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Wirtschaft

07. Dezember 2016 | 09:40 Uhr

Schiffbaumesse in Hamburg : Sauber, leise und ohne Kapitän: So sehen die Schiffe der Zukunft aus

vom

Brennstoffzellen sollen Strom erzeugen. Zum Ende des Jahrzehnts könnte das erste selbstfahrende Schiff vom Stapel laufen.

Hamburg | Hereinspaziert in die maritime Welt von morgen: Die internationale Schiffbauausstellung SMM in Hamburg öffnet die Fenster in die Zukunft der Seeschifffahrt, teils mit faszinierenden Ausblicken. So präsentierte sich am Mittwoch in den Messehallen ein ambitioniertes deutsches Forschungsprojekt zum Einsatz von Brennstoffzellen auf Seeschiffen. Nach mehreren Jahren Anwenderforschung glauben die Macher von E4Ships fest an den Durchbruch für die umweltfreundliche Stromerzeugung an Bord.

„Die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie entwickelt sich zu einer echten Alternative für die spezifischen Bedürfnisse der Schifffahrt und gibt eine technologisch innovative Antwort auf Klimaschutz- und Emissionsfragen“, sagte Klaus Bonhoff, Geschäftsführer der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie. Energiesysteme mit Brennstoffzellen, die chemische in elektrische Energie umwandeln, erzeugen deutlich weniger Lärm und Abgase als Motoren, die mit Schweröl und Marinediesel laufen.

Außer Reedern, Forschungsinstituten, Verbänden und dem Bund sind auch die Papenburger Meyer Werft und Thyssen Krupp Marine Systems (TKMS) an Bord. Beide erproben die Alltagstauglichkeit von Brennstoffzellen-Modulen auf Seeschiffen. Meyer hat die Fähre „MS Mariella“ (Schweden-Finnland) mit einer 50 Kilowatt (KW) starken Anlage ausgestattet, die mit Methanol betrieben wird. Ziel ist es laut Werftenchef Bernhard Meyer, die Marktreife zu erreichen, um auch große Kreuzfahrtschiffe damit ausstatten zu können.

TKMS erprobt die Anwendung auf Güterschiffen. Auf dem deutschen Mehrzweckfrachter „MS Forester“ steht in einem Container eine 50 KW-Zelle, die mit schwefelarmem Straßendiesel läuft. Mittelfristig wird der Einsatz von Erdgas angestrebt. Die Anlage soll laut Projektleiter Keno Leites so weiterentwickelt werden, dass sie Leistungen bis 500 KW erbringt und so zur Hauptstromquelle für Hochseeschiffe aller Art taugt.

Ebenfalls bei der SMM hat Rolls-Royce als erster Anbieter einen konkreten Plan für selbstfahrende Schiffe erläutert. Es gehe nicht mehr um das Ob solcher Geisterschiffe ohne Besatzung, sondern nur noch um das Wann, sagte Oskar Levander, Rolls-Royce-Vizechef für den maritimen Sektor. Allzu lange wird es laut Levander nicht mehr dauern: „Wir werden das erste kommerzielle, ferngesteuerte Schiff zum Ende dieses Jahrzehnts erleben.“

Auch deutsche Schiffbauer, Zulieferer und Forscher arbeiten an der Automatisierung auf See. Reinhard Lüken, Hauptgeschäftsführer des Verbands Schiffbau und Meerestechnik, sieht darin ein große Chance für die Branche hierzulande – wenn sie am Ball bleibt. „Das selbstfahrende Schiff kommt so sicher wie das selbstfahrende Auto. Und diejenigen, die die Technik als Erste beherrschen, werden die Nase vorn haben.“

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erstellt am 07.Sep.2016 | 17:28 Uhr

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