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Wirtschaft

10. Dezember 2016 | 06:12 Uhr

Öko-Fahrzeuge : Prämie bringt Elektroautos in SH nicht in Fahrt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Seit Einführung der Prämie im Sommer wurden gerade mal 77 batteriebetriebene Elektrofahrzeuge und 48 Plugin-Hybride angeschafft.

Die im Sommer von der Bundesregierung eingeführte Kauf-Prämie für Elektroautos hat die Zahl von Öko-Fahrzeugen auf Schleswig-Holsteins Straßen bisher kaum spürbar erhöht: Von Juli bis Ende September wurden damit gerade mal 77 rein batteriebetriebene Elektrofahrzeuge und 48 Plugin-Hybride – also Autos mit Elektro- und Verbrennungsmotor – angeschafft. Das geht aus einer Statistik des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle hervor. „Die Kaufprämie ist ein Flop“, bilanziert der verkehrspolitische Sprecher der Piratenfraktion im Landtag, Uli König. Er hatte in einer Mitteilung auf die Zahlen der Behörde hingewiesen.

In Deutschland lag der Marktanteil bei den Neuzulassungen von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben im vergangenen Jahr gerade einmal bei 0,7 Prozent. Das Land ist bei der Elektromobilität ins Hintertreffen geraten. Andere Staaten teilen den Markt unter sich auf. Dazu gehören China, USA, Niederlande und Norwegen.

Deutschlandweit wurden mit Hilfe der Prämie 4451 Elektro- oder Hybridautos zugelassen. Für die erste Kategorie gibt es 4000, für die zweite 3000 Euro Zuschuss. Insgesamt hat der Bund Mittel für 400.000 Fahrzeuge in Aussicht gestellt. König macht die Landesregierung mitverantwortlich für die geringe Nachfrage. Sie spiele auf Zeit. „Schleswig-Holstein braucht eine Strategie für Elektromobilität, und das bedeutet vor allem, die Infrastruktur an Ladesäulen zu verbessern. Dann kaufen auch mehr Menschen ein Elektrofahrzeug“, meint König. In einer Antwort auf eine Parlamentarische Anfrage habe ihm die Küsten-Koalition mitgeteilt, dass von den Ladesäulen des Landes nur zwei rund um die Uhr zugänglich seien.

Für Schleswig-Holsteins ADAC-Sprecher Ulf Evert wäre es „viel wirkungsvoller, der Bund würde das Geld für die Prämie in die Forschung investieren, um Reichweite und Ladegeschwindigkeit der E-Autos zu verbessern“. Seine zweite Forderung: Öffentliche Förderung für ein engeres E-Tankstellennetz. Beides Baustellen, die auch der Geschäftsführer des Naturschutzbundes (Nabu), Ingo Ludwichowski, sieht. Er nennt die bisherigen Zahlen „bedauernswert, wenn auch nachvollziehbar“. Jan-Nikolas Sontag, Geschäftsführer des Kfz-Verbands Schleswig-Holstein, beurteilt den Zuwachs um 127 bezuschusste Autos als „verhalten optimistisch“. Messen müsse man die Zahl daran, dass es Anfang des Jahres im nördlichsten Bundesland überhaupt nur 740 reine E- und 3808 Hybrid-Fahrzgeuge gegeben habe.

Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Robert Habeck erklärte: Durch ein Förderprogramm des Landes würden aktuell 65 neue Ladesäulen in 34 Kommunen errichtet. Hinzu kämen zahlreiche Säulen auf rein private Initiative. „Eine flächendeckende und öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur ist der Schlüssel für den Erfolg der Verkehrswende“, so Habeck.

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erstellt am 25.Okt.2016 | 11:27 Uhr

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