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Wirtschaft

05. Dezember 2016 | 21:46 Uhr

Neues Produkt : Test: Wie gut ist das neue Fahrrad „Sladda“ von Ikea?

vom

Neuerdings gibt es bei Ikea auch ein Fahrrad zu kaufen: Sladda. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein Schnäppchen. Und auf den zweiten? Der Name jedenfalls lässt wenig Gutes vermuten.

Osnabrück | Seit August verkauft der schwedische Möbelgigant nun also auch ein Fahrrad. Sein Name: Sladda. Das heißt übersetzt übrigens Schleuder, was nicht sehr vielversprechend klingt. Jörg Sanders hat das Fahrrad getestet.

Die Eckdaten: Ikea verkauft Sladda mit den Laufradgrößen 26 und 28 Zoll. Die Rahmenform ist bei beiden Größen identisch, zudem gibt es nur eine Rahmenhöhe. 25 Jahre Garantie gibt Ikea auf den Aluminiumrahmen. Die Gabel ist aus Stahl. Die abnehmbaren Leuchten werden mit Batterien betrieben, die nicht im Lieferumfang enthalten sind. Vorne verzögert eine Scheibenbremse das Rad, zudem gibt es eine Rücktrittbremse. Radfahrer müssen bei dem Rad mit der automatischen, günstigen, aber dafür wartungsfreien Zweigang-Automatix-Nabe auskommen. Abgestellt wird das Rad auf einem Zweibeinständer. Bei einer Panne lässt sich das vordere Rad dank eines Schnellspanners schnell ausbauen.

Wohl einzigartig in dieser Preisklasse ist die Ausstattung mit einem Antriebsriemen statt einer gewöhnlichen Kette. Er darf nicht geschmiert oder geölt werden – die Hose bleibt sauber – und er ist praktisch wartungsfrei. In der Regel ist dieser Riemen nur bei hochpreisigen Fahrrädern zu finden. Ikea gibt zehn Jahre Garantie auf ihn.

  • Rahmen: Aluminium (25 Jahre Garantie)
  • Gabel: Stahl
  • Riemenantrieb: Continental
  • Schaltung: Shimano SRAM Automatix (2-Gang-Automatik)
  • Bremse vorn: Tektro Scheibenbremse (MD-M280, Bremshebel ohne Herstellerangabe, mit integrierter Klingel)
  • Gewicht laut Ikea: 15 kg (26 Zoll)/16kg (28 Zoll)

Preis: 479 Euro kostet das Rad für Ikea-Family-Mitglieder mit 26 Zoll, 779 für Nicht-Mitglieder. Mit 28 Zoll kostet das Rad 499/799 Euro.

Design: Das Design des Rades ist schlicht. Erhältlich ist es lediglich in einem tristen Lichtgrau. Die Schweißnähte wirken solide, aber grob. Die Rahmenform ist ungewöhnlich: Es sieht aus, als hätten sich die Designer bei der Form nicht auf ein Herren- oder Damenrad einigen können und die Mitte gewählt. Das Rad soll ganz offensichtlich pragmatisch sein statt Fahrradliebhaber ins Schwärmen geraten zu lassen. Doch über Geschmack lässt sich bekanntermaßen nicht streiten: Für das Design erhielt „Sladda“ einen Red Dot „Best of the Best“ Award – einen Designpreis.

Fahrerlebnis: Die automatische Zweigangschaltung schaltet sanft und dürfte im Stadtverkehr zumeist ausreichend sein – aber auch nur in Städten ohne Steigungen. Mit den lediglich zwei Gängen sind längere Strecken und Bergauffahrten mühsam. Doch dafür ist das Cityrad nicht gemacht. Es dürfte aber schwer werden, einen Lasten- oder Kinderanhänger zu ziehen.

Überzeugt hat der lautlose Riemen. Die Scheibenbremse hingegen könnte etwas stärker zupacken – bei einer Vollbremsung braucht sie Hilfe von der Rücktrittbremse.

Etwas besorgniserregend wirken der schmale Vorbau und Lenker. Sie erwecken keinen sonderlich stabilen und langlebigen Eindruck. Ein fest verbaute Lichtanlage mit Nabendynamo statt der unschönen und unpraktischen Batterielampen hätten das Rad technisch und optisch deutlich aufgewertet. Hochwertigere Markenreifen wären ebenfalls wünschenswert gewesen, auch wenn die vorhandenen von Kenda genug Profil haben und breit genug sind, um im Stadtverkehr zu bestehen. Sehr billig und unkomfortabel wirken die dünnen Gummigriffe am Lenker.

Erfreulicher sind da die Schutzbleche aus Metall, die heutzutage schon eine Seltenheit sind. Äußerst praktisch: Die Gepäckträger lassen sich dank des speziellen Befestigungssystems schnell anbringen.

Expertenmeinung: Gunnar Fehlau vom Pressedienst Fahrrad ist nicht überzeugt von dem Rad. „Es ist ein Rad für flache Städte. Mit der Zweigang-Nabe wird es sehr schnell sportlich“, sagt der Experte. Mit 16 Kilogramm sei das Rad mit der Ausstattung kein Leichtgewicht. Der Riemen von Continental sei nicht so bewährt und renommiert wie der des Riemen-Pioniers Gates. Auch Fehlau hätte sich an dem Rad eine vernünftige Lichtanlage mit Nabendynamo gewünscht. „Akku ist einfach und billig, im Alltag aber nervig.“ Problematisch sei die fehlende Auswahl bei der Rahmenhöhe. „Einen Laufschuh biete ich ja auch nicht nur in den Größen 38 und 43 an“, bemängelt er. Die 500 Euro seien besser in ein gutes Gebrauchtrad investiert. „Und für 100 bis 200 Euro mehr bekomme ich im Fachhandel ein besseres Rad mit mehr Gängen und Nabendynamo.“ Sein Resümee: „Kein besonderes Fahrrad zu keinem besonderen Preis.“ Aber: Dass selbst Ikea nun ein Fahrrad verkaufe, sei ein „extrem gutes und wichtiges Signal“, sagt Fehlau.

Fazit: Wer ein schlichtes und funktionales Rad sucht, um in der Stadt (ohne Hügel) gelegentlich von A nach B zu kommen, keinen Wert auf Beratung und Werkstattservice legt, macht mit „Sladda“ zum Family-Preis nicht viel falsch – sofern die Fahrrad-Ergonomie passt. Für den alltäglichen Weg mit dem Rad ist ein besser ausgestattetes Gebraucht- oder etwas teureres Neurad empfehlenswerter.

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erstellt am 07.Sep.2016 | 10:56 Uhr

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