und Gestein und werden daher auch als schmutzige Schneebälle bezeichnet.

Bei der „Rosetta“-Mission nehmen Experten den Kometen „67P/Tschurjumow-Gerassimenko“ genau unter die Lupe. Vieles ist inzwischen schon bekannt: so etwa, dass es auf dem Brocken im All dunkel wie im Kohlenkeller und kalt ist. Außerdem müffelt es dort - unter anderem nach faulen Eiern wegen des Kohlenwasserstoffs.

Der Komet mit dem Spitznamen „Tschuri“, der einem Quietscheentchen ähnelt, wurde 1969 entdeckt. Anfang August 2014 kam die europäische Raumsonde „Rosetta“ nach zehn Jahren Flugzeit am Kometen an, im November setzte sie das Mini-Labor „Philae“ ab.

„Tschuri“ braucht fast sieben Jahre, um einmal die Sonne zu umrunden. Dabei nähert er sich unserem Heimatstern bis auf 195 Millionen Kilometer. Zum Vergleich: Erde und Sonne trennen etwa 150 Millionen Kilometer. Im August soll der Komet der Sonne am nächsten sein.

Auch auf dem Twitteraccount der Esa sind viele Bilder zu sehen:

 

Die Landung lässt auch andere Nutzer nicht kalt. Unter dem Hashtag #rosetta twittern sie zum Abschied der Raumsonde - bisweilen sehr emotional:

 
zur Startseite

von
erstellt am 30.Sep.2016 | 13:57 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen