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Wirtschaft

11. Dezember 2016 | 01:27 Uhr

Logo-Comeback im Internet : Praktiker, Hertie und Borgward: Die Rückkehr der untoten Marken

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Baumarktkette Praktiker soll im Internet neues Leben eingehaucht werden – und nicht nur ihr.

„20 Prozent auf alles – außer Tiernahrung“ – diesen Werbeslogan kannte in der Heimwerker-Branche früher jeder. Allerdings war es wohl auch gerade die dahinter stehende aggressive Rabatt-Strategie von Praktiker, die der 1978 gegründeten Baumarkt-Kette am Ende das Licht ausblies. Das war 2013.

Marken, die zum Teil unter großem Aufwand aufgebaut wurden und auch nach ihrem Untergang noch einen klangvollen Namen haben, sind für Internet-Unternehmungen lukrativ.

Drei Jahre später feiert Praktiker seine Rückkehr – zumindest ein wenig. Im Internet. „Egal ob Hammer, Waschbecken oder Arbeitsschuhe – bei uns findet jeder das günstigste Produkt“, sagt Christoph Kilz. Zusammen mit Dirk Oschmann steht er hinter der Neugründung von Praktiker. Derzeit ist es nur ein Portal für Preisvergleiche. Doch das soll nach den Plänen der beiden nur ein erster Schritt sein. „Noch in diesem Jahr wird unter Praktiker.de ein Online-Shop starten“, erklärt Oschmann. Rund um den Shop soll dann eine Internet-Community mit Tipps und Anleitungen für Heimwerker entstehen.

Die Baumarktkette Praktiker  ging 2013 pleite.
Die Baumarktkette Praktiker ging 2013 pleite. Foto: Wolfram Kastl

Im Internet haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Marken, die einst als tot galten, wieder zurück zu neuem Leben gefunden. Das gilt auch für die Kaufhaus-Kette Hertie. 2009 erlebte diese ihren finalen Todesstoß. Bis heute finden sich in manchen Innenstädten die verlassenen Hertie-Gebäude. Nachdem zwei Unternehmer jedoch 2012 die Namensrechte erworben haben, lebt Hertie zumindest im Internet fort – als Online-Shop.

Die Bekanntheit der eingekauften Namen bringt für Investoren dabei handfeste Vorteile mit sich. „Wir bauten aus dem Nichts bekannte Marken wie Stromvergleich.de oder Woxikon auf“, erklärt Praktiker-Neugründer Oschmann. Durch die bisherige Erfahrung im Aufbauen von Marken könnten sie nun im Fall von Praktiker schon den nächsten Schritt gehen und müssen den Namen „nicht jahrelang aufbauen“. Kilz wie auch Oschmann sind seit längerer Zeit als Internet-Unternehmer umtriebig, haben verschiedenste Portale und Plattformen aufgebaut und aufgekauft. „Was wir bisher in zehn Jahren geschaffen haben, soll nun schneller wachsen“, sagt Oschmann.

Zurück:  Automarke Borgward.
Zurück ist auch die Automarke Borgward. Foto: dpa

Die Strategie, totgeglaubten Marken neues Leben einzuhauchen, hat jedoch auch außerhalb des Internets für Investoren einen Reiz. Jüngstes Beispiel: Borgward. Ab den 1930er-Jahren wurden in Bremen unter diesem Namen Autos gebaut, bis es in den 1960er-Jahren zur Pleite kam. Derzeit arbeitet der Enkel des einstigen Unternehmensgründers an einer Wiederauferstehung der Marke. Die Markenrechte indes gehören inzwischen einem chinesischen Automobilkonzern.

Im Ausland lebt auch Praktiker jenseits des Internets weiter. Dort haben Investoren nämlich nicht nur Markenrechte, sondern gleich die kompletten Landesgesellschaften des Unternehmens aufgekauft – und halten am Namen fest. In Rumänien werden so in diesen Tagen zwei Praktiker-Filialen neu eröffnet – ob es auch dort „20 Prozent auf alles (außer Tiernahrung)“ geben wird, ist unbekannt.

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erstellt am 01.Nov.2016 | 20:17 Uhr

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