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Wirtschaft

03. Dezember 2016 | 20:42 Uhr

Bus, Bahn, Flugzeug : Verspätungen und Ausfälle: So bekommen Kunden Geld zurück

vom

Es ist Sommer - und damit Reisezeit. Welche Rechte haben Passagiere, die mit Bus, Bahn und Flugzeug unterwegs sind? Eine Übersicht.

Karlsruhe/Hamburg | Wann steht Fluggästen Geld für eine Verspätung zu? Um diese Frage geht es am Dienstag vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Geklagt hatten Fluggäste, die von Hamburg über Gran Canaria nach Fuerteventura flogen. Weil der erste Flieger 20 Minuten Verspätung hatte, verpassten sie ihren Anschluss mit einer anderen Gesellschaft und kamen 14 Stunden zu spät an. Umstritten ist, ob die erste Fluggesellschaft dafür verantwortlich gemacht werden kann, das Gericht soll die Frage klären.

Doch wie viel Entschädigung steht Reisenden grundsätzlich zu? Und wie ist das bei Bus und Bahn? Die Fahrgastrechte in der Übersicht.

Bei der Reise mit der Bahn

Wann Reisende Geld zurückbekommen, ist bei der Bahn sehr genau geregelt.
Wann Reisende Geld zurückbekommen, ist bei der Bahn sehr genau geregelt. Foto: sh:z-Archiv

Vorab: Bei der Bahn sind die Fahrgastrechte sehr genau festgelegt. In einem FAQ auf der Website der Deutschen Bahn finden Kunden eine Übersicht. Die wichtigsten Punkte daraus:

 

Bei der Reise mit dem Bus

Im Fernbusverkehr gelten andere Regeln als bei der Bahn.
Im Fernbusverkehr gelten andere Regeln als bei der Bahn. Foto: Boris Roessler
Wo sind die Fahrgastrechte für Fernbusreisende festgelegt?

Auch in diesem Fall gibt es eine EU-Verordnung vom 1. März 2013, die genau festlegt, welche Rechte Reisende EU-weit in Fernbussen haben. Entsprechend der Verordnung gelten die Rechte allerdings erst für Strecken von mindestens 250 Kilometern.

Können Reisende Ansprüche geltend machen, wenn sich der Bus verspätet?

Jein. Anders als bei der Deutschen Bahn haben sie bei Verspätungen unterwegs keinen Anspruch auf eine Erstattung des Fahrpreises, wie die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personennahverkehr (SÖP) erklärt. Geld zurück steht den Kunden nur zu, wenn sich die Abfahrtszeit um mindestens zwei Stunden verzögert - und auch das nur, wenn die Fahrt regulär länger als drei Stunden dauert.

Was ist, wenn es einen Stau gibt und ich deswegen viel zu spät ankomme?

Auch dann hat man keinen Anspruch auf Entschädigung. Die Regelung bezieht sich aus­schließlich auf eine verspätete Abfahrtszeit des Busses am Einstiegsort.

Welche Rechte haben Fernbusreisende, wenn sich eine Verspätung zum Fahrtantritt ankündigt?

Kunden haben ein Anrecht auf eine Fahrpreiserstattung oder Weiterreise mit geänderter Streckenführung, wenn der Bus gegenüber der erwarteten Abfahrtszeit absehbar mehr als 120 Minuten Ver­spätung hat, ganz ausfällt oder überbucht ist. Wird dem Fahrgast beides nicht angeboten, hat er laut SÖP einen zusätzlichen Entschädigungsanspruch in Höhe von 50 Prozent des Fahrpreises. Einzelheiten sind auf der Seite der SÖP nachzulesen.

 

Bei der Reise mit dem Flugzeug

Wenn es um Entschädigungszahlungen geht, müssen Passagiere oft hartnäckig bleiben. Foto: Christoph Schmidt, dpa

Im vergangenen Jahr hben 15,6 Millionen Fluggäste den Hamburger Airport genutzt und damit so viele wie noch nie.

 

Wann haben Passagiere ein Recht auf Erstattung?

Wenn ein Flug ausfällt oder sich um mehr als drei Stunden verspätet, steht Passagieren laut der EU-Fluggastrechte-Verordnung eine Entschädigung zu. Berechnet wird die Entschädigung nach der Länge der Strecke - vorausgesetzt, es liegen keine außergewöhnlichen Umstände vor.

Urlauber sollten deshalb immer gleich bei der Fluggesellschaft nach dem Grund für die Annullierung oder die Verspätung zu fragen: Ist zum Beispiel einfach die Dienstzeit der Crew überschritten, und der Flieger kann deshalb nicht zur vorgegebenen Zeit starten kann, ist das kein außergewöhnlicher Umstand. Auch bei technischen Defekten des Fliegers stehen die Chancen auf eine Entschädigung recht gut.

Wie viel Geld bekommt man bei welcher Strecke?

Im Einzelnen sind folgende Entschädigungen vorgesehen:

Strecken bis 1500 Kilometer 250 Euro pro Passagier
Strecken bis 3500 Kilometer 400 Euro pro Passagier
Strecken über 3500 Kilometer 600 Euro pro Passagier

Bei Flügen innerhalb der EU gibt es unabhängig von der Länge der Strecke nicht mehr als 400 Euro. Gleiches gilt, wenn der Flug annulliert wird oder das Flugzeug überbucht ist.

Was sollten Reisende beachten?

Neben dem bereits erwähnten Nachfragen nach dem Grund für die Verspätung sollten Reisende vor allem hartnäckig bleiben. Verbraucherzentralen und die SÖP helfen, die Rechte des Urlaubers außergerichtlich durchzusetzen. „Allerdings muss man der Airline etwa acht Wochen Zeit geben, selbst aktiv zu werden“, sagt Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg.

Außerdem wichtig: Die Ansprüche verjähren nach drei Jahren, allzu lange warten sollte man also nicht. Viele Stellen raten zudem dazu, Belege für die Verspätung zu sammeln. Das kann beispielsweise auch ein Foto der Anzeigetafel sein, die die Verspätung anzeigt. War man gezwungen, in einem Hotel zu übernachten, sollte man auch hier die Quittung behalten.

Wo liegt das Problem?

Was in der Theorie gut klingt, ist in der Praxis häufig schwierig durchzusetzen: „Die Mehrheit der Airlines antwortet dem Kunden erst einmal gar nicht oder lässt Monate vergehen und bietet dann einen Gutschein an“, hat Sabine Fischer-Volk beobachtet. Oder die Fluggesellschaft erweckt den Anschein, gar nicht zahlen zu müssen. „Viele Airlines legen gar nicht dar, warum sich ein Flug verspätet hat. Die meisten Kunden bekommen ein vorgefertigtes Schreiben, in dem selten auf den Einzelfall eingegangen wird.“ Oder die Airline tut etwa bei einem technischen Defekt so, als sei das kein Grund für eine Entschädigung.

Warum gibt es überhaupt so oft Streit?

Für die Fluggesellschaften geht es um viel Geld. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft beziffert die jährlichen Ausgaben mit rund 132 Millionen Euro. Auf EU-Ebene setzt er sich dafür ein, dass Passagiere erst ab fünf Stunden Verspätung einen Ausgleich bekommen - gegen den Widerstand von Verbraucherschützern. Eine Revision der Verordnung liegt aber ohnehin auf Eis. Sie ist derart umstritten, dass derzeit nicht einmal darüber verhandelt wird.

Wie sind meine Rechte, wenn ich eine Pauschalreise gebucht habe?

Verspätet sich der Flug im Rahmen einer Pauschalreise deutlich, können Urlauber den Reisepreis mindern. „Wenn man einen Tag später im Urlaub ankommt, ist das ein Reisemangel“, erklärt Fischer-Volk. Die Höhe der Preisminderung richtet sich dann nach der Reisedauer: Der Reisepreis wird durch die Zahl der Urlaubstage geteilt, daraus ergibt sich der konkrete Anspruch. Auch die verspätete Ankunft in der Heimat schmälert das Urlaubserlebnis, eine Preisminderung ist dann ebenso gerechtfertigt. Reisemängel müssen innerhalb eines Monats reklamiert werden.

Und: Bei einer Pauschalreise können Urlauber im Fall einer deutlichen Flugverspätung zusätzlich Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreuden geltend machen. Das gilt allerdings nicht, wenn ein Streik der Grund für die Verzögerung war - denn in diesem Fall liegt höhere Gewalt vor.

 

Mit dpa. Alle Angaben mit Stand auf den 18. Juli 2016.

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erstellt am 19.Jul.2016 | 06:36 Uhr

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