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Wissenschaft

03. Dezember 2016 | 10:41 Uhr

Raumfahrtagentur : Esa-Livestream zur Marslandung: Raumfahrtbehörden warten auf Signale vom Mars

vom

Die Esa und ihr russischer Partner Roskosmos hoffen auf die erfolgreiche Landung - denn das Manöver gilt als heikel.

Moskau | Mit Spannung haben die Raumfahrtbehörden von Europa und Russland am Mittwochabend auf Signale vom Mars gewartet. Der Funkkontakt sollte darüber Auskunft geben, ob die Partneragenturen Esa und Roskomos erstmals eine gemeinsame Sonde auf dem Roten Planeten landen konnten. Die Flugleitzentrale hatte bereits zuvor mitgeteilt, dass eine präzise Vorhersage der Uhrzeiten für eine Lande-Bestätigung aus technischen Gründen nicht möglich sei.

Die Esa berichtet live:

 

Falls der Livestream bei Ihnen nicht angezeigt wird, folgen Sie bitte diesem Link.

Das Testlandemodul „Schiaparelli“ sollte gegen 16.45 Uhr MESZ mit einem Tempo von sechs Kilometer pro Sekunde in die Marsatmosphäre eintreten. Dies entspricht etwa der achtfachen Geschwindigkeit einer Gewehrkugel. Mit einem Fallschirm sollte die Sonde dann auf 250 Meter pro Sekunde abgebremst werden.

Nach einem kurzen Einsatz ihrer Triebwerke sollte die 600 Kilogramm schwere Raumsonde dann im freien Fall die Oberfläche erreichen. Eine „verformbare Struktur, die der Knautschzone eines Autos ähnelt“ fängt dann die Wucht des Aufpralls auf, lautete der Plan der Esa.

„Schiaparelli“ und der Satellit „Trace Gas Orbiters“ (TGO) waren vor sieben Monaten vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan gestartet. Sie gehören zum ExoMars-Programm, mit dem Europa und Russland gemeinsam nach Hinweisen auf Leben auf dem Wüstenplaneten suchen.

TGO soll unter anderem nach Methan in der Atmosphäre suchen. Spuren des Gases könnten ein Hinweis auf biologische Aktivität sein. Bis TGO voraussichtlich Ende 2017 seine Zielumlaufbahn auf rund 400 Kilometern Höhe über dem Marsboden erreicht, sind jedoch noch mehrere Bremsmanöver und Kursänderungen geplant. Die russische Akademie der Wissenschaften teilte mit, TGO sei für einen für diesen Mittwoch geplanten Bremsvorgang bereit. Esa-Chef Jan Wörner und der deutsche Astronaut Alexander Gerst sollen den Ablauf der ExoMars-Manöver im Esa-Kontrollzentrum kommentieren.

Die Sonde „Schiaparelli“, benannt nach dem italienischen Astronomen Giovanni Schiaparelli (1835-1910), hat eine geplante Einsatzzeit von wenigen Tagen, bevor die Energiereserven ausgehen. Die Erkenntnisse von der Landung auf der Oberfläche sollen Esa und Roskosmos helfen, den zweiten Teil von ExoMars vorzubereiten. Für 2020 ist der Start eines Rovers zum Roten Planeten geplant. Dieser soll mit einem zwei Meter langen Bohrer in die Tiefen des Marsgesteins eindringen, um nach Hinweisen auf organisches Leben zu suchen.

Esa und Roskosmos sehen in dem Milliardenprojekt ein Beispiel für eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen dem Westen und Russland trotz politischer Krisen und Konflikte. Von ExoMars erhoffen sich die Forscher der beiden Raumfahrtorganisationen auch Impulse für neue Gemeinschaftsprojekte wie etwa bei der Erforschung des Mondes.

Übrigens: Schon in der Rennaissance hat der Mars die Menschen beschäftigt. Woher kommt diese Faszination? Eine Übersicht gibt es hier.

Das waren die wichtigsten Marsmissionen seit 1965:

14. Juli 1965: „Mariner 4“

Der am 28. November 1964 gestarteten US-Sonde gelingen die ersten Nahaufnahmen des roten Planeten. 21 Fotos werden zur Erde geschickt.

5. August 1969: „Mariner 7“

Am 25. Februar 1969 bricht eine weitere Mariner-Sonde der NASA in Richtung Mars auf. 126 Aufnahmen werden zur Erde geschickt. Darunter erste Bilder vom Marsmond Phobos.

14. November 1971: „Mariner 9“

Mit Mariner 9 schwenkt erstmals eine Sonde in einen Marsorbit ein. Ihr gelingt es, die Marsoberfläche zu kartieren. Bis zu ihrer Abschaltung am 27. Oktober 1972 liefert die Sonde 7329 Bilder.

12. Februar 1974: „Mars 5“

Als erste und einzige der sowjetischen Mars-Raumsonden kann die am 25. Juli 1973 gestartete Sonde Mars 5 in eine Mars-Umlaufbahn einschwenken. Es bleibt allerdings bei einem kleinen Erfolg – bereits am 25. Februar 1974 fällt der Orbiter aus. Die Sonde übermittelt ca. 60 Bilder an die Erde.

20. Juli 1976: „Viking 1“

Mit der US-Raumsonde gelingt es erstmals, Daten direkt von der Marsoberfläche zu gewinnen. Während die Muttersonde als Orbiter in einer Mars-Umlaufbahn bleibt, kann die Tochtersonde erfolgreich auf dem roten Planeten landen. Der Orbiter liefert bis zu seiner Abschaltung etwa 37.000 Aufnahmen, der Lander neben anderen Daten rund 2300 Fotos von der Landestelle.

Das erste Farbfoto der Marsoberfläche, aufgenommen von der US-Sonde „Viking 1“.

Das erste Farbfoto der Marsoberfläche, aufgenommen von der US-Sonde „Viking 1“.

Foto:dpa
4. Juli 1997: „Mars Pathfinder“

Mit dem von der NASA eingesetzten Lander Mars Pathfinder erreicht 1997 der erste Mars Rover die Marsoberfläche. Mit Hilfe des Sojourner getauften Roboterfahrzeuges werden mehr als 15 Bodenanalysen zur Erde gesendet. Die Landeeinheit sendet rund 16.500 Bilder von der Marsoberfläche.

24. Oktober 2001: „2001 Mars Odyssey“

Die US-Raumsonde umkreist den roten Planeten seit 2001 und ist bis heute nicht stillgelegt. Den Höhepunkt der Mission markiert der Nachweis großer Mengen gefrorenen Wassers im Oktober 2002.

25. Dezember 2003: „Mars Express“

Die erste europäische Marssonde schwenkt in eine Umlaufbahn um den Mars ein. Zur dazugehörigen Landeeinheit Beagle 2 kann kein Funkkontakt hergestellt werden, der Orbiter ist bis heute in Betrieb. Das Wassereisvorkommen auf dem Mars wird durch die ESA-Sonde bestätigt.

25. Januar 2004: „MER-B Opportunity“

Ziel des Mars Rovers Opportunity ist die geologische Erforschung des Mars. Das Marsfahrzeug liefert unter anderem Hinweise auf ehemals fließendes sowie offen stehendes Wasser auf der Marsoberfläche, wie die NASA im März 2004 vermeldet. Der Mars Rover ist bis heute in Betrieb.

25. Mai 2008: „Phoenix“

Mit der US-Sonde Phoenix wird erstmals ein Lander nahe des nördlichen Pols platziert. In der fünf Monate andauernden Operation wird der Marsboden durch die Sonde erstmal im Detail untersucht. Das Vorkommen von Wassereis unter der Oberfläche wird definitiv bestätigt.

6. August 2012: „Curiosity“

Am 26. November 2011 startet die bisher teuerste Marsmission. Ziel des weitgehend autonomen Mars Rovers Curiosity ist es, Hinweise auf früheres Leben auf dem Mars zu finden. Dafür werden neben dem Marsboden auch Atmosphäre und Strahlung ausgewertet.

Der Mars-Rover „Curiosity“ der NASA. Foto:Mars Rover Celebrates / Handout
19. Oktober 2016: „ExoMars“

In der europäisch-russischen Mission sollen weitere Erkenntnisse über mögliches vergangenes oder bestehendes Leben auf dem Mars gewonnen werden. Während der so genannte Trace Gas Orbiter in der Umlaufbahn des roten Planeten verbleibt, ist der Lander Schiaparelli auf dem Weg zur Marsoberfläche, wo er am 19. Oktober landen soll.

Simulation der Raumsonde ExoMars. Foto:Esa/D. Ducros
 
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erstellt am 19.Okt.2016 | 18:34 Uhr

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