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Wirtschaft

10. Dezember 2016 | 13:47 Uhr

Wegen Kurssturz nach Brexit-Entscheidung : Softbank Japan will britischen Chipdesigner ARM kaufen

vom

Der japanische Telekom-Konzern will nach Zeitungsberichten den Chipdesigner ARM übernehmen. Möglich macht es der Kurssturz des Pfund.

London/Tokio | Der Chipdesigner ARM, dessen Technologie fast in allen Smartphones und Tablets steckt, wird von dem japanischen Telekommunikations-Anbieter Softbank übernommen. Der Kaufpreis liege bei rund 24 Milliarden Pfund (rund 28,7 Mrd Euro), teilte Softbank am Montagmorgen mit. Das Angebot steht bei rund 17 Pfund pro Aktie, ein Aufschlag von etwa 43 Prozent auf den Schlusskurs aus der vergangenen Woche, wie zuvor unter anderem die „Financial Times“ und das „Wall Street Journal“ berichtet hatten.

Es ist der erste Riesen-Deal um eine britische Firma, seit der Kurssturz im Gefolge der Brexit-Entscheidung auch den Wert der Unternehmen gedrückt hat. Der Kurs des Pfund zum Yen war um rund 30 Prozent gefallen, nachdem sich die Briten beim Referendum für einen Austritt aus der EU ausgesprochen hatten.

„Es ging alles sehr, sehr schnell“, sagte der bisherige ARM-Chef Simon Segars dem Finanzdienst Bloomberg. „Sie machten ein Angebot, das sehr, sehr attraktiv für unsere Aktionäre war, sowie einen Vorschlag für künftige Investitionen ins Unternehmen.“

ARM stellt die Prozessoren nicht selbst her, sondern entwirft nur die Chip-Architektur, auf die dann Lizenzen verkauft werden. Prozessoren auf Basis der ARM-Technologie arbeiten sehr stromsparend. Das hat ihnen den Platz in den weitaus meisten Smartphones und Tablets gesichert. Dem Chip-Riesen Intel, der das Geschäft mit Prozessoren für PCs dominiert, gelang es nie, die Vormachtstellung von ARM bei den mobilen Geräten zu brechen. Es gab nur sehr wenige Smartphones mit Intel-Chips, nur bei Tablets konnte sich der US-Konzern eine kleine Nische sichern.

Hintergrund: ARM Holdings

Der britische Heimcomputer Acorn Archimedes aus den 80er Jahren bliebe nur eine Fußnote in der Technik-Geschichte, wenn da nicht seine Chips wären. Der Prozessor lief mit der sogenannten RISC-Architektur (Reduced instruction set computing) mit einfachen und schnell ausführbaren Befehlen.

1990 gliederte Acorn die Chip-Entwicklung in eine eigenständige Firma aus: Advanced RISC Machines, heute nur noch unter der Abkürzung ARM bekannt. Damit wurde der Grundstein für die heutige Dominanz der Technologie bei mobilen Geräten wie Smartphones und Tablets gelegt.

Unter den ersten Kunden war der damalige große Anteilseigner Apple, der die Prozessor-Architektur für seinen persönlichen Assistenten „Newton“ einsetzte. Das Gerät scheiterte am Markt, aber die Technologie hinter den Chips breitete sich schnell in verschiedene Geräte von Druckern bis Unterhaltungselektronik aus. Die große Stunde von ARM als Chipdesigner schlug aber erst mit dem Vormarsch der Smartphones: Die Prozessoren, die besonders wenig Strom verbrauchen, waren genau das Richtige, damit die Computer-Handys nicht sofort die Batterie leersaugten.

 

Apple zum Beispiel entwirft seit Jahren eigene Chips für seine iPhones und iPads - sie basieren aber auch auf ARM-Technologie. Zudem wird seit Jahren spekuliert, der Konzern könne auch seine Mac-Computer von den heute eingesetzten Intel-Prozessoren auf ARM-Architektur umstellen.

ARM kündigte jüngst neue Prozessoren-Entwürfe unter anderem für kleine vernetzte Technik im sogenannten Internet der Dinge an. Das könnte für Softbank besonders interessant sein: Telekom-Firmen weltweit versuchen, sich als Dienstleister für vernetzte Geräte aller Art neu zu erfinden. Analyst Patrick Moorhead von Moor Insights & Strategy rechnet zugleich damit, dass Softbank versuchen könnte, die Lizenzgebühren quer durch die Bank zu erhöhen.

Der japanischen Firma gehört auch der US-Telekommunikationsanbieter Sprint, der im harten Wettbewerb viel Geld verschlingt. Softbank gab am Montag eine Kreditlinie bekannt, die knapp ein Drittel des Kaufpreises abdeckt. Das Unternehmen hat bereits Schulden von über 100 Milliarden Dollar.

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erstellt am 18.Jul.2016 | 08:45 Uhr

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