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Wirtschaft

08. Dezember 2016 | 15:28 Uhr

Kaufvertrag für Kaiser's Tengelmann : Worauf sich Edeka und Rewe geeinigt haben

vom

Die gut 15.000 Jobs bei der angeschlagenen Supermarktkette Kaiser's Tengelmann sind so gut wie gerettet.

Köln | Die Handelsriesen Edeka und Rewe haben sich über die Zukunft der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann geeinigt. Der Vertrag werde nun noch dem Bundeswirtschaftsministerium zur Prüfung vorgelegt, teilte Rewe am Freitag in Köln mit. Kernpunkt ist die Weitergabe von 60 Kaiser's-Filialen in Berlin an Rewe. Die genauen Standorte und der Preis waren zwischen den Konzernen bereits grundsätzlich ausgehandelt worden. Nun liegt ein unterschriftsreifer Vertrag vor, der in den kommenden Tagen besiegelt werden soll.

Zwei Jahre lang haben Edeka und Rewe um die Übernahme der angeschlagenen Warenhauskette Kaiser’s Tengelmann gerungen. Nach langem Hin und Her und einer Schlichtung durch Altkanzler Gerhard Schröder wurde sich über eine Aufteilung der Filialen verständigt.

Rewe betonte, auch die notwendigen Tarifverträge mit den Gewerkschaften Verdi und NGG seien bereits abgeschlossen. Zudem sei die Übernahme der vereinbarten Kaiser's-Tengelmann-Filialen beim Bundeskartellamt angemeldet worden.

Auf diese Eckpunkte haben sich Edeka und Rewe geeinigt:

  • Edeka reicht mit 62 Filialen gut die Hälfte von Kaiser's Tengelmann in Berlin an Rewe weiter. Den Kaufpreis nennen die Konzerne nicht. Der Bruttoumsatz dieser Geschäfte beträgt Medienberichten zufolge rund 300 Millionen Euro.
  • Zudem überträgt Marktführer Edeka je zwei Tengelmann-Geschäfte in Nordrhein-Westfalen und Bayern an den Kölner Konkurrenten.
  • Rewe übernimmt darüber hinaus die Tengelmann-Fleischwerke im brandenburgischen Perwenitz sowie Lager und Verwaltung in Berlin.
  • Sobald die Vereinbarung unterschrieben ist, zieht der Kölner Handelsriese seine Klage gegen die Erlaubnis von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) für die Übernahme von Kaiser's Tengelmann durch Edeka zurück. Für alle 15.000 Mitarbeiter sind mehrjährige Standort- und Beschäftigungsgarantien vorgeschrieben.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte Edeka die Komplettübernahme der gut 400 Geschäfte von Kaiser's Tengelmann per Sondererlaubnis genehmigt und damit ein Veto des Kartellamtes ausgehebelt. Doch wurde die Ausnahmegenehmigung im Juli vom Oberlandesgericht Düsseldorf auf Antrag von Rewe sowie der Wettbewerber Markant und Norma, die mittlerweile ihre Klage zurückgezogen haben, gestoppt.

Tengelmann, Edeka und Rewe hatten sich daraufhin in einem von Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) geleiteten Schlichtungsverfahren auf Eckpunkte eines Kompromisses geeinigt. Im Mittelpunkt stand die Aufteilung des Kaiser's-Tengelmann-Geschäfts in Berlin. Damit sollen Rewes Einwände vom Tisch, Marktführer Edeka würde durch die Tengelmann-Übernahme in Berlin zu stark. Doch erwies sich das Aushandeln der Details als zäher Prozess.

Mit der jetzt erzielten Einigung kann der seit zwei Jahren schwelende Konflikt um die Übernahme von Kaiser's Tengelmann durch Edeka zu Ende gehen. Rewe will seine Klage zurücknehmen, wenn der Vertrag unterschrieben ist.

Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub hatte vor zwei Jahren beschlossen, die verlustreiche Supermarktkette an Edeka zu verkaufen. Kaiser's Tengelmann beschäftigt heute in gut 400 Filialen in München und Oberbayern, im Großraum Berlin und im Rheinland noch etwa 15.000 Mitarbeiter. Der Vollzug der Ministererlaubnis würde ihnen - dank der Vorgaben von Gabriel - eine fünfjährige Arbeitsplatzgarantie bescheren.

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erstellt am 02.Dez.2016 | 11:43 Uhr

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