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Erdgas und Erdöl : SH bleibt Ölförderland Nummer eins

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bundesweit sinken die Förderquoten. Ein neues Fracking-Gesetz stimmt die Unternehmen jedoch optimistisch.

Hannover/Heide | In Deutschland wird immer weniger Erdgas und Erdöl gefördert. Nach den am Donnerstag für 2016 vorgelegten Zahlen des Bundesverbandes Erdgas, Erdöl und Geoenergie (BVEG) sank die inländische Erdgasproduktion mit 7,9 Milliarden Kubikmeter auf den niedrigsten Wert seit 2003. Mit einem Anteil von 55 Prozent ist Schleswig-Holstein weiter die Nummer eins bei der deutschen Erdölförderung.

Kritiker fordern zum Schutz des Klimas eine Drosselung der Erdgas- und Erdölbohrungen. Auf der Klimakonferenz Ende 2015 in Paris haben sich 195 Vertragsstaaten zur Begrenzung der Erderwärmung verpflichtet. Laut Bundesumweltministerin Barbara Hendricks werde sich die Welt von Kohle, Öl und Gas verabschieden müssen. Der BVEG sieht dagegen in den nächsten Jahrzehnten eine wachsende Rolle des Erdgases, um die Klimaziele zu erreichen.

Die inländische Erdgasproduktion macht acht Prozent des in Deutschland verbrauchten Erdgases aus. Beim Erdöl wurden 2,35 Millionen Tonnen gefördert, ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr und das geringste Aufkommen seit mehr als 50 Jahren. Dennoch gibt sich die Branche zuversichtlich. „Wir sind bereit, der heimischen Förderung eine neue Perspektive zu geben“, sagte der BVEG-Vorsitzende Martin Bachmann vor Journalisten in Hannover.

Der optimistische Blick in die Zukunft beruht auf dem seit Kurzem geltenden Fracking-Gesetz. Danach bleibt das seit den 60er Jahren praktizierte konventionelle Fracking erlaubt, bei dem Chemikalien bei der Erdgasförderung in Sand- und Kalkstein eingesetzt werden. Durch das Gesetz werden Umweltverträglichkeitsprüfungen zur Pflicht. „Wir werden nun Projekte angehen, die aufgrund des Gesetzgebungsverfahrens zurückgestellt werden mussten. Dazu werden wir die Antragsunterlagen überarbeiten und uns auf die komplexeren Genehmigungsverfahren einstellen“, so der stellvertretende BVEG-Vorsitzende Florian Barsch.

Das unkonventionelle Fracking, bei dem in geringer Tiefe lagerndes Gas aus Schiefer-, Ton-, Mergel- oder Kohleflözen unter Einsatz von Chemikalien gefördert wird, bleibt in Deutschland verboten. Allerdings sind vier Probebohrungen zu Forschungszwecken möglich. Mit rund 1,3 Millionen Tonnen Erdöl ist die Produktion in Schleswig-Holstein stabil. Sie stammen aus Mittelplate (970.000 Tonnen) und Dieksand (326.000 Tonnen), den beiden größten deutschen Erdölfeldern. Die Förderabgabe, die Schleswig-Holstein von den Förderunternehmen erhebt, sank von 64 Millionen Euro (2015) auf 50 Millionen Euro im vergangenen Jahr.

Mehr als 1000 Mitarbeiter sind im vergangenen Jahr entlassen worden – laut BVEG unter anderem wegen der niedrigen Öl- und Gaspreise. Derzeit arbeiten rund 8600 Beschäftigte bei den BVEG-Mitgliedern, wozu die Raffinerie Heide GmbH aus Henningstedt und die Stadtwerke Kiel zählen.

Der Energieverbrauch ist in Deutschland im vergangenen Jahr nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen um 1,6 Prozent gestiegen. Er wurde zu 34 Prozent aus Mineralöl gedeckt. Es folgen Erdgas (23 Prozent), erneuerbare Energien (13 Prozent), Steinkohle (12 Prozent), Braunkohle (11 Prozent) und Atomenergie (7 Prozent). Wichtigster deutscher Erdgaslieferant bleibt Russland vor Norwegen und den Niederlanden.

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erstellt am 03.Mär.2017 | 15:36 Uhr

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