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Wirtschaft

08. Dezember 2016 | 08:53 Uhr

Ferienhaus-Debatte in Dänemark : Verkauf von Ferienhäusern: Dänen fürchten Mini-Deutschland

vom
Aus der Onlineredaktion

In Dänemark stehen Tausende Ferienhäuser zum Verkauf. Dabei gibt es Interesse - aus Deutschland.

Hvide Sande | Das Ferienhaus der Familie Mody liegt perfekt. 300 Meter sind es über die Dünen bis zum dänischen Nordseestrand. Im Sommer kann man hier Hagebutten pflücken und sich auf der Terrasse sonnen, die fast um das ganze Haus führt. Im Winter wärmt die Sauna die durchfrorenen Glieder nach einem Strandspaziergang. Es dürfte ein Leichtes sein, das Holzhaus nahe des beliebten Ferienorts Hvide Sande zu verkaufen, dachten sich die Modys.

Während Deutsche problemlos Wohnhäuser in Dänemark kaufen können, wird der Ferienhausmarkt nach wie vor geschützt. Der Protektionismus hatte lange positive Effekte für die dänische Wirtschaft, ist inzwischen jedoch auch eine Bremse.

Doch wie Tausende andere bleibt die Familie auf ihrem Feriendomizil sitzen. Denn die Dänen kaufen nicht mehr so eifrig Sommerhäuser wie einst. Und Ausländer dürfen das in Dänemark nicht. Der Streit darüber ist so alt wie manche Häuser. Weil der Markt am Boden ist, ist er jetzt neu entfacht.

Mehr Platz und die Natur vor der Tür - Ferienhäuser boomen

Gerade die dänische Westküste war als Urlaubsort bei Deutschen lange nicht mehr so beliebt wie zurzeit. In Zeiten von Terroranschlägen und Konflikten überall auf der Welt zieht es viele in das friedliche, kleine Nachbarland im Norden. „Die Menschen wünschen sich mehr Platz im Urlaub und wollen raus in die Natur“, sagt eine Sprecherin von Visit Denmark. Schon 2015 beobachtete die Tourismuszentrale einen großen Anstieg an Übernachtungen vor allem in Ferienhäusern. „In diesem Jahr ist der Trend wieder positiv“, sagt die Sprecherin.

Viele Ausländer könnten sich vorstellen, eins der gemütlichen Holzhäuser zu kaufen und jeden Sommer wiederzukommen. „Wenn Deutsche Ferienhäuser kaufen dürften, würde das natürlich einen ganz neuen Markt eröffnen“, sagt Makler Mathias Heiberg Frich aus Hvide Sande. „Es gäbe viel mehr Käufer.“ Die Modys meinen, ihr Ferienhaus besser verkaufen zu können, wenn der Markt für Ausländer geöffnet würde.

„Zu Anfang wäre die Nachfrage sicher groß, folglich würden die Preise steigen“, sagt Astrid Mody. Die sind in letzter Zeit nur gesunken. Ihre Preisvorstellungen für das 83 Quadratmeter große Sommerhaus in Hvide Sande hat die Familie schon zweimal nach unten korrigiert. Denn das Holzhaus steht schon mehr als 500 Tage zum Verkauf. Aktuell ruft die Familie knapp 1,2 Millionen Kronen auf, umgerechnet etwa 160.000 Euro.

Liegezeiten von bis zu mehreren Jahren

Manche Häuser haben noch viel längere Liegezeiten - sogar im beliebten Hvide Sande bis zu mehreren Jahren. Deswegen hat die dänische Partei Liberale Allianz vor kurzem erneut einen Versuch gestartet, das Kaufverbot für Ausländer - insbesondere für Deutsche - aufzuheben. „Wir Dänen haben die Freiheit, ein Ferienhaus zum Beispiel in Südfrankreich oder Spanien zu kaufen“, sagte die Tourismus-Sprecherin der Partei, Christina Egelund, damals. Dass Ausländer dagegen kaum als Käufer dänischer Sommerhäuser in Betracht kämen, sei „merkwürdig und doppelmoralisch“.

Im Parlament sind die meisten nicht ihrer Meinung. Kurz vor der Sommerpause entschied das Folketing über den Vorschlag der Liberalen - und schmetterte ihn mit 92 zu 15 Stimmen ab. Nur die neue grüne Partei Alternativet zeigte sich offen für die Abschaffung der Sonderregel, die sich Dänemark beim Eintritt in die Europäische Gemeinschaft gesichert hatte.

Wer als Ausländer ein Ferienhaus in Dänemark kaufen will, braucht deshalb weiter eine Genehmigung, die nicht so einfach erteilt wird. Dazu muss man laut dänischer Gesetzgebung „eine ganz besonders starke Beziehung zu Dänemark“ haben. 2013 durften laut Justizministerium 40 Deutsche ein Ferienhaus in dem Land erwerben.

Furcht vor der Invasion deutscher Ferienhausbesitzer

Warum ist die Ablehnung so groß? Das hat nach Einschätzung von Makler Mathias Heiberg Frich vor allem einen Grund: „Ich glaube, viele haben Angst davor, dass die Häuser nicht vermietet würden und den Großteil des Jahres leer stünden.“ Öde Urlaubsorte wären für die Gastwirte, Eisverkäufer und Café-Betreiber aber eine Katastrophe. Zugleich fürchten manche, dass die Preise so in die Höhe schnellen würden, dass sich kein normaler Däne mehr ein Sommerhaus leisten könnte.

Manche meinen sogar, dass die Furcht vor einer Invasion deutscher Ferienhausbesitzer von den Kriegserfahrungen der Dänen herrührt - würden doch die Deutschen auf diese Weise wieder die Küsten „besetzen“. Ein Mini-Deutschland auf dänischem Boden - das wollen viele Dänen verhindern.

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erstellt am 23.Aug.2016 | 15:09 Uhr

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