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Wissenschaft

08. Dezember 2016 | 17:06 Uhr

Europäisch-russische Mission ExoMars : Marsmissionen und Kolonieträume – der Mars als Sehnsuchtsort

vom

Am Mittwoch soll die Sonde Schiaparelli auf dem Roten Planeten landen. Schon in der Rennaissance hat der Mars fasziniert.

Dünne Atmosphäre, kein Schutz vor kosmischer Strahlung, kaum Sauerstoff, gewaltige Stürme und eine Durchschnittstemperatur von -53° C – diese Daten lesen sich nicht nur ungemütlich, der Mars bleibt für den Menschen ein ganz und gar unwirtlicher Planet. Dennoch zieht er nicht nur Weltraumforscher in seinen Bann. Seit Jahrhunderten befeuert der Rote Planet die Sehnsüchte der Menschen.

Am Mittwochnachmittag soll die Raumsonde Schiaparelli der europäisch-russischen Mission ExoMars auf dem Mars landen. Die ESA will gemeinsam mit ihrem russischen Partner Roskosmos die Suche nach Spuren von Leben auf dem Roten Planeten vorantreiben.

Forscher gehen heute davon aus, dass die Konditionen auf unserem Nachbarplaneten einst günstiger waren. „Der Mars hat Zeiten erlebt, in denen das Entstehen von Leben möglich gewesen sein könnte. So findet man dort noch heute Wasser. Die Frage, ob es Leben gab oder gibt, ist daher von großem Interesse“, sagte Jan Wörner, Chef der Europäischen Weltraumorganisation ESA vor kurzem. Die Frage nach möglichem Leben auf dem Mars beflügelt nicht nur immer neue, technisch aufwändige und teure Missionen ins All, sondern auch die Phantasie von Dichtern , Philosophen und Sience-Fiction-Autoren.

Die Idee vom „Marsmenschen“ ist keine neue. Durch seine Nähe zur Erde ist der rote Planet unter günstigen Umständen mit dem bloßen Auge zu erkennen. So konnte der Mars bereits in den 1500er Jahren durch den dänischen Astronomen Tycho Brahe am Sternenhimmel verortet werden. 1600 postulierte der italienische Wissenschaftler Giordano Bruno die Unendlichkeit des Weltraums und folglich die Möglichkeit intelligenten Lebens in anderen Welten. Prompt fiel er der Inquisition zum Opfer.

1877 beschrieb der italienische Astronom Giovanni Schiaparelli Furchen, die er auf der Oberfläche des Planeten erkannt haben will. Ein Übersetzungsfehler löste einige Jahre später einen regelrechten Hype um mögliche Marsbewohner aus. Aus dem italienischen „canali“, welches Schiaparelli zur Beschreibung seiner Entdeckungen nutzte, wurde im Englischen „canals“, also künstlich angelegte Kanäle, womit der Nachweis für intelligentes Leben auf dem Mars erbracht schien.

Allen voran der US-amerikanische Hobby-Astronom Percival Lowell gab sich der Kanaltheorie hin. In mehreren Veröffentlichungen zeichnete er das Bild durch Marsianer angelegter Kanäle weiter und traf damit auf die offenen Ohren sensationsorientierter Massenmedien. Viele Jahre später stellte sich heraus, dass es sich bei den „canali“ um optische Täuschungen gehandelt hat.

Erst mit den ersten Marsmissionen wurde klar, dass es sich beim intelligenten Marsmenschen wohl doch nur um ein Phantasieprodukt gehandelt hat. Doch der Mensch wäre nicht Mensch, würde er nicht groß träumen: Die niederländische Stiftung „Mars One“ will 2027 bis zu 40 Siedler auf den roten Planeten schicken, um dort eine permanente, nachhaltige Kolonie zu errichten – ohne Rückkehroption für künftige Marsianer. Das Vorhaben soll als Reality-TV-Sendung weltweit übertragen werden. Namhafte Wissenschaftler haben erhebliche Zweifel am Gelingen des Projektes.

 Eine SpaceX-Raumschiff auf dem Weg zum Mars (Illustration).
Eine SpaceX-Raumschiff auf dem Weg zum Mars (Illustration). Foto: Illustration: SpaceX/dpa

Auch das private Raumfahrtunternehmen SpaceX hat sich zum Ziel gesetzt, eine Kolonie auf dem Planeten zu besiedeln. SpaceX-Chef Elon Musk verfolgt den ambitionierten Plan, den Mars zu einem alternativen Lebensraum für die Menschheit umzufunktionieren. Zunächst will SpaceX ein unbemanntes Raumschiff zum Mars schicken. Ab 2025 sollen dann die ersten Menschen zum roten Planeten reisen.

Seit den 1960er Jahren versuchen Weltraumorganisationen, den Erdnachbarn mit Raumsonden zu erforschen. Von mehr als als 40 Versuchen, sich dem Mars zu nähern oder gar eine Sonde darauf zu landen, scheiterten über die Hälfte.

Die wichtigsten erfolgreichen Marsmissionen im Überblick:

14. Juli 1965: „Mariner 4“

Der am 28. November 1964 gestarteten US-Sonde gelingen die ersten Nahaufnahmen des roten Planeten. 21 Fotos werden zur Erde geschickt.

5. August 1969: „Mariner 7“

Am 25. Februar 1969 bricht eine weitere Mariner-Sonde der NASA in Richtung Mars auf. 126 Aufnahmen werden zur Erde geschickt. Darunter erste Bilder vom Marsmond Phobos.

14. November 1971: „Mariner 9“

Mit Mariner 9 schwenkt erstmals eine Sonde in einen Marsorbit ein. Ihr gelingt es, die Marsoberfläche zu kartieren. Bis zu ihrer Abschaltung am 27. Oktober 1972 liefert die Sonde 7329 Bilder.

12. Februar 1974: „Mars 5“

Als erste und einzige der sowjetischen Mars-Raumsonden kann die am 25. Juli 1973 gestartete Sonde Mars 5 in eine Mars-Umlaufbahn einschwenken. Es bleibt allerdings bei einem kleinen Erfolg – bereits am 25. Februar 1974 fällt der Orbiter aus. Die Sonde übermittelt ca. 60 Bilder an die Erde.

20. Juli 1976: „Viking 1“

Mit der US-Raumsonde gelingt es erstmals, Daten direkt von der Marsoberfläche zu gewinnen. Während die Muttersonde als Orbiter in einer Mars-Umlaufbahn bleibt, kann die Tochtersonde erfolgreich auf dem roten Planeten landen. Der Orbiter liefert bis zu seiner Abschaltung etwa 37.000 Aufnahmen, der Lander neben anderen Daten rund 2300 Fotos von der Landestelle.

Das erste Farbfoto der Marsoberfläche, aufgenommen von der US-Sonde „Viking 1“.

Das erste Farbfoto der Marsoberfläche, aufgenommen von der US-Sonde „Viking 1“.

Foto:dpa
4. Juli 1997: „Mars Pathfinder“

Mit dem von der NASA eingesetzten Lander Mars Pathfinder erreicht 1997 der erste Mars Rover die Marsoberfläche. Mit Hilfe des Sojourner getauften Roboterfahrzeuges werden mehr als 15 Bodenanalysen zur Erde gesendet. Die Landeeinheit sendet rund 16.500 Bilder von der Marsoberfläche.

24. Oktober 2001: „2001 Mars Odyssey“

Die US-Raumsonde umkreist den roten Planeten seit 2001 und ist bis heute nicht stillgelegt. Den Höhepunkt der Mission markiert der Nachweis großer Mengen gefrorenen Wassers im Oktober 2002.

25. Dezember 2003: „Mars Express“

Die erste europäische Marssonde schwenkt in eine Umlaufbahn um den Mars ein. Zur dazugehörigen Landeeinheit Beagle 2 kann kein Funkkontakt hergestellt werden, der Orbiter ist bis heute in Betrieb. Das Wassereisvorkommen auf dem Mars wird durch die ESA-Sonde bestätigt.

25. Januar 2004: „MER-B Opportunity“

Ziel des Mars Rovers Opportunity ist die geologische Erforschung des Mars. Das Marsfahrzeug liefert unter anderem Hinweise auf ehemals fließendes sowie offen stehendes Wasser auf der Marsoberfläche, wie die NASA im März 2004 vermeldet. Der Mars Rover ist bis heute in Betrieb.

25. Mai 2008: „Phoenix“

Mit der US-Sonde Phoenix wird erstmals ein Lander nahe des nördlichen Pols platziert. In der fünf Monate andauernden Operation wird der Marsboden durch die Sonde erstmal im Detail untersucht. Das Vorkommen von Wassereis unter der Oberfläche wird definitiv bestätigt.

6. August 2012: „Curiosity“

Am 26. November 2011 startet die bisher teuerste Marsmission. Ziel des weitgehend autonomen Mars Rovers Curiosity ist es, Hinweise auf früheres Leben auf dem Mars zu finden. Dafür werden neben dem Marsboden auch Atmosphäre und Strahlung ausgewertet.

Der Mars-Rover „Curiosity“ der NASA. Foto:Mars Rover Celebrates / Handout
19. Oktober 2016: „ExoMars“

In der europäisch-russischen Mission sollen weitere Erkenntnisse über mögliches vergangenes oder bestehendes Leben auf dem Mars gewonnen werden. Während der so genannte Trace Gas Orbiter in der Umlaufbahn des roten Planeten verbleibt, ist der Lander Schiaparelli auf dem Weg zur Marsoberfläche, wo er am 19. Oktober landen soll.

Simulation der Raumsonde ExoMars. Foto:Esa/D. Ducros

Aktuell umkreisen 6 aktive Orbiter den Mars. Die beiden Rover Discovery und Opportunity arbeiten sich weiter mühsam von Krater zu Düne, um Bodendaten zur Erde zu übermitteln. Von dem europäisch-russischen Lander Schiaparelli, der am späten Mittwochnachmittag auf der Marsoberfläche aufsetzen soll, erhoffen sich die Raumfahrtagenturen ESA und Roskosmos neue Hinweise auf Leben auf dem Wüstenplaneten. In einer zweiten Phase soll 2020 ein zusätzlicher Rover auf den Mars geschickt werden.

Die Illustration zeigt das Schiaparelli-Modul nach der Landung auf der Oberfläche des Mars.
Die Illustration zeigt das Schiaparelli-Modul nach der Landung auf der Oberfläche des Mars. Foto: ESA ATG-medialab/dpa

Eine gelungene Marslandung wäre eine Premiere für die europäische Raumfahrt. Und auch ein ganz irdischer Aspekt steht im Mittelpunkt der Mission: Das Projekt gilt als wichtiges Signal dafür, dass eine erfolgreiche Kooperation auch in Zeiten politischer Spannungen zwischen Russland und dem Westen möglich ist.

 

Mit dpa

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erstellt am 18.Okt.2016 | 20:08 Uhr

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