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Wirtschaft

03. Dezember 2016 | 20:52 Uhr

Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung : Warum ausgerechnet Airbus und die Grünen-Stiftung kooperieren

vom
Aus der Onlineredaktion

Eine Broschüre sorgt für Kritik. Denn die wird gemeinsam von Airbus und der Heinrich-Böll-Stiftung herausgegeben.

Berlin | „Oben - Ihr Flugbegleiter“ heißt das Heft, das schon vor Beginn der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) am Mittwoch in Berlin für Aufsehen sorgte. Der Grund: Die Broschüre, über die unter anderem die taz berichtet hatte, ist eine Kooperation der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung und dem Unternehmen Airbus. Gemeinsam werben sie darin für klimafreundlicheres Fliegen. Am Mittwochvormittag stellten Airbus-Chef Tom Enders und der Vorsitzende der Stiftung, Ralf Fücks, das Heftchen vor.

Man wolle den Ausstoß des Klimagases CO2 bis zum Jahr 2050 um 75 Prozent verringern, so Enders. Das sei „extrem ambitioniert“, aber angesichts der erwarteten Verdopplung des Flugverkehrs in den nächsten 20 Jahren notwendig. „Wenn wir weiterhin die Lizenz zum Wachsen haben wollen, dann müssen wir uns gewaltig etwas einfallen lassen“, sagte der Topmanager des europäischen Flugzeugbauers.

Airbus führt seit zwei Jahren bei wiederholten Treffen einen Dialog mit der Heinrich-Böll-Stiftung und Vertretern der ihr nahestehenden Grünen. Stiftungsvorstand Ralf Fücks verlangte von der Politik strenge Vorgaben für den Schadstoffausstoß des Luftverkehrs. Nach dem Klimagipfel von Paris seien „globale Regeln nicht unrealistisch“, sagte Fücks. Enders stimmte zu: „Ich halte es für machbar, globale Standards hinzubekommen.“

Dennoch: Eine Kooperation ausgerechnet zwischen der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Airbus-Konzern lässt auch den Leser der vorgestellten Broschüre zunächst stutzig werden. Denn bei Airbus handelt es sich schließlich nicht nur um Europas größten Raum- und Luftfahrtkonzern, sondern auch um den zweitgrößten Rüstungskonzern. Gegen Rüstungsexporte setzt sich die Partei allerdings öffentlich ein, was auch beim Landesparteitag der Grünen im April in Schleswig-Holstein deutlich wurde.

Auf den hinteren Seiten der Broschüre finden sich jedoch Fotos mehrerer hochrangiger Grünen-Politiker wie den Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter und dem Parteivorsitzenden Cem Özdemir. Gemeinsam mit Angehörigen des Konzerns hatten sie im September über die „Dekarbonisierung des Luftverkehrs“ diskutiert, dabei sind die Bilder entstanden.

Trotzdem: Kritik gab es für diese Zusammenarbeit auch in den eigenen Reihen. So zitiert der Spiegel die sicherheitspolitische Sprecherin Sprecherin der Grünen-Fraktion, Agnieszka Brugger: „Mit dem ILA-Auftritt tut er der Stiftung keinen Gefalllen.“ Und weiter sagt sie: „Das Unternehmen braucht offenbar dringend gute PR. Dabei sollte die Parteistiftung keine Rolle spielen.“ Auch der Grünen-Politiker Sven-Christian Kindler äußert sich in dem Text auf Spiegel Online gegenüber der Kooperation kritisch: „Der Flugverkehr ist ein großer Klimakiller. Das muss sich dringend ändern. Um damit voranzukommen, kann man durchaus mit Branchenvertretern sprechen und Einladungen für Diskussionen annehmen. Ob ein gemeinsamer ILA-Auftritt und eine Broschüre mit Airbus aber die richtigen Mittel sind, ist fraglich.“

Kritik gab es auch von der Umweltschutzorganisation Robin Wood: „Das Klima schützt, wer weniger fliegt. Alles andere ist Quark“, schreibt sie in einem Blogeintrag.

Laut Wirtschaftswoche hat Fücks von der Heinrich-Böll-Stiftung die Kritik während der Vorstellung des Heftes allerdings zurückgewiesen. Dass Grüne Werbung für Airbus machen, sei „natürlich Quatsch“, zitiert ihn die Website. Man brauche den Dialog mit der Industrie, um das Fliegen umweltfreundlich zu machen.

(mit dpa)

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erstellt am 01.Jun.2016 | 15:49 Uhr

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