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Wirtschaft

05. Dezember 2016 | 01:31 Uhr

Übernahme : Robert Habeck: EU-Behörden sollen Monsanto-Übernahme stoppen

vom

Es ist die größte Übernahme in der deutschen Firmengeschichte. Und es gibt Kritik.

Leverkusen | Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne) hält die Übernahme des US-Saatgutunternehmens Monsanto durch den deutschen Bayer-Konzern für nicht hinnehmbar. „Die EU-Wettbewerbsbehörden sollten diesen Deal stoppen“, sagte Habeck am Mittwoch in Kiel. „Die Konzentration der Macht über Saatgut und Pflanzenschutzmittel zwingt Landwirte in der EU, aber auch und gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern, in die totale Abhängigkeit von einigen wenigen Riesen“, warnte Habeck. „Wir brauchen mehr Vielfalt und Alternativen und keine Chemie-Oligopole in der Landwirtschaft.“ Mit der Übernahme geht aus Habecks Sicht eine „fatale Konzentration in der Chemiebranche beziehungsweise bei den Life-Science-Konzernen“ weiter.

Die Leverkusener hatten im Mai überraschend die geplante Übernahme des Saatgutspezialisten aus den USA angekündigt. Der deutsche Konzern würde durch den Rekord-Zusammenschluss zur weltweiten Nummer eins im Agrarchemiegeschäft aufsteigen.

Der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer hatte am Mittwoch mitgeteilt, den amerikanischen Biotechnologie-Konzern zu übernehmen.

Bayer und Monsanto unterzeichneten eine bindende Fusionsvereinbarung, die Bayer die Übernahme von Monsanto für 128 US-Dollar je Aktie in bar ermöglicht. Das entspricht einem Kaufpreis von rund 66 Milliarden Dollar (knapp 59 Milliarden Euro). Der Monsanto-Deal ist die bislang größte Übernahme durch einen deutschen Konzern und macht Bayer zur weltweiten Nummer eins im Geschäft mit Agrarchemie.

Bayer hatte im Mai angekündigt, den umstrittenen Biotechnologie-Riesen übernehmen zu wollen. Der Leverkusener Konzern hatte sein Angebot für Monsanto mehrfach erhöht.

Das kombinierte Unternehmen sei „sehr gut positioniert“, um am Agrarsektor und dessen erheblichem langfristigem Wachstumspotenzial teilzuhaben, teilte Bayer mit. Bayer plant die Finanzierung der Transaktion durch eine Kombination aus Fremd- und Eigenkapital. Der Übernahme müssen noch die Monsanto-Aktionäre zustimmen, außerdem die zuständigen Kartellbehörden. Der Abschluss der Transaktion wird laut Bayer bis Ende 2017 erwartet Für den Fall, dass die notwendigen Kartellfreigaben nicht erteilt werden sollten, hat Bayer Monsanto eine Zahlung in Höhe von 2
Milliarden US-Dollar zugesichert.

Überblick über große Firmen-Deals

- Für 199 Milliarden Dollar (aktuell rund 178 Milliarden Euro) verleibt sich Vodafone im April 2000 den deutschen Mobilfunk-Konzern Mannesmann ein. Es ist die bislang größte feindliche Übernahme - und die mit Abstand größte mit deutscher Beteiligung.

- 154,8 Mrd Dollar zahlt der US-Internetkonzern AOL im Januar 2000 für den US-Medienkonzern Time Warner.

- Für 129 Milliarden Dollar übernimmt die Telefongesellschaft MCI Worldcom die US-Telekommunikationsfirma Sprint im Oktober 1999.

- Knapp 90 Mrd Dollar zahlt der US-Pharmahersteller Pfizer im Juni 2000 für seinen Konkurrenten Warner-Lambert.

- Rund 50,7 Milliarden US-Dollar zahlt die Deutschen Telekom im Jahr 2000 für den US-Telekommunikationsanbieter Voicestream.

- Etwa 32,6 Milliarden Dollar kostet Mannesmann 1999 die Übernahme des Mobilfunk-Anbieters Orange.

- Für 17 Milliarden Dollar kauft der deutsche Pharma- und Chemiekonzern Merck im November 2015 den Laborausrüster Sigma-Aldrich.

 

Die Monsanto-Übernahmepläne von Bayer-Chef Werner Baumann waren von Anfang an umstritten. Monsanto steht in Europa seit Jahren wegen seiner gentechnisch veränderten Produkte in der Kritik. Außerdem vertreibt Monsanto den Unkrautvernichter Glyphosat, der im Verdacht steht, krebserregend zu sein. Der Bayer-Chef betont dagegen die Vorteile eines Zusammenschlusses. Die Agarindustrie stehe angesichts der schnell wachsenden Weltbevölkerung und der globalen Erwärmung vor gigantischen Herausforderungen.

Durch die Kombination ihrer Fähigkeiten könnten Bayer und Monsanto hier wegweisende Antworten geben. Immerhin müssten bis 2050 drei Milliarden Menschen zusätzlich ernährt werden. Gleichzeitig müsse man die Folgen der Klimaerwärmung auf die Landwirtschaft in den Griff bekommen.

Interessant für Bayer ist der innovative US-Konzern nicht nur wegen seines Know-hows in der Biotechnologie, sondern auch wegen seiner führenden Rolle beim „digital farming“ - der Nutzung digitaler Techniken für die Landwirtschaft.

Das globale Geschäft rund um Saatgut und Pflanzenschutzmittel steht vor gewaltigen Umwälzungen. Denn Bayer und Monsanto stehen mit ihren Fusionsplänen nicht allein. So hatten zuletzt die US-Behörden die geplante Milliarden-Übernahme des Schweizer Agrarchemie-Konzerns Syngenta durch das chinesische Staatsunternehmen ChemChina genehmigt. Im vorigen Dezember hatten außerdem Dow Chemical und Dupont verkündet, über einen Zusammenschluss zu verhandeln.

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erstellt am 14.Sep.2016 | 17:10 Uhr

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