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Wissenschaft

10. Dezember 2016 | 00:20 Uhr

Sonde „Schiaparelli“ : „Nicht wie wir erwartet haben“ - Marslandung nur teilweise geglückt

vom
Aus der Onlineredaktion

Europas und Russlands Testmodul „Schiaparelli“ sendet keine Daten mehr. Ist sie bei der Landung zerschellt?

Darmstadt/Moskau | Die mit Spannung erwartete Landung einer europäisch-russischen Sonde auf dem Mars ist nur in Teilen geglückt. „Der Lander hat sich nicht verhalten, wie wir erwartet haben“, sagte Andrea Accomazzo von der Europäischen Raumfahrtagentur Esa am Donnerstag in Darmstadt. In den letzten 50 Sekunden vor dem geplanten Aufsetzen auf der Oberfläche habe das Testmodul „Schiaparelli“ keine Signale mehr gesendet, sagte er. Dennoch habe „Schiaparelli“ Daten gesammelt. „Das ist das Wichtigste“, betonte Accomazzo.

Die Esa-Experten konnten nicht sagen, ob die Sonde auf dem Mars zerschellt oder unbeschädigt ist. Aber Esa-Chef Jan Wörner meinte: „Wir haben die Daten, wir haben Testergebnisse - ich bin sehr froh.“

Mit dem Projekt ExoMars suchen die Esa und ihr russischer Partner Roskosmos nach Spuren von Leben auf dem rötlich schimmernden Wüstenplaneten. „Schiaparelli“ und der Satellit „Trace Gas Orbiter“ (TGO) waren vor sieben Monaten als erster Teil des ExoMars-Projekts vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan gestartet.

„Schiaparelli“ sollte am Mittwochabend in einem automatisch gesteuerten Manöver die Oberfläche erreichen. Weil die Übertragung von Daten vom Mars zur Erde knapp zehn Minuten dauert, hatten die Experten im Kontrollzentrum keine Handhabe beim Ablauf der Landung.

<p>Die Simulation der Esa zeigt, was die Kamera des „Schiaparelli“-Moduls vor der Landung auf der Oberfläche des Mars aus einer Höhe von etwa drei Kilometer aufnehmen könnte.</p>

Die Simulation der Esa zeigt, was die Kamera des „Schiaparelli“-Moduls vor der Landung auf der Oberfläche des Mars aus einer Höhe von etwa drei Kilometer aufnehmen könnte.

Foto: dpa

Nach der programmierten Ankunftszeit gab es stundenlang keine Daten von der Sonde. Später trafen über den Esa-Satelliten Mars Express Signale ein, die die Wissenschaftler in einer Nachtschicht mühsam auswerten mussten. Accomazzo erklärte, es könne sein, dass der Lander zu schnell war, als er sich der Marsoberfläche näherte. Er gab sich aber zuversichtlich, dass die Teams herausfinden werden, wo und in welchem Zustand „Schiaparelli“ den Roten Planeten erreicht hat.

Übrigens: Schon in der Rennaissance hat der Mars die Menschen beschäftigt. Woher kommt diese Faszination? Eine Übersicht gibt es hier.

Das waren die wichtigsten Marsmissionen seit 1965:

14. Juli 1965: „Mariner 4“

Der am 28. November 1964 gestarteten US-Sonde gelingen die ersten Nahaufnahmen des roten Planeten. 21 Fotos werden zur Erde geschickt.

5. August 1969: „Mariner 7“

Am 25. Februar 1969 bricht eine weitere Mariner-Sonde der NASA in Richtung Mars auf. 126 Aufnahmen werden zur Erde geschickt. Darunter erste Bilder vom Marsmond Phobos.

14. November 1971: „Mariner 9“

Mit Mariner 9 schwenkt erstmals eine Sonde in einen Marsorbit ein. Ihr gelingt es, die Marsoberfläche zu kartieren. Bis zu ihrer Abschaltung am 27. Oktober 1972 liefert die Sonde 7329 Bilder.

12. Februar 1974: „Mars 5“

Als erste und einzige der sowjetischen Mars-Raumsonden kann die am 25. Juli 1973 gestartete Sonde Mars 5 in eine Mars-Umlaufbahn einschwenken. Es bleibt allerdings bei einem kleinen Erfolg – bereits am 25. Februar 1974 fällt der Orbiter aus. Die Sonde übermittelt ca. 60 Bilder an die Erde.

20. Juli 1976: „Viking 1“

Mit der US-Raumsonde gelingt es erstmals, Daten direkt von der Marsoberfläche zu gewinnen. Während die Muttersonde als Orbiter in einer Mars-Umlaufbahn bleibt, kann die Tochtersonde erfolgreich auf dem roten Planeten landen. Der Orbiter liefert bis zu seiner Abschaltung etwa 37.000 Aufnahmen, der Lander neben anderen Daten rund 2300 Fotos von der Landestelle.

Das erste Farbfoto der Marsoberfläche, aufgenommen von der US-Sonde „Viking 1“.

Das erste Farbfoto der Marsoberfläche, aufgenommen von der US-Sonde „Viking 1“.

Foto:dpa
4. Juli 1997: „Mars Pathfinder“

Mit dem von der NASA eingesetzten Lander Mars Pathfinder erreicht 1997 der erste Mars Rover die Marsoberfläche. Mit Hilfe des Sojourner getauften Roboterfahrzeuges werden mehr als 15 Bodenanalysen zur Erde gesendet. Die Landeeinheit sendet rund 16.500 Bilder von der Marsoberfläche.

24. Oktober 2001: „2001 Mars Odyssey“

Die US-Raumsonde umkreist den roten Planeten seit 2001 und ist bis heute nicht stillgelegt. Den Höhepunkt der Mission markiert der Nachweis großer Mengen gefrorenen Wassers im Oktober 2002.

25. Dezember 2003: „Mars Express“

Die erste europäische Marssonde schwenkt in eine Umlaufbahn um den Mars ein. Zur dazugehörigen Landeeinheit Beagle 2 kann kein Funkkontakt hergestellt werden, der Orbiter ist bis heute in Betrieb. Das Wassereisvorkommen auf dem Mars wird durch die ESA-Sonde bestätigt.

25. Januar 2004: „MER-B Opportunity“

Ziel des Mars Rovers Opportunity ist die geologische Erforschung des Mars. Das Marsfahrzeug liefert unter anderem Hinweise auf ehemals fließendes sowie offen stehendes Wasser auf der Marsoberfläche, wie die NASA im März 2004 vermeldet. Der Mars Rover ist bis heute in Betrieb.

25. Mai 2008: „Phoenix“

Mit der US-Sonde Phoenix wird erstmals ein Lander nahe des nördlichen Pols platziert. In der fünf Monate andauernden Operation wird der Marsboden durch die Sonde erstmal im Detail untersucht. Das Vorkommen von Wassereis unter der Oberfläche wird definitiv bestätigt.

6. August 2012: „Curiosity“

Am 26. November 2011 startet die bisher teuerste Marsmission. Ziel des weitgehend autonomen Mars Rovers Curiosity ist es, Hinweise auf früheres Leben auf dem Mars zu finden. Dafür werden neben dem Marsboden auch Atmosphäre und Strahlung ausgewertet.

Der Mars-Rover „Curiosity“ der NASA. Foto:Mars Rover Celebrates / Handout
19. Oktober 2016: „ExoMars“

In der europäisch-russischen Mission sollen weitere Erkenntnisse über mögliches vergangenes oder bestehendes Leben auf dem Mars gewonnen werden. Während der so genannte Trace Gas Orbiter in der Umlaufbahn des roten Planeten verbleibt, ist der Lander Schiaparelli auf dem Weg zur Marsoberfläche, wo er am 19. Oktober landen soll.

Simulation der Raumsonde ExoMars. Foto:Esa/D. Ducros
 
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erstellt am 20.Okt.2016 | 12:12 Uhr

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