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Wissenschaft

07. Dezember 2016 | 17:28 Uhr

Entdecker durch glückliche Zufälle : Physik-Nobelpreis: Jury-Mitglied erklärt die Erkenntnisse der Preisträger

vom
Aus der Onlineredaktion

Können die Erkenntnisse von praktischem Nutzen sein? Jurymitglied Mats Larsson antwortet im Interview.

Stockholm | Die Physik-Nobelpreisträger 2016 haben sich mit so komplizierten Dingen beschäftigt, dass es selbst manchem Nobeljuror schwerfällt, ihre Entdeckungen anschaulich zu beschreiben. David Thouless, Duncan Haldane und Michael Kosterlitz haben exotische Materiezustände erforscht. Jurymitglied Mats Larsson erklärt im Interview der Deutschen Presse-Agentur in Stockholm, was es mit dem Fachgebiet auf sich hat. Außerdem verrät er, wieso sich Physiker manchmal als „Serendipitors“ bezeichnen.

Die drei Nobelpreisträger haben sich mit Topologie beschäftigt. Was ist das überhaupt?

Die Topologie beschäftigt sich mit Form, nicht mit Größe. Wenn du zum Beispiel einen Donut nimmst, hat er dieselbe Topologie wie ein Rettungsring - ein Loch. Du hast also eine unendliche Zahl von Dingen, die jede Größe haben können - aber das, was sie gemeinsam haben, ist ihre Topologie.

Das ist eine theoretische Disziplin. Können die Erkenntnisse der Preisträger irgendwann von praktischem Nutzen sein?

Was zunächst passierte, war, dass man diese rein theoretische Untersuchung hatte, die zu theoretischen Entdeckungen geführt hat - und die wiederum haben die Arbeit an Dreidimensionalem angekurbelt. Dann hat man festgestellt, dass (...) das auch etwas war, was man im Labor realisieren konnte. Das hat zu einer Explosion von Untersuchungen im Labor geführt. (...) Was wir gerade sehen, spielt sich vor allem an Universitäten ab. Der nächste Schritt wird sein, zu sehen, wohin das in Bezug auf praktische Anwendungen führt. Das könnte eine Zeit dauern. Es ist schwer zu sagen, wie lange.

Könnten auf die Forschung zurückgehende Materialien in Quantencomputern genutzt werden?

Es gibt viele verschiedene Ansätze bei dem Versuch, einen Quantencomputer zu bauen. (...) Natürlich denken die Leute, die mit diesen topologischen Konzepten arbeiten, auch darüber nach: Ist es möglich, Topologie in Strategien für den Bau von Quantencomputern zu nutzen? Aber ich denke, das ist nur eine der möglichen Implikationen.

Duncan Haldane hat gesagt, er sei eher zufällig über seine Entdeckungen gestolpert. Ist das oft so?

Ich denke, in diesem Fall war es so. (...) Ich weiß nicht, wie oft das so ist. Aber in der Physik ist es ziemlich normal. Manchmal benutzen wir das Wort „Serendipitors“ (etwa: Entdecker durch glückliche Zufälle). Das ist schwierig zu übersetzen. Aber es hat wahrscheinlich auch etwas mit Intuition zu tun. Man braucht eine gewisse Intuition.

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erstellt am 04.Okt.2016 | 15:03 Uhr

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