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Wirtschaft

04. Dezember 2016 | 13:15 Uhr

Emsland : Transrapid-Versteigerung: Es gibt neun Gebote

vom
Aus der Onlineredaktion

Interessenten konnten bis zum 25. Oktober ein Gebot abgeben. Zu den Bietern gehören Verwerter, Kommunen und Museen.

Lathen | Das Bieterverfahren um den letzten in Deutschland hergestellten Transrapid ist am Dienstag zu Ende gegangen. Insgesamt seien neun ernstzunehmende Gebote für das derzeit im emsländischen Lathen stehende Hightech-Gefährt abgegeben worden, sagte Oliver Jasper, Geschäftsführer der Verwertungsgesellschaft des Bundes (VEBEG): „Es waren mehr Gebote, aber neun sind übrig geblieben.“ Bei den anderen habe es formale Fehler gegeben. Wer geboten habe und wie hoch die Gebote waren, könne er nicht sagen, erklärte Jasper. Er bestätigte aber, dass zu den Bietern Verwerter ebenso gehören wie Kommunen und Museen.

Der Magnetzug, um den es geht, war der Prototyp für den Transrapid, der einst den Münchner Hauptbahnhof mit dem Flughafen der bayerischen Landeshauptstadt verbinden sollte. Aber wie jedes Transrapid-Vorhaben in Deutschland scheiterte auch dieses Projekt 2008 an den hohen Kosten.

Ein Gebot platziert hat unter anderem die Samtgemeinde Lathen, auf deren Gebiet seit den 1980er Jahren die Testanlage für die Magnetzüge steht. Das bestätigte eine Sprecherin der Kommune. Lathen will sich das letzte Fahrzeug der Transrapidreihe sichern, um in einem Museum die Entwicklungsgeschichte der Magnetbahntechnik präsentieren zu können.

Auch die Technische Hochschule im rheinland-pfälzischen Bingen habe noch am Dienstag ein Gebot für eine Endsektion des Magnetzuges abgegeben, sagte eine Sprecherin. „Es handelt sich um einen symbolischen Betrag.“ Es hätten sich ausreichend Sponsoren gefunden, um den Transport und die spätere Aufstellung finanziell zu sichern.

Die TH habe ein Interesse, den Transrapid zu erwerben, weil der langjährige Testanlagen-Leiter in Lathen, Günter Steinmetz, sein Maschinenbaustudium in Bingen absolviert habe. Steinmetz gelte als Pionier der Magnetschwebetechnik.

Der zum Verkauf stehende Zug ist ein Prototyp für die ursprünglich zwischen dem Münchner Hauptbahnhof und Flughafen geplante Verbindung, die wegen zu hoher Kosten nie realisiert wurde. Bis Ende 2011 wurde er im Emsland bis zur Serienreife entwickelt. Der Zug ist insgesamt 75 Meter lang und rund 170 Tonnen schwer. Der Verkauf erfolgt ohne Fahrweg, Betriebsleitstand und Software.

Der Zug besteht aus drei Sektionen. Die maximale Geschwindigkeit des Transrapids lag bei Tempo 500, die Betriebsgeschwindigkeit lag bei 400 Stundenkilometern. Der Abbau und der Transport des Zuges muss vom Käufer organisiert werden.

Sieben bis zehn Tage werde die Sichtung der Gebote dauern, sagte Jasper. Das letzte Wort über den Zuschlag habe Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). „Man ist schon gewillt, das höchste Gebot zu nehmen“, erklärte Jasper. Nach einem Zuschlag werde der Preis auf der Homepage der VEBEG veröffentlicht.

Über diese Kauf-Interessenten war spekuliert worden:

Die Technische Hochschule Bingen Die Hochschule will den 75 Meter langen und 170 Tonnen schweren Transrapid erwerben, weil der frühere Leiter der Transrapid-Versuchsanlage in Bingen studiert hatte.
Samtgemeinde Lathen In der Gemeinde wurde bis Ende 2011 der Schwebezug auf der Testanlage erprobt. Die Kommune möchte den Zug gerne für ein geplantes Transrapid-Museum bekommen.
Verschrotter Mit einem hohen Erlös rechnet der Bund nicht. „Wenn man 100 Euro pro Tonne Schrott bekäme, wäre das viel.“ Das wäre bei einem Leergewicht von knapp 170 Tonnen ein Gegenwert von gerade einmal 17.000 Euro - wenn überhaupt.
Fleischwarenfirma Kemper „Wir wollen den Zug auf unserem Betriebsgelände integrieren und werden uns als Unternehmen mit einem entsprechenden Gebot beteiligen“, erklärt Kemper-Geschäftsführer Wolfgang Kühnl gegenüber noz.de. Kühnls Urgroßvater Hermann Kemper gilt als Erfinder der Magnetschwebetechnik.

Das letzte Wort, wer den Zug bekommt, habe Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), sagt Kunert. Es spricht einiges dafür, dass sich das Schicksal des einstigen Hightech-Verkehrshoffnungsträgers noch in diesem Jahr entscheidet.

Der Zug fuhr bis Ende 2011 auf der Lathener Teststrecke, damit das Zulassungsverfahren des Eisenbahn-Bundesamtes zu Ende gebracht werden konnte, sagt Ralf Effenberger. Er leitet die Nachfolgefirma der einstigen Transrapid-Testanlage. Heute wird dort zur Elektromobilität geforscht.

Denn eine technische Besonderheit des Magnetzuges ist auch für die Elektromobilität interessant: Der TR09 konnte berührungslos per Induktion Strom übertragen. Dieses Prinzip kann auch bei E-Autos und E-Lastwagen angewandt werden. Das Hantieren mit Ladekabeln würde dann entfallen. Mit einem Team von 20 Leuten arbeitet Effenberger heute an dem Projekt. Zu Transrapid-Zeiten waren auf der Teststrecke rund 60 Leute beschäftigt.

Auf derselben Teststrecke war am 22. September 2006 der Vorgänger des Transrapids 09, der Transrapid 08, auf einen Werkstattwagen geprallt. 23 Menschen starben, 10 überlebten teils schwer verletzt.

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erstellt am 25.Okt.2016 | 17:00 Uhr

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