zur Navigation springen

Wirtschaft

04. Dezember 2016 | 04:53 Uhr

Energiewende : Windkraft: Bundesregierung will Ausbau in SH und Hamburg bremsen

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Bundesregierung will den Bau neuer Windparks beschränken. Grund seien Verzögerungen beim Ausbau der Stromnetze.

Berlin | Der Ausbau der Windkraft in Schleswig-Holstein und Hamburg wird in den kommenden Jahren spürbar gedrosselt. Das geht aus einem Verordnungsentwurf der Bundesnetzagentur hervor, aus dem die „Süddeutsche Zeitung“ zitiert. Demnach darf in Norddeutschland nur ein gutes Drittel der künftigen Windparks errichtet werden. Ebenfalls betroffen sind die Länder Bremen, Mecklenburg-Vorpommern sowie der Norden Niedersachsens. Bereits im Juni hatten Kanzlerin Angela Merkel und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel die bevorstehende Drosselung auf dem Energiegipfel in Berlin angekündigt.

Grund sei der schleppende Ausbau der Stromnetze. Durch ihn ließe sich der erzeugte Strom in vielen Stunden gar nicht nutzen, was „zu volkswirtschaftlich zu vermeidenden Mehrkosten“ führe, wie es in dem Entwurf heißt. Ziel der Beschränkung sei es, die Engpässe nicht noch weiter zu verschärfen. „Mit der Regelung verzahnen wir den Ausbau der Windenergie mit dem Netzausbau“, sagt auch Rainer Baake, zuständiger Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium. Nur „vorübergehend“ würden Ausbaumengen begrenzt, „bis die Netzengpässe beseitigt sind“. Ende 2020 soll die Regelung automatisch außer Kraft treten.

Solange dürfen jährlich höchstens Windräder mit einer Gesamtkapazität von 902 Megawatt in den so genannten „Netzausbaugebieten“ im Norden Deutschlands errichtet werden – von insgesamt 2.500 Megawatt. Schleswig-Holsteins Energieminister Robert Habeck (Grüne) kritisierte die Neuregelung. „Die Netzausbaugebiete sind falsche Antwort auf den fehlenden Netzausbau“, sagte er der Süddeutschen Zeitung. „Die Antwort muss heißen: Netze ausbauen.“

Möglich macht die Neu-Koordinierung die Reform des deutschen Ökostrom-Fördergesetztes EEG: Neue Ökostromanlagen werden ab nächstem Jahr nicht länger automatisch mit einer festen Vergütung gefördert, sondern vom Staat ausgeschrieben und an denjenigen Bewerber vergeben, der mit dem niedrigsten staatlichen Zuschuss auskommt. An der neuen Gesamtkapazität von 902 Megawatt ändern allerdings auch die Ausschreibungen nichts. Ausgenommen sind nur Mini-Anlagen bis 0,75 Megawatt Leistung. So sollen die Kosten der Energiewende für die Stromkunden sinken und die Zubauten neuer Anlagen besser mit dem stockenden Netzausbau koordiniert werden.

zur Startseite

von
erstellt am 11.Okt.2016 | 12:35 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen