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Wirtschaft

08. Dezember 2016 | 17:15 Uhr

Diesel-Affäre bei Volkswagen : VW startet Rückruf für 15.000 Golf-Diesel

vom

Der geplante Start für zunächst 160.000 VW Passat scheitert am Kraftfahrtbundesamt. Volkswagen zieht jetzt den Golf vor.

Volkswagen hatte nach dem Bekanntwerden seiner Abgas-Affäre 2015 zugegeben, eine illegale Software eingesetzt zu haben. Das Programm drückt künstlich den Ausstoß von Stickoxiden im Testbetrieb, während die Autos auf der Straße deutlich mehr Schadstoffe freisetzen. Jetzt ist die Rückruf-Aktion betroffener Dieselfahrzeuge bei Volkswagen ins Stocken geraten.

Die deutsche Autoindustrie rutscht wegen alarmierend hoher Abgaswerte immer tiefer in eine Vertrauenskrise. Nicht nur VW, auch andere Fahrzeughersteller sollen Abgas- und Verbrauchswerte manipuliert haben. Abgas-Nachmessungen des Kraftfahrtbundesamtes infolge des Skandals hatten deutsche Autobauer zu einem „freiwilligen Rückruf“ von 630.000 Autos gezwungen. Zuletzt gab Mitsubishi zu, seit den 90er Jahren Verbrauchswerte zu schönen.

Die Rückruf-Aktion von Volkswagen im Überblick:

Betroffene Motoren

Laut VW ist der Dieselmotor mit der Bezeichnung EA 189 Kern des Problems. Er wurde bei etlichen Marken eingesetzt, erfüllt die EU-Abgasnorm Euro 5 und wird mit 1,2, 1,6 und 2,0 Litern Hubraum angeboten. Betroffen vom Stickoxid-Skandal sind die Baujahre 2009 bis 2014.

Die Rückruf-Aktion hatte für den Pick-up Amarok Ende Januar begonnen. Zum kleinen 1,2-Liter-Motor nannte Volkswagen in einem Kundenbrief einen Beginn der Werkstatt-Aktionen ab dem 30. Mai. Die mittelgroßen 1,6-Liter-Aggregate sollen ab dem 5. September in die Werkstätten, dabei soll neben einem Software-Update ein Bauteil eingesetzt werden. In den USA sind auch Autos mit dem von Audi gelieferten 3,0-Liter-TDI unterwegs, die eine nach US-Recht verbotene Motorsoftware enthalten.

Betroffene Modelle

Bei der Kernmarke VW-Pkw sind unter anderem der Golf der sechsten Generation, der Passat der siebten Generation und der Tiguan der ersten Generation betroffen. Die Software steckt auch in Modellen der Reihen A1, A3, A4 und A6 sowie Q3 und Q5 der Oberklasse-Tochter Audi. Dieselmotoren, die bei Skoda und Seat verwendet wurden, fallen ebenfalls unter den Abgas-Skandal. Bei den leichten VW-Nutzfahrzeugen sind ältere Ausgaben des Caddy und Amarok betroffen. Die in den USA unzulässige Software der 3-Liter-Diesel findet sich im VW Touareg und Porsche Cayenne sowie in den Audi-Modellen Q5, Q7, A6, A7 und A8.

Betroffene Marken

VW-Chef Matthias Müller gab im vergangenen Oktober an, dass weltweit rund 5 Millionen Autos der Hauptmarke VW-Pkw von der Affäre betroffen sind. Hinzu kommen etwa 2,1 Millionen Audis, 1,2 Millionen Skodas, 700.000 Seats sowie 1,8 Millionen leichte Nutzfahrzeuge.

Verzögerungen beim VW Passat

Ab dem 29. Februar sollte eigentlich der Rückruf der großen 2,0-Liter-Antriebe mit Varianten des Passat und Audi A4 anlaufen. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) verweigert VW für den Passat jedoch die Freigabe. Offizielle Begründungen hierfür gibt es keine. Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, sollen erhöhte Kraftstoff-Verbrauchswerte nach dem Update für die bisherige Sperre verantwortlich sein.

Mit rund 15.000 Golf-Modellen will VW von diesem Dienstag an den zögerlichen Diesel-Rückruf wieder ankurbeln. Damit reagiert Volkswagen auf die wochenlangen Verzögerungen beim Passat.

Wie viele Autos wurden bereits umgerüstet?

2,5 Millionen Fahrzeuge müssen allein in Deutschland umgerüstet werden. Bisher sind erst einige tausend Diesel in den Werkstätten gewesen. Genaue Zahlen gibt es keine. Einem Sprecher der Konzerntochter VW-Nutzfahrzeuge sind knapp 6300 der 8500 Fahrzeuge umgerüstet worden. Anfang April erteilte das KBA für 90.000 Fahrzeuge von Audi und Seat die Genehmigung für den Rückruf. Für den A4 mit 2,0-Liter-Motor und Schaltgetriebe - ebenso wie für den A5 und Q5 mit gleichem Motor sowie für den Seat Exeo - kann es in die Werkstatt gehen. Bekannt ist nur: Der Rückruf kann eventuell nicht in diesem Jahr abgeschlossen werden.

Wie lange dauert eine Umrüstung?

Nach einer halben Stunde soll das Software-Update aufgespielt sein. Der Wagen ist dann umgerüstet. Bei 1,6-Liter-Motoren muss zusätzlich ein Bauteil eingesetzt werden. Hier dauert die Reparatur rund eine Stunde. Der Besuch der Werkstatt ist kostenlos. Eine Entschädigung gibt es für Kunden in Deutschland nicht.

Ist mein Auto betroffen?

Im Motorblock betroffener Fahrzeuge ist die Typennummer „EA189“ eingeschlagen. Auf der Webseite von Volkswagen kann man auch seine Fahrzeug-Identifizierungsnummer eingeben. Die FIN verrät, ob das eigene Fahrzeug betroffen ist.

 
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erstellt am 03.Mai.2016 | 11:35 Uhr

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