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Wirtschaft

11. Dezember 2016 | 03:19 Uhr

„Projekt Zeigersprung“ : Zugtüren schließen früher - weil die Bahn pünktlicher werden will

vom

„Bitte zurücktreten, die Türen schließen.“ Diesen Satz hören Bahnkunden jetzt 20 Sekunden früher.

Die Deutsche Bahn will pünktlicher werden. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt das Unternehmen jetzt bei der Abfahrt an: Seit dem 17. Oktober wird die Abfahrt der ICE und Intercity-Züge an allen Bahnhöfen etwas früher eingeleitet: Die Bandansage startet nun 45 Sekunden vor dem Losfahren. Die Türen schließen bereits 30 Sekunden, bevor der Zug sich in Bewegung setzt. So kann er auf die Sekunde genau den Bahnhof verlassen. Früher waren es nur 10 Sekunden. Einen schönen Namen hat sich die Bahn laut der „Süddeutschen Zeitung“ auch ausgedacht: „Projekt Zeigersprung“. Über die Pläne sprach Bahn-Vorstandschef Rüdiger Grube mit der „Frankfurter Allgemeinen Woche“.

Für Pendler und Bahnreisende, die zuvor in einem verspäteten Zug saßen, können 30 Sekunden lang werden. Wer künftig in letzter Minute auf den Bahnsteig hetzt, könnte dort zwar noch einen Zug stehen sehen, aber nicht mehr hinein kommen.

„Bis auf wenige Ausnahmen“ habe sich das neue Abfertigungsverfahren als unproblematisch erwiesen, sagte ein Bahnsprecher.

Bahn-Vorstandschef Rüdiger Grube räumte ein, dass das für die Fahrgäste eine Umstellung sei. „Da müssen wir die Kunden mitnehmen, das müssen wir gut erklären, aber wir sind stolz darauf, dass wir da deutlich besser sind als in der Vergangenheit.“ Unabhängig von dem neuen Abfertigungsverfahren läuft im Frankfurter Hauptbahnhof derzeit ein Pilotprojekt, das die Abfahrten pünktlicher machen soll. Sobald der Fahrdienstleiter dort die Fahrstrecke für einen Zug vor der Abfahrt freigegeben hat, leuchtet am Signalmast ein weißes Dreieck auf - als Zeichen für Lokführer und Zugchef, dass sie mit den Vorbereitungen für die Zugabfertigung beginnen können.

Möglich, aber noch nicht entschieden sei, auch diese Neuerung bald bundesweit im Fernverkehr einzuführen, sagte der Bahnsprecher.

Die Deutsche Bahn erwartet in diesem Jahr im Personenfernverkehr eine Pünktlichkeitsquote von knapp 80 Prozent. „79 komma irgendetwas werden wir schaffen“, sagte Grube.

Im vorigen Jahr lag die Quote bei 74,4 Prozent. Erklärtes Ziel für dieses Jahr waren mindestens 80 Prozent, bis 2019 sollen es 85 Prozent sein. Der geringere Anteil verspäteter Züge sei unter anderem auf ein besseres Baustellen-Management zurückzuführen.

Vor allem im ersten Halbjahr seien die Ziele verfehlt worden, auch wegen der vielen Baustellen, die sich im Sommer auf bis zu 850 am Tag addiert hätten, sagte Grube. Acht Baustellen seien als besonders kritisch für die Pünktlichkeit identifiziert worden. „Da haben wir den Mut gehabt, die einfach für wenige Tage einzustellen, und von heute auf morgen wurde es schlagartig besser.“

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erstellt am 04.Nov.2016 | 10:28 Uhr

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