zur Navigation springen

Wirtschaft

04. Dezember 2016 | 15:21 Uhr

Gigaliner in SH : Schienenlobby warnt vor 60-Tonnern auf den Straßen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die „Allianz pro Schiene“ befürchtet einen noch größeren Verschleiß der A7 durch Riesen-LKWs aus Dänemark.

Kiel | Das Bahnbündnis „Allianz pro Schiene“ schlägt Alarm: Es befürchtet, dass auf deutschen Straßen bald noch schwerere Lastwagen fahren werden als die derzeit im Testbetrieb erlaubten bis zu 44 Tonnen schweren und gut 25 Meter langen Gigaliner. Grund für die Sorge der Schienenlobbyisten ist die Ankündigung von Dobrindt, trotz EU-Verbots künftig auch grenzüberschreitende Gigaliner-Fahrten aus benachbarten Ländern nach Deutschland und umgekehrt gestatten zu wollen. „Bilateral prüfen wir bereits Möglichkeiten für einen grenzüberschreitenden Einsatz“, hat der CSU-Politiker kürzlich im Gespräch mit einem Fachblatt erklärt. Und in Dänemark oder Holland sind bereits 60-Tonner zugelassen.

Nicht zuletzt die A 7 durch Schleswig-Holstein würde durch die Gigaliner noch stärker belastet als ohnehin schon. Für die Substanz der Straßen und Brücken wäre das laut Chef dem „Allianz pro Schiene“, Dirk Flege, fatal: „Sie verschleißen noch schneller und die Steuerzahler müssen noch mehr Millionen für Reparaturen bezahlen.“

Das EU-Verbot für grenzüberschreitenden Verkehr gilt nach Dobrindts Ansicht nur für Transitfahrten quer durch ein Land. Zwar beteuert man in seinem Ressort, an der hiesigen Begrenzung von 44 Tonnen für die Lang-Lkw nicht rütteln zu wollen. Doch der Chef der „Allianz pro Schiene“, Dirk Flege, bezweifelt das und warnt vor „einem Dammbruch“ bei den Gigalinern: „Wenn erst mal grenzüberschreitende Fahrten möglich sind, dann wird der Druck der Spediteure so hoch werden, dass bald auch 60-Tonner aus Dänemark oder den Niederlanden hier zugelassen werden.“

Tatsächlich würden die Speditionen in Dänemark gern Megatrucks nach Deutschland schicken. Zwar beteiligen sich am noch bis Jahresende dauernden deutschen Feldversuch auf ausgewählten Strecken lediglich ein Unternehmen aus Österreich und seit Kurzem auch eines aus Polen. Doch verzichten die Dänen bisher nur, weil ihnen die Bedingungen für den seit fast fünf Jahren laufenden Test zu kompliziert sind: Da grenzüberschreitende Fahrten bisher noch nicht erlaubt sind, muss ein Spediteur die Teile seines Gespanns vor der Grenze auseinanderbauen, einzeln über die Grenze bringen und dann wieder zusammenkoppeln.

Allerdings sagt Jörn-Henrik Carstens, Chefberater beim dänischen Spediteursverband ITD, auch, dass es den Dänen reichen würde, künftig 44-Tonner ins Nachbarland schicken zu können: „Das wäre interessant für Transporteure von Blumen oder von Autoteilen für deutsche Hersteller wie Daimler, BMW oder Audi.“

Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer lehnt 60-Tonner zwar ab, plädiert aber ebenfalls für grenzüberschreitende Fahrten von Gigalinern. Anders als Dobrindt hält der SPD-Politiker allerdings eine Genehmigung der EU für erforderlich. „Sollte der Feldversuch in Deutschland positiv abgeschlossen werden, würde ich es begrüßen, wenn die Kommission und das Europäische Parlament grenzüberschreitende Verkehre mit derartigen Fahrzeugkombinationen gestatten würden, falls die jeweiligen Mitgliedstaaten das vereinbaren“, sagte Meyer.

Der schleswig-holsteinische Grünen-Verkehrspolitiker Andreas Tietze sieht das dagegen ganz anders: „Schleswig-Holsteins Straßennetz ist für Gigaliner nicht geeignet“, erklärte er. Zudem verwies er auf die gegen Schleswig-Holsteins Willen stattfindenden dänischen Grenzkontrollen: „Dänemark hat sich uns gegenüber einiges herausgenommen – da sollten wir jetzt nicht einfach dem Ansinnen der dänischen Transportbranche nachgeben.“

zur Startseite

von
erstellt am 01.Nov.2016 | 14:05 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen